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Hospiztag: Was braucht es, um gut sterben zu können?

Hospiztag : Was braucht es, um gut sterben zu können?

Rund 100 Teilnehmer stellten sich auf Einladung der Hospizbewegung Düren-Jülich dem Thema Sterben, erstmalig auf dem Campus Stockheim.

„Was trägt uns Menschen, wenn die letzte Lebensphase beginnt? Wer gibt mir Stabilität auf der Reise in die Endlichkeit? Was braucht es, um gut abschiedlich leben und sterben zu können? Wir alle wissen, dass wir sterben müssen, wie damit umgehen?“ Rund 100 Teilnehmerinnen und Teilnehmer stellten sich auf Einladung der Hospizbewegung Düren-Jülich diesem Thema, erstmalig in den Räumen des Notfallbildungszentrums (NOBiZ) auf dem Campus Stockheim.

Stefan Wilms, Leiter des NOBiZ erläuterte das Aufgabenspektrum sowie die nahe Verbindung zum Thema Hospiz. Schirmherr Paul Larue, Bürgermeister a. D., wies auf die Geschichte der Sterbebegleitung hin, und betrachtete die neuzeitliche Entwicklung in Düren. Professor Dr. Dr. Reimer Gronemeyer, Soziologe und Theologe aus Gießen, griff in seinem Vortrag „Ein Netz von Angehörigen und Profis das trägt“ die Tradition der Sterbebegleitung auf und stellte die provokante Frage, ob das Sterben immer den Professionellen braucht?

Der Natürlichkeit von Leben und Sterben wieder mehr Räume zu eröffnen, ist die Aufgabe des Ehrenamtes. So appellierte Professor Gronemeyer in seinem spannenden Vortrag zum Aufbruch für mehr Menschlichkeit. Nur dann, wenn Profis und Ehrenamt gemeinsam den Nahestehenden und den Sterbenden die Stabilität geben, die es braucht, kann das Anliegen der Hospizbewegung gelingen. Eindrucksvoll wurden mit der Angehörigen Annemarie Esser und der Palliativmedizinerin Dr. Charlotte Holmgren Haas persönliche Erfahrungen bei einer Sterbebegleitung den Teilnehmerinnen und Teilnehmern vorgetragen.

Bei der Podiumsdiskussion mit Vertretern der Hospizbewegung, des SAPV (Spezialisierte ambulante Palliativversorgung), der Palliativmediziner, des Stationären Hospiz, der Palliativstationen des Krankenhaus Düren und des St.-Augustinus-Krankenhauses Lendersdorf und der Seelsorge, wurden die Möglichkeiten der Unterstützung bei der Sterbebegleitung vorgestellt und diskutiert.

Einigkeit bestand über ein gut und langjährig funktionierendes Netzwerk im Kreis Düren. Jedoch ist in der Öffentlichkeit dieses Angebot nicht so präsent und kommt im Falle der Bedürftigkeit nur bedingt zum Tragen.

In der abschließenden Runde wurden Wünsche für die Zukunft erörtert: „Wie gelingt es den Bürgerinnen und Bürgern die ambulante Hospizarbeit frühzeitiger in Anspruch zu nehmen, sodass die gemeinsame Wegstrecke bedürfnisorientiert den Sterbenden und Nahestehenden solide gestaltet werden kann? Wie können Hausärzte als Partner gemeinsam mit der Hospizbewegung die Begleitung aufbauen? Wie können wir in der existenziellen Krise Bürokratie abbauen? Wie können wir jüngere Menschen für die Hospizarbeit begeistern?“

Als perspektivische Möglichkeiten wünschten sich die Teilnehmerinnen und Teilnehmer mehr Öffentlichkeitsarbeit. Große Sorge bereitet allen Beteiligten, bedingt durch die Ökonomisierung vonseiten der Krankenkassen und aktuelle Entwicklungen aufseiten der Kliniken, die Einschneidungen von medizinischen Leistungen. Dies geht eindeutig zulasten der qualitativ hochwertigen Versorgung und der Mitmenschlichkeit von Sterbenden.

(red)