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Düren: Wichtig ist nur, was hinten raus kommt

Düren : Wichtig ist nur, was hinten raus kommt

Akten, nichts als Akten. Wenn Leo Dammers seinen Reißwolf füttert, schnaubt er vor Vergnügen und schlingt die trockene Kost in großen Brocken hinunter. Was hinten wieder rauskommt, sind quadratische Pakete aus gepressten Konfetti. Altpapier.

„Der frisst ganze Aktenordner”, sagt Dammers bloß.

Damit verdient der 60-Jährige sein Geld. Es gibt Menschen, die Akten anlegen. Es gibt Menschen, die Akten sortieren. Leo Dammers ist einer, der Akten vernichtet. Das steht auch auf seinem Lastwagen, in dem sich der Schredder - eine Eigenkonstruktion - und ein Stromaggregat befinden. Weiter unten steht außerdem, dass er seine Arbeit „gemäß Bundesdatenschutzgesetz nach DIN 32757” erledigt.

Wichtige Sache. Dammers sieht sich nämlich in erster Linie als Datenschützer. Er sagt: „Ich verkaufe Sicherheit.” Wenn Leo Dammers Akten vernichtet, sind sie auch wirklich futsch. Vielen seiner Kunden, darunter Rechtsanwälte, Sparkassen, kommunale Verwaltungen und Industriebetriebe, liegt eine solche Leistung schon sehr am Herzen. Als Datenschützer muss Dammers immer sehr verschwiegen sein. Erlebt hat er schon so einiges, erzählen will er nur manches. Weil: „Diskretion ist alles.”

Einmal, da musste er einen Auftrag für die Schweizer Botschaft in Bonn erledigen. Also vor dem Umzug der Regierung nach Berlin. Eine Schachtel mit Pässen sollte er vernichten. Normalerweise, sagt er, lohne sich die weite Anreise für so wenige Dokumente nicht. Für Stammkunden mache er das aber gerne. Ein anderes Mal war er für die Amerikanische Botschaft im Einsatz. Und da hätten dann Soldaten mit Maschinenpistolen im Anschlag die ganze Szene überwacht. Zu erzählen gäbe es ja noch so viel. Wenn nur die Sache mit der Diskretion nicht wäre.

Ab und an bleiben Passanten vor dem Lastwagen von Leo Dammers stehen, um auf die Hebebühne und ins Innere zu schauen. Zuerst ein älterer Herr, dann ein Vater mit seinem Sohn, angelockt von Schriftzug und dem Geschmatze des Reißwolfs. Sie scheinen es interessant zu finden, dass da jemand Dokumente vernichtet, auf denen ganze Biographien oder zumindest gewisse Teile davon niedergeschrieben sind. Früher war der gelernte Kfz-Meister im Autohandel tätig. „Da gab es Garantien, da gab es Kulanz, da gab es unzufriedene Kunden”, erinnert er sich. Das sei heute alles anders: „Unzufriedene Kunden kenne ich nicht.”