Weitspringerin Nicole Kondziella trainiert beim TV Wattenscheid

Weitspringerin Nicola Kondziella : Der Traum von der Sieben-Meter-Marke

Nicola Kondziella hat große Ziele, sehr große sogar. Die 17-jährige Weitspringerin träumt von internationalen Wettbewerben, davon konstant weiter als sieben Meter zu springen. So wie Malaika Mihambo, die gerade in Berlin Deutsche Meisterin geworden ist, und die Sieben-Meter-Marke regelmäßig überspringt.

Nicola Kondziella aus Düren ist diesem Ziel im vergangenen Jahr ein ganzes Stück näher gekommen. Im August 2018 wechselte die Schülerin vom Dürener Turnverein zum renommierten Leichtathletik-Club TV Wattenscheid – und hat ihre persönliche Bestweite von 5,99 Meter in dieser Zeit auf 6,19 Meter verbessert, also immerhin um 20 Zentimeter. Kondziella: „Das ist eine ziemlich gute Steigerung. Meine neue Bestmarke habe ich bei den Deutschen U 18-Meisterschaften in Ulm erzielt. Und damit bin ich dort Zweite geworden.“

Dabei war der Wechsel von Düren nach Wattenscheid nicht leicht. In dem Bochumer Stadtteil lebt Kondziella mit einer Diskusswerferin und einer Sprinterin in einer WG im Sportinternat. Vom Wirteltor-Gymnasium ist sie auf ein Berufskolleg gewechselt, wo sie parallel zu ihrem Abitur noch eine Ausbildung zum Freizeitsportleiter macht. „Wir haben morgens normal Schule“, erzählt Nicola Kondziella, „und nachmittags Training. Dass ich mich mit meinen Mitbewohnerinnen von Anfang an so gut verstanden hat, hat mir den Wechsel mit Internat und neuer Schule sehr erleichtert.“

In Düren hat die junge Frau drei- bis viermal pro Woche anderthalb bis zwei Stunden trainiert. In Wattenscheid steht sie fünfmal für zwei bis drei Stunden auf dem Sportplatz. Ihr Pensum hat sich also nahezu verdoppelt. „Das war schon eine Umstellung“, sagt die talentierte Leichtathletin. „Und in der ersten Zeit hatte ich ziemliche Knochenhautschmerzen, aber mittlerweile ist alles wieder in Ordnung.“ Hat sie beim DTV noch verschiedene Leichtathletik-Disziplinen trainiert, konzentriert sie sich nun auf Weitsprung und Sprint. „Das war auch die richtige Entscheidung. Vorher habe ich konstant eigentlich nur die 5,80 Meter gesprungen.

Meine Bestweite von 5,99 Meter war damals ein echter Ausreißer. Jetzt springe ich konstant über 6,10 Meter. Das ist in Ordnung.“ Aber natürlich für die Sportlerin auch längst kein Grund, sich entspannt zurückzulegen. „Ich weiß genau, wo ich mich noch verbessern muss“, sagt sie. „Ich muss an meiner Sprungtechnik arbeiten, außerdem müssen meine letzten Schritte vor dem Brett höher werden. Und auch, was meine Flugphase und meine Schnelligkeit angeht, kann ich noch viel tun.“

Nicola Kondziella ist vor einem Jahr vom Dürener Turnverein zum TV attenscheid 01 gewechselt. Foto: Marcel Merkel

Neben Schule und Training bestreitet Nicola Kondziella in der Saison zwischen zehn und 15 Wettkämpfe, jetzt gerade hat sie knapp vier Wochen Trainingspause. „Es ist gut, dass in meiner Jahrgangsstufe einige sind, die so wie ich leistungsmäßig in Wattenscheid trainieren. Da nehmen die Lehrer schon Rücksicht drauf und verschonen uns manchmal mit allzu vielen Hausaufgaben. Aber gerade in der Klausurphase ist es schon sehr anstrengend, nach Schule und Training noch für die Prüfungen zu lernen.“

Das und die Tatsache, dass sie ihre Eltern und Geschwister manchmal schon sehr vermisst, sind aber für Nicola Kondziella kein Grund, ihren Wechsel von Düren nach Wattenscheid zu bereuen. „Überhaupt nicht“, sagt sie. „Ich bereue nichts. Es war die richtige Entscheidung, nach Wattenscheid zu wechseln. Ich will sportlich noch sehr viel erreichen. Und das kann ich da.“

Ab dem kommenden Jahr startet Kondziella in der Altersklasse U 20, in zwei Jahren dann U 23, bevor sie zu den Seniorinnen wechselt. „Aber so weit im Voraus denken unsere Trainer nicht“, sagt sie. „Wir gucken jetzt nur auf die nächsten zwei Jahre. Und da geht es eben darum, meine Weite und meine Technik entscheidend zu verbessern.“

Neben ihren sportlichen Fortschritten ist Nicola Kondziella überzeugt, sich auch menschlich weiterentwickelt zu haben. „Ich bin viel selbstbewusster geworden“, sagt sie. „Wenn ich in Wattenscheid bin, muss ich alles selbst regeln. Das hat dazu geführt, dass ich auch zu Hause viel mehr im Haushalt mithelfe.“ Ihre Mutter Dagmar hat noch eine anderen Beobachtung gemacht: „Nicola ist viel offener geworden“, sagt sie. „Sie geht viel mehr auf Menschen zu.“ Richtige Vorbilder hat die junge Sportlerin keine. „Ich will meinen Weg gehen. Viel trainieren und mich konstant  verbessern.“ Und vielleicht startet die 17-Jährige dann irgendwann im Deutschland-Trikot.

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