Vlatten: Was passiert mit dem Raps nach der Ernte?

Vlatten: Was passiert mit dem Raps nach der Ernte?

Acht Prozent der landwirtschaftlichen Flächen, also rund 3500 Hektar, werden mit Raps bestellt, die Felder stehen gerade in voller Blüte. Das Rapskorn enthält gut 40 Prozent Öl, dass als Speiseöl, Biodiesel oder auch in der chemischen Industrie Verwendung findet.

Die Rapsölmühle im landwirtschaftlichen Anwesen von Wilhelm-Josef Schäfer steht allerdings still, schon seit einigen Jahren. „Die Energiepolitik in diesem Land ist eine absolute Katastrophe“, sagt der Landwirt. Was 2007 als Erfolgsgeschichte und vor allem als Schritt in eine „grüne“ Zukunft begann, sei jäh ausgebremst worden. Schäfer: „Die damals noch rot-grüne Regierung versprach, dass Rapsöl in den kommenden 20 Jahren mit keinerlei Steuer belegt würde.“

Die damalige Politik hätte mit regional nachwachsenden Energiepflanzen CO2 deutlich reduzieren und Arbeitsplätze im ländlichen Raum schaffen wollen. 60.000 Euro investierte der 51-jährige Landwirt in die Anschaffung der Mühle. 700 Tonnen Raps konnte Wilhelm-Josef Schäfer pro Jahr mit seiner Maschine pressen, was 250.000 Liter Öl und 450 Tonnen Rapskuchen entspricht. Das Öl eignet sich sowohl als Speiseöl als auch als Dieselersatz. Bei Rapskuchen handelt es sich um ein eiweißreiches Futtermittel. Schäfer: „Vor allem war unser Rapskuchen genfrei, was man von dem importierten Material aus Südamerika nicht behaupten kann.“

Teure Zertifizierung

Doch dann wechselte die Bundesregierung und alle Versprechungen seien hinfällig geworden. Schäfer: „Der neuen Regierung waren die kleinen Mühlen ein Dorn im Auge, ebenso den Mineralölkonzernen.“ Entgegen aller Versprechungen wurde das Rapsöl mit einem hohen Steuersatz belegt, zudem mussten die Mühlenbetreiber viel Geld in Zertifizierungen stecken und eine Vielzahl von Auflagen erfüllen. Eine Anschlusszertifizierung für fünf Jahre hätte beispielsweise 6000 Euro gekostet. Schäfer: „Jeder Betreiber, der da nicht mitmachte, erhielt keine Genehmigung mehr. Daran sind die kleinen Ölmühlen zugrunde gegangen.“

Mancher Betreiber habe seine Anlage weit unter Wert verkauft. Wilhelm-Josef Schäfer, der für die regionale Energiegewinnung steht, hält an seiner Mühle fest und hofft: „Vielleicht lässt sich die Maschine umbauen, wird neu abgenommen, und es lässt sich damit etwas anderes produzieren.“ Der Vlattener sieht in der Praxis viele Möglichkeiten der sinnvollen und dezentralen Gewinnung von „grünem“ Strom. Allerdings sieht er auch: „Das Thema wird von den Politikern nicht angepackt.“

Der Raps, den Schäfer in Vlatten anbaut, müsse bis nach Neuss gebracht werden. Dort steht eine große, zentrale Ölmühle. Schäfer: „Die Wege bis zu den zentralen Mühlen sind sehr weit und die Ökobilanz damit sehr schlecht.“

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