Nach Tod eines 17-jährigen Radfahrers: Weißes Fahrrad als Mahnung und Debatte über Schutzmaßnahmen

Nach Tod eines 17-jährigen Radfahrers : Weißes Fahrrad als Mahnung und Debatte über Schutzmaßnahmen

Nach dem tragischen Tod eines Radfahrers auf der Aachener Straße hat die Initiative „Pro Rad Düren“ an der Unfallstelle, wo der junge Mann am Donnerstag von einem Lkw erfasst wurde, ein weißes Fahrrad aufgestellt.

Freunde und Bekannte haben Blumen und Kerzen abgestellt. Das Fahrrad soll eine Art Mahnmal sein, dass Auto- und Lkw-Fahrer für die Belange der Radfahrer sensibilisiert.

Die genauen Umstände des Unfalls sind noch unklar, gleichwohl stehen die Fahrradschutzstreifen erneut in der Kritik. „Schutzstreifen an vierspurigen Straßen sind generell eine schlechte Idee“, erklären Rob Maris und Jens Veith von „Pro Rad Düren“ auf Nachfrage unserer Zeitung. Autofahrer würden ohnehin dazu neigen, beim Überholen zu eng an Radfahrern vorbeizufahren und den vorgeschriebenen Mindestabstand von 1,5 Metern beziehungsweise zwei Metern für Lkw nicht einzuhalten. Bei vierspurigen Straßen sei das wegen des Verkehrs auf der Parallelspur noch ausgeprägter. Für die Aachener Straße wünscht sich die Initiative schon länger eine bauliche Trennung von Rad- und Pkw-Verkehr.

Dazu müsste der motorisierte Verkehr bis zur Kreuzung August-Klotz-Straße einspurig geführt werden, so dass daneben Parkplätze und zwischen diesen und dem Gehweg ein baulich getrennter Radstreifen entstehen könnte. „Sicherheit geht vor Leistungsfähigkeit“, heißt die Maxime. Gleichzeitig ist die Initiative davon überzeugt, dass die Straße das Verkehrsaufkommen auch wegen der Verteilung des Verkehrs auf mehrere Richtungen an der Kreuzung aufnehmen könne. „Unfälle passieren meist wegen der Verkettung verschiedener Umstände. Wenn die Infrastruktur gut ist, ist das schon ein wichtiger Faktor zu deren Verhinderung“, erklärt Rob Maris.

Gegenseitige Rücksichtname

Auch die Dürener Polizei ordnet die Sicherheit von baulich abgetrennten Radwegen höher ein als die von Schutzstreifen. „Auf Schutzstreifen fühlen viele Radfahrer sich unsicher – auch, weil es dort zu einer Mischung des Rad- und Kfz-Verkehrs kommt“, sagt Polizeisprecherin Melanie Arenz. Natürlich könnten auch bauliche Radwege Sicherheitslücken haben. „Zum Beispiel, wenn parkende Autos und Hindernisse wie Hecken und Bäume die Sicht einschränken. Im Längsverkehr gelten bauliche Radwege aber als sehr sicher.“ Grundsätzlich sei vor allem gegenseitige Rücksichtnahme im Straßenverkehr oberstes Gebot.

Uwe Schmitz, Fahrradbeauftragter der Stadt Düren, hält dagegen Schutzstreifen nach wie vor für sinnvoll. „Rad- und Autofahrer sind gleichberechtigte Verkehrsteilnehmer. Deswegen gehören Radler auf die Straße. Wenn ein Radfahrer auf einem Schutzstreifen fährt, wird er wahrgenommen und respektiert – jedenfalls mehr, als auf einer Fahrbahn ohne Schutzstreifen.“

Die Sicherheit von Radfahrern war auch Thema im Verkehrs- und Bauausschuss in dieser Woche. Dort ging es konkret um die Kölnstraße, wo die Radfahrer über einen einseitigen Schutzstreifen in die Fußgängerzone geleitet werden. Dort komme es immer wieder zu gefährlichen Situationen, hieß es in der Sitzung am vergangenen Dienstag. Im Mobilitätsforum des vergangenen Jahres wurde deutlich, dass der Radsicherheitsstreifen immer wieder von geparkten Autos blockiert wird und die Breite nicht ausreicht. Darauf hat die Stadtverwaltung reagiert: mit einer neuen Markierung und verstärkten Kontrollen. Die Situation habe sich deutlich verbessert, sagte Heiner Wingels, Leiter des Amtes für Tiefbau und Grünflächen. Diese Meinung teilen jedoch nicht alle Kommunalpolitiker. „Im Zweifel müssen wir abpollern“, meinte der Grünen-Stadtverordnete Georg Schmitz.

(kin, pan, smb)