Kreuzau: Wenn Schwämme und Blumen auf der Bühne landen

Kreuzau: Wenn Schwämme und Blumen auf der Bühne landen

Wilder Westen, wir schreiben das Jahr 1876. Zwei Männer, die mutigsten Cowboys ihrer Zeit, stehen vor dem Saloon in Silver City.

Um sie herum ist es still, die restlichen Bewohner der Stadt haben sich in ihren Häusern verschanzt, aus Angst vor der bevorstehenden Schießerei.

Die beiden Männer lassen sich keinen Moment aus den Augen, umkreisen sich, warten auf eine falsche Bewegung des jeweils Anderen.

Dann plötzlich zieht einer in Sekundenschnelle seine Pistole- und schießt seinem Gegner vor die Füße, lässt ihn wild hüpfen und tanzen. Die Stille wird gebrochen, die gespannten Zuschauer können sich vor Lachen nicht mehr halten und spenden den beiden Kontrahenten großen Applaus. Das Lachen schwillt gar nicht mehr ab, denn schon im nächsten Moment gibt es einen Szenenwechsel nach Bollywood, und die beiden kampfwütigen Cowboys tanzen ganz wie ihre großen Vorbilder aus Indien inklusive Blütenregen über die Bühne...

Das war nur ein kleiner Ausschnitt aus der grandiosen Vorstellung des Improvisationstheaters des Gymnasiums. Die Mitglieder sind allesamt Schüler aus der Jahrgangsstufe 13, und es ist schon beachtlich, dass sie es trotz des Abiturstresses geschafft haben, so eine tolle Show auf die Beine zu stellen. Alle waren mit viel Spaß und Kreativität dabei. Die Schauspieler liefen von Spiel zu Spiel immer mehr zu Höchstform auf und zogen die Zuschauer von Anfang an in ihr Spiel mit ein: Die Antworten des Publikums auf die vom Moderator gestellten Fragen beeinflussten die dargestellte Handlung, da die Schauspieler diese sofort in die Tat umsetzten und in die Bühnenshow mit einfließen ließen.

So musste sich beispielsweise Ricardo Falter der Rolle eines 30- jährigen Muttersöhnchen fügen oder Elisabeth Hanuschkin herausfinden, dass sie einen Baum, an dem Bier wächst, erfunden hat. Schon beim Einlass wurde klar, dass es sich bei dieser Vorstellung um kein gewöhnliches Theater handelte. Es wurden Blumen und Schwämme zum Verkauf angeboten; die Schwämme sollten geworfen werden, wenn dem Zuschauer etwas nicht gefiel und die Blumen, wenn etwas besonders gut war: Ein oft umgesetzter „Brauch” in der Improtheater-Szene. Die Darsteller präsentierten ihr Können in vielen verschiedenen Spielen. Highlights waren aber vor allem die Übersetzung eines Gesprächs über das „exotische Land” Mallorca in Gebärdensprache und die Darstellung einer Sauna-Szene in verschiedenen Stimmungs- und Gefühlslagen, die wieder das Publikum selbst bestimmen konnte.

„Otto, sei mit mir schwerelos

Einen großen Beitrag zum Gelingen des Abends lieferten auch Kai Störling, der sich um die Lichttechnik kümmerte und Musiklehrer Christian Ebbertz, der verschiedene Szenen mit passender Musik untermalte.

Schließlich fand der Abend dann aber doch noch mit einem bis dato unbekannten Michael-Jackson-Remix namens „Otto, sei mit mir schwerelos” und dazu passenden originalgetreuen Tanzeinlagen sein Ende. Es regnete jede Menge Schwämme auf die Bühne, weil das Spiel nach Verlängerung und Zugabe dann doch vorbei war, aber noch mehr Blumen, weil es einfach jeden begeistert hat.

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