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Kirsten Fuchs im Haus der Stadt: Wenn der Bauch zum Austragungsort wird

Kirsten Fuchs im Haus der Stadt : Wenn der Bauch zum Austragungsort wird

Wie entschuldigt sich eine Frau bei ihrem Mann? Die bekannte Komikerin Kirsten Fuchs weiß eine Antwort und erzählte dies und vieles mehr den Menschen im Haus der Stadt.

In der deutschen Kleinkunstszene hat sich Kirsten Fuchs als Autorin und Comedy-Slam-Star mit ihren wunderbar selbstironischen Schilderungen des Makrokosmos einer Berlinerin unter besonderer Berücksichtigung der Herausforderungen des Elternwerdens und -seins einen Namen gemacht. Sie erhielt zudem mehrere Preise, zuletzt den W.-G.-Sebald-Literaturpreis 2022 für ihren Text „Sneaker“, den die Jurymitglieder als „sprachlich pointiert, witzig und klug“ beschrieben.

Genau so erlebten die Gäste im Da-Capo-Café im Haus der Stadt die Künstlerin, die zu Beginn die These in den Raum warf, dass Kabarett und Comedy nur erfunden wurden, um die Erlebnisse zu verarbeiten, die man mit der Deutschen Bahn zu ertragen hatte. War sie doch gerade erst mit dreistündiger Verspätung in Düren angekommen.

Auf Einladung des Komm-Kulturzentrums und im Rahmen der Reihe „SWD.Kommedy.Abende“ sorgte Kirsten Fuchs mit ihrer unaufgeregten und sympathischen Art für Dauergrinsen auf den Gesichtern der Gäste. Sie konfrontierte ihre Zuhörer mit allerlei intelligenten Fragen, die unseren Alltag unter die Lupe nahmen und Gewohntes einem Perspektivwechsel unterzogen.

Einige Beispiele: Treueherzen könne man doch eigentlich gar nicht sammeln, philosophierte sie, eher untreue Herzen, da die anderen doch blieben, oder? Was schenken Frauen, die ein schlechtes Gewissen haben ihrem Mann? Er schenkt ihr einen Blumenstrauß. Schenkt sie ihm wohl am besten Bier, um sich zu entschuldigen? Ist der Bauch einer Schwangeren ein Austragungsort? Und schließlich: Gibt es eigentlich Menschen, die so berühmt sind, dass sie sich runterschlafen wollen?

Nach diesen humorvollen Schlaglichtern erzählte sie von „einschneidenden Erlebnissen“ wie ihrem Kaiserschnitt und ihren Beobachtungen im Wochenbett. Dabei warf sie wiederum großartige Fragen auf, wie die, warum Babysocken Stoppernoppen haben? Laufen lerne man doch erst viel später.

Ihr Fazit: In dieser Zeit habe sie sich gefühlt wie „Susiphus“, die (von ihr erdachte) Ehefrau des Königs Sisyphus, der, von den Göttern gestraft, immer wieder vergeblich versucht, einen riesigen Steinbrocken den Berg hinaufzurollen. Einen ähnlich kräftezehrenden nie endenden Kreislauf habe sie beim Stillen erlebt: „Susiphus hat das Baby gestillt, gewickelt, gestillt, gewickelt….“

Kirsten Fuchs schilderte wunderbar übertrieben und doch sehr nachvollziehbar ihren Kampf mit dem Onlinebanking und den damit verbundenen Akkreditierungsversuchen sowie einer gehörigen Portion PIN-Nummer-Verwirrung, die nicht nur die Seite der Bank, sondern auch sie selbst zusammenbrechen ließen. Darüber himnaus fragte sie sich, ob Schamhaare wohl nur aus einem Grund erfunden wurden: um darin Duschgel und Seife aufzuschäumen und ob sie daher nicht viel eher Schaumhaare heißen müssten.

Das Publikum bedankte sich für den kurzweiligen satirischen Abend mit lang anhaltendem Applaus.