Düren: Wer nicht kommen will, der wird besucht

Düren: Wer nicht kommen will, der wird besucht

Peter Junker pflegt ein durchaus herzliches Verhältnis zu dem Ort, an dem er wohnt und arbeitet. „Düren ist eine liebenswerte Stadt - man muss nur genauer hinsehen”, sagt der Teamleiter der Mobilen Jugendarbeit im Jugendamt.

Junker und sein Mitarbeiterstab sehen genauer hin. Und mehr noch: Sie kümmern sich. Man könnte auch sagen: Sie holen die Jugendlichen buchstäblich dort ab, wo sie stehen. Denn die Fachkräfte haben in 25 Jahren etwas geschaffen, das sich als „Geh-Struktur” bezeichnen lässt. Im Gegensatz zur „Komm-Struktur”, die auf stationäre Angebote setzt, aber viele Jugendliche gar nicht erreicht.

Die Dürener Gastgeber des Arbeitskreises Streetwork/Mobile Jugendarbeit nutzten das gestrige Treffen von Sozialarbeitern aus dem ganzen Rheinland in der Fabrik für Kultur & Stadtteil, einmal Rückschau zu halten, ohne Gegenwart und Zukunft aus den Augen zu verlieren. Nach Köln und Aachen war Düren die dritte Kommune im Rheinland, die Jugendarbeit mobil gemacht hat.

„Wer sich in die Lebenswelten von Jugendlichen begeben will, der darf nicht sitzen bleiben”, zeigte sich Bürgermeister Paul Larue überzeugt und lobte die Streetworker für ihre „Pionierarbeit”. Trotz finanzieller Engpässe aufgrund des Nothaushalts sei es gelungen, diesen Tätigkeitsbereich in das Gesamtkonzept von Jugendarbeit einzubauen, sagte Larue mit Hinweis auf den Jugendförderplan. Wie Teamleiter Junker illustrierte, ist für jeden Sozialraum eine mobile Kraft zuständig, die regelmäßig vor Ort in Kontakt mit Jugendlichen tritt, weil sich ein großer Prozentsatz nicht von „einrichtungsbezogenen” Angeboten angesprochen fühlen.

Das sind Sabine Kieven (Sozialraum Mitte-Nord), Nicola Engels (Süd), Simone Schneider (Süd-Ost), Martin Zimmerbeutel (Ost), Michael Nepomuk und Andrea Klemm (beide Nord-West). Zur Verfügung stehen ihnen mehrere Jugendmobile. An Bord ist beinahe jede erdenkliche Freizeitausrüstung - vom Brettspiel bis zum Fußball. Eine Kooperation mit anderen Institutionen wie den Kirchen gibt es seit Jahren. Während sich die Straßensozialarbeit auf die Einzelfallhilfe konzentriert, geht es bei der Mobilen Jugendarbeit vornehmlich um freizeitpädagogische Aspekte.

„Jugendliche haben eine schlechte Lobby”, sagte Sabine Kieven. „Es wird oft nur dorthin geschaut, wo sie sich betrinken oder etwas kaputt machen.” Bei seinem Treffen beschäftigte sich der Arbeitskreis mit Verhaltenstipps in brenzligen Situationen und Deeskalationstechniken. Referenten waren Wilfried Thönnessen vom Kriminalkomissariat Vorbeugung und Jürgen Kraß-Kuth, Taekwondo- und Hapkido-Großmeister.

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