Düren: Was im Umgang mit traumatisierten Flüchtlingen zu beachten ist

Düren: Was im Umgang mit traumatisierten Flüchtlingen zu beachten ist

Manchmal reicht schon ein Geräusch, um eine starke Reaktion auszulösen. So weiß Hava Zaimi vom Verein Goldrute von einer aus Syrien geflüchteten Frau zu berichten, die sich auf den Boden warf, als ein Hubschrauber über Düren flog.

„Wir wissen oft nicht, welche schwierigen Wege Flüchtlinge hinter sich haben“, sagt Hava Zaimi. Welches Leid sie womöglich schon in ihrer von Krieg oder Not geplagten Heimat erlitten haben. Doch wie sollen Ehrenamtler, die sich in der Flüchtlingsarbeit engagieren, Anzeichen einer Traumatisierung erkennen? Wie können sie die Frauen sensibel betreuen und Brücken zum bestehenden Hilfssystem bauen?

Antworten auf diese Fragen wollen der Verein Goldrute — Migrantinnen-Netzwerk gegen häusliche Gewalt —, der Verein Frauen helfen Frauen und der regionale Caritasverband gemeinsam geben. Das Ministerium für Familie, Soziales und Gesundheit unterstützt die Kooperationspartner von April bis Jahresende mit 30.000 Euro. Bereits im Vorjahr lief das Projekt an, das Ehrenamtler auf den Umgang mit traumatisierten Flüchtlingsfrauen vorbereiten soll.

Der Caritasverband bietet zwei Fortbildungen für ehrenamtlich tätige Helfer aus Vereinen an, in denen unter anderem vermittelt werden soll, wie Traumata erkannt werden können — und wie sich Helfer verhalten sollen. „Ganz wichtig ist es, eine Retraumatisierung zu verhindern“, sagt Gisela Gerdes vom Caritasverband. Anstatt die Themen Flucht und Leid direkt anzusprechen, sollten beispielsweise Möglichkeiten für die Flüchtlinge geschafften werden, sich selbst einbringen zu können, einer sinnvollen Tätigkeit nachgehen zu können, Alltag zu leben. Die Helfer lernen auch, die nötige professionelle Distanz zu wahren. Gleichzeitig bietet der Verband eine Supervision an, bei der neben einem Dolmetscher auch ein Experte Gespräche begleitet.

Der Verein Frauen helfen Frauen wird zehn Veranstaltungen für jeweils 15 bis 20 Ehrenamtler aus der Flüchtlingsarbeit organisieren, drei davon richtet der Jülicher Verein aus. „Dieses dezentrale Vorgehen hat sich bewährt“, ist Petra Müller von Frauen helfen Frauen überzeugt. Auf diese Weise könnten viele Ehrenamtler unterstützt werden. „Helfer werden nicht alleingelassen“, betont sie.

Als Bindeglied zwischen Ehren- und Hauptamt fungiert das Migrantinnennetzwerk. „Wir kennen viele Hilfs- und Beratungsstellen sowie Mediziner und Therapeuten“, erklärt Nermin Ermis. In anderthalb Monaten habe das Netzwerk schon 39 Flüchtlingsfrauen zur Seite gestanden. Von Vorteil sei auch, dass die acht Beraterinnen aus sechs verschiedenen Ländern und Kulturen stammen und zwölf Sprachen sprechen. „Viele haben selbst eine Migrationsgeschichte oder sind aus einem Land geflohen“, sagt Hava Zaimi. Das erleichtere es vielen Flüchtlingen, schneller Vertrauen zu fassen, sich mehr zu öffnen.

Im Rahmen der bisherigen Arbeit habe sich herausgestellt, dass die Themen Zweiter Weltkrieg und Flucht auch manchen Helfer der älteren Generation beschäftigen. Der Arbeitskreis offene Altenarbeit will dieses Kapitel im Herbst zum Thema machen und öffentlich darüber diskutieren.