Jugendchorwochenende des Bistums: Wenn 130 junge Stimmen erklingen

Jugendchorwochenende des Bistums : Wenn 130 junge Stimmen erklingen

„Macht doch mal ein Fenster auf, wir brauchen Luft“, ruft jemand quer durch den ziemlich kleinen Raum, der unter der Hand schon Pumakäfig genannt wird. Im „Verlies“ ist es ziemlich eng geworden, 130 „Insassen“ teilen sich den Platz.

Die Stimmung ist angespannt. Aber im positiven Sinne. Schließlich wächst gerade auf kleinstem Raum eine Gemeinschaft zusammen. Es wird zusammen gearbeitet, geprobt – und gescherzt und gelacht.

Kuchenpause

Das „Verlies“ ist ein Tagungsraum in der Jugendherberge Nideggen – und für zweieinhalb Tage der Mittelpunkt aller Proben des Jugendchorwochenendes, zu dem das Bistum Aachen Jugendchöre eingeladen hat. Höhepunkt des Wochenendes war der Gottesdienst der Jugendlichen mit Bischof Dr. Helmut Dieser in der Nideggener Pfarrkirche St. Johannes Baptist. Am 17. Februar treten die Jugendlichen noch einmal zusammen als Chor auf: in Aachen-Burtscheid gestalten Teilnehmer ein Konzert.

 Doch zurück zu den Proben. Es ist Samstagnachmittag, kurz vor der Kuchenpause. Wenn es wie jetzt im „Verlies“ einmal etwas kniffliger wird, eine besonders schwierige Stelle zum x-ten Mal wiederholt wird, hat Professor Michael Hoppe einen lockeren Spruch auf den Lippen . „Ich habe ja nichts gegen Körperhygiene. Aber bitte nehmt jetzt einmal den Schwamm aus dem Mund“, ruft der Kirchenmusik­referent im Bistum Aachen den jungen Sängerinnen und Sängern zu. Ein Lachen entspannt die Muskeln.

„Ja, das ist schwierig, aber da müssen wir durch“, sagt der Chorleiter augenzwinkernd. Und noch einmal Takt 78. Aber schon gleich viel besser. Hallelujah, so soll es klingen!

„Zwei Tage lang habt ihr geprobt – heute ist alles live“, bedankte sich der Aachener Bischof am Sonntag bei den Jugendlichen für deren Einsatz. Aus eigener Erfahrung wisse er, wie mühsam Proben sein können, wie steinig mancher Weg sei.

„Was euch berührt“

Aber es lohne sich, diese Mühen auf sich zu nehmen, Gemeinschaft zu erfahren, Freude zu schenken und geschenkt zu bekommen, Menschen mit dem Gesang zu berühren. „Ihr seid die jungen Christen im Bistum Aachen. Rechnet damit, dass Gott euch kennt – und dass er euch ruft, dass er euch braucht. Geht dem nach, was euch berührt“, gab er den Jugendlichen mit auf den Weg.

Die Idee, erstmals ein Jugendchorwochenende zu organisieren, ist im Kreis der Kollegen entstanden, erklärte Chorleiter Frank Sibum aus Aachen-Forst. „Wir wollten ganz speziell etwas für Jugendchöre anbieten“, sagt er.

Die Idee fand Unterstützung beim Referat für Kirchenmusik des Bistums Aachen. 130 Jugendliche im Alter von elf bis 20 Jahren aus dem Bistum nahmen an der Premiere in Nideggen teil. Von Pop bis Gospel und Worship erarbeiteten sich die Mitglieder der verschiedenen Chöre ab Freitagabend gemeinsam das neue Repertoire für den Gottesdienst. „Das Interesse war groß“, freut sich Michael Hoppe. Singen sei zwar derzeit so populär wie schon lange nicht mehr, aber kirchliche Chöre hätten es dadurch nicht automatisch leichter, Nachwuchs zu finden. Die Stücke waren bewusst so ausgewählt, dass jeder Chor sie auch in der eigenen Gemeinde singen kann.

Gemeinschaft erfahren

Das Jugendchorwochenende war dennoch für die Teilnehmer eine besondere Erfahrung: In so großer Besetzung mit so vielen gleichgesinnten Sängerinnen und Sängern finden nur selten Proben, geschweige denn Gottesdienste statt. „Wir wollen Gemeinschaft erfahrbar machen“, ist Frank Sibum überzeugt. „Die Chorarbeit prägt junge Menschen, hat soziale Aspekte“, fügt Michael Hoppe hinzu.

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