Drove: Weihnachtskiste im Kindergarten: „Jetzt sind wir der Nikolaus“

Drove : Weihnachtskiste im Kindergarten: „Jetzt sind wir der Nikolaus“

So ein Besucher kommt nicht alle Tage in Drove vorbei: Mit großen Augen schauen die Kinder auf den Nikolaus, der mit Bischofsstab — aber ohne Hans Muff — inmitten der Gruppe Platz nimmt. Seit 18 Jahren schlüpft Martin Holzportz in die Rolle des Bischofs von Myra; sein Vater hat dies sogar fünf Jahrzehnte lang getan. Für die Kinder in der Kita St. Martin allerdings ist Holzportz der Nikolaus.

Aufmerksam lauschen sie seiner Erzählung, wie er vor vielen Jahrhunderten den Menschen seiner Heimatstadt während einer Hungernot half, welche Bedeutung das Teilen spielt. Mit Gedichten und Liedern bedanken sich die Kinder — schließlich hat der Besucher auch etwas zum Schnützen für die Gastgeber mitgebracht.

Till, Dana, Philipp, Linnéa (v.l.) und die anderen Drover Kita-Kinder packen derzeit fleißig Weihnachtskisten für die Dürener Tafel. Foto: Stephan Johnen

„Jetzt sind wir der Nikolaus“, spricht die vier Jahre alte Dana für alle Kinder im Raum und deutet auf eine Kiste, die auf einem Tisch steht. Es ist eine der Weihnachtskisten, die in jeder der drei Gruppen des Kindergartens für die Dürener Tafel gepackt wird. Die Kinder wollen bedürftigen Menschen zu Weihnachten eine Freude bereiten.

„Es gibt viele Menschen, die nicht so viel zu essen haben“, erklärt Till, warum sie in der Kita eine Weihnachtskiste für die gemeinsame Aktion der Tafeln, der WDR-Lokalzeit und unserer Zeitung packen. „Jeder bringt etwas mit. Ich habe ein Glas Nutella reingelegt“, fügt Philipp hinzu. „Wenn die Kiste voll ist, ist sie unser Geschenk“, sagt Linnéa.

„Beginnend mit St. Martin sprechen wir mit den Kindern über die christlichen Werte der Nächstenliebe und des Teilens. Armut gehört leider zur Realität, nicht allen Familien geht es gut“, sagt Kita-Leiterin Heidi Ross. Mehrfach schon hat sich der Kindergarten an der Aktion der Tafel beteiligt.

Für Heidi Ross ist dies auch eine Möglichkeit, ein Bewusstsein bei den Kindern dafür zu schaffen, dass sich der Wert eines Geschenks nicht im Anschaffungspreis bemessen lässt und dass Geschenke keine Selbstverständlichkeit sind. „Es geht auch darum, Freude zu teilen“, sagt sie. Dafür reiche beizeiten schon eine Geste. Mit der Tafel hat die Kita vereinbart, dass je eine Kiste für eine Großfamilie bestimmt ist.

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