Qualität des Grundwassers: Wasserschutz geht nicht ohne eine Kooperation

Qualität des Grundwassers : Wasserschutz geht nicht ohne eine Kooperation

Die Qualität des Grundwassers geht alle an und wenn diese von zu hohen Nitratwerten bedroht ist, sorgt das für Diskussionen. Kaum einer in der Gemeinde Vettweiß hat keine Meinung zu diesem umstrittenen Thema, viele offene Fragen dürfte es in der Bevölkerung auch geben.

Um diese anzusprechen, wäre am Samstag die perfekte Gelegenheit gewesen: Beim Infotag „Kooperativer Gewässerschutz“, anlässlich des 25-jährigen Bestehens der Kooperation zwischen Land- und Wasserwirtschaft, waren alle in einem Zelt versammelt, die Antworten hätten geben oder offene Ohren für die Sorgen der Bürger hätten haben können.

Tatsächlich waren die Veranstalter aber eher enttäuscht von dem geringen Zulauf. „Mir haben viele Leute gefehlt — aus der Bevölkerung, aber auch aus der Landwirtschaft. Das ist schade“, sagte Reinhold Fichtner, Wasserschutzberater bei der Landwirtschaftskammer.

Trotzdem ist eins am Samstag deutlich geworden: Alle beteiligten Partner sind sich einig, dass es ohne die Wasserkooperation in Vettweiß nicht geht. Nach einigen Spannungen, die im Zuge der Nitratdebatte entstanden waren, haben die Beteiligten nach eigenen Angaben ihr Jubiläumsjahr genutzt, um die Zusammenarbeit zu intensivieren und neu zu definieren.

Neue Beratungsansätze

Arbeiten gemeinsam am Gewässerschutz (v.l.): Ulf Hürtgen (Bürgermeister Zülpich), Ingo Mannek (WZV), Marco Schmunkamp (Bürgermeister Nideggen), Konrad Becker (WZV), Jakob Cramer (Vorsitzender der Wasserkooperation), Ewald Adams (Landwirtschaftskammer), Reinhold Fichtner (Landwirtschaftskammer), Erich Gussen (Kreisbauernschaft) und Jörg Kemmerling (WZV). Foto: Welkener

Fichtner betonte in einem Vortrag auf dem Infotag die Bedeutung neuer Beratungsansätze. Damit wolle er noch tiefer in die landwirtschaftlichen Betriebe hineinschauen — nicht, um sie zu kontrollieren, sondern, um ihnen gezielter helfen und sie besser beraten zu können. Sein Ziel ist auch, auf die letzten zehn Prozent der Betriebe zuzugehen, die sich bisher noch nicht von der Landwirtschaftskammer beraten lassen.

Sowohl Fichtner als auch Jörg Kemmerling, Betriebsleiter des Wasserleitungszweckverbandes Neffeltal (WZV), formulierten in ihren Vorträgen Kritik an den deutschen Gesetzen. „Der Gesetzgeber lässt den Wasserschutz im Stich“, sagte Fichtner und Kemmerling betonte: „Es muss schärfere Gesetze geben!“ Die neue Düngeverordnung erlaubt 50 statt 60 Kilogramm Nitrat pro Hektar als Überhang. Dabei — und das betonten am Samstag mehrere Experten — seien schon 20 zu viel.

Um die Landwirte bei gewässerschonenden Maßnahmen wie dem Zwischenfruchtanbau zu unterstützen, kann der WZV das Wasserentnahmegeld (fünf Cent pro Kubikmeter), das er eigentlich an das Land zahlen müsste, in Teilen auch direkt an die Landwirte vor Ort auszahlen. Mittlerweile werden 80 Prozent der entsprechenden Mittel an die Landwirte gezahlt, also 100.000 Euro.

Konstruktive Gespräche

Mit der aktuellen Stimmung innerhalb der Kooperation ist Kemmerling zufrieden. Es hätten viele konstruktive Gespräche ohne Schuldzuweisungen innerhalb der Kooperation und mit der Politik stattgefunden. „Das stimmt mich nicht nur milder, ich bin auch überzeugt, dass eine Verbesserung stattfinden wird.“