Düren: „Weisser Ring“ erreicht viel für Opferschutz

Düren: „Weisser Ring“ erreicht viel für Opferschutz

21 Menschen, darunter 14 deutsche Touristen wurden im April 2002 bei einem Terroranschlag auf der tunesischen Ferieninsel Djerba aus ihrem Leben gerissen, zahlreiche weitere schwer verletzt. Die verletzten Deutschen sowie die Hinterbliebenen der 14 Todesopfer wurden damals allein gelassen — einen Anspruch auf Leistungen nach dem Opferentschädigungsgesetz gab es 2002 nicht.

Ein Missstand, den die deutsche Opferschutzorganisation „Weisser Ring“ angeprangert hat und der 2009 angesichts weltweit zunehmender Terroranschläge schließlich behoben wurde. Seitdem können Deutsche, die im Ausland Opfer von Gewalttaten werden, Leistungsansprüche nach dem Opferentschädigungsgesetz geltend machen. „Das ist ein erster, wichtiger Schritt in die richtige Richtung“, befand jetzt Barbara Wüsten im Dürener Posthotel.

Dort fand am Wochenende die Landestagung des Landesverbands NRW/Rheinland der Opferschutzorganisation „Weisser Ring“ statt, und man beschäftigte sich unter anderem mit dem Thema „Opferentschädigung aus europäischer Sicht“.

Hier sieht Barbara Wüsten, Referentin für Opferrecht, weiterhin Handlungsbedarf: „Leider sind die Leistungsansprüche nicht so, wie wir sie gerne gehabt hätten.“ Ein Knackpunkt liegt laut Wüsten darin, dass den Opfern von Gewalttaten im Ausland nur Einmalzahlungen zustehen würden, ein Rentenanspruch, wie er für Taten in Deutschland geltend gemacht werden kann, besteht für Taten im Ausland nicht.

Wüsten: „Volle Leistungen waren politisch leider nicht durchsetzbar. Dies muss angeglichen werden, es kann im Leistungsbereich keine Unterschiede geben.“

Opferentschädigung bei Gewalttaten im Ausland — für viele Mitarbeiter des Weissen Rings ein etwas anderes Thema. Aber darum ging es im Rahmen der Landestagung des Weissen Rings: Probleme in der Opferarbeit gemeinsam besprechen und sich über neue Entwicklungen informieren lassen sowie das eigene Wissen erweitern.

„Wir sind alles Ehrenamtliche, die zwar eine Ausbildung gemacht haben, aber dennoch unsere Arbeit beim Weissen Ring nicht hauptberuflich machen“, meinte denn auch der Landesvorsitzende der Opferschutzorganisation, Jörg Beck. „Wir haben alle andere Berufe, das reicht vom ehemaligen Polizisten bis zur Hausfrau.“

Weitere Themen, die im Rahmen der Landestagung im Dürener Posthotel zur Sprache kamen, waren soziales Entschädigungsrecht, Opferschutz im Strafvollzug, Alltag am Opfertelefon, Kriminalprävention und Ehrenmorde.

Prominente Unterstützung gab es dabei von der Kölner Schauspielerin Anna Schütz, die bei der Landestagung ebenfalls zugegen war und sich künftig in der Opferschutzorganisation organisieren möchte.

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