Düren: Wanderausstellung: Mit Vorurteilen endlich aufräumen

Düren: Wanderausstellung: Mit Vorurteilen endlich aufräumen

Sie gingen, angelockt von der Aussicht auf ein besseres Leben, vor Jahrhunderten nach Russland. Vor allem Zarin Katharina II., genannt die Große, schaffte es damals, zahlreiche Deutsche in ihr Reich zu lotsen. Zwischen 1763 und 1862 wurden in Russland 3536 deutsche Siedlungen an der Wolga, in der Ukraine und im Kaukasus in Moldawien erbaut.

Vor allem in der Landwirtschaft brachten die Menschen aus Deutschland ihr Können ein. In den 1990er Jahren kamen die so genannten „Russlanddeutschen“, also die Nachfahren der Auswanderer, in Strömen zurück. Der ehemalige Bundeskanzler Helmut Kohl sorgte mit vereinfachten Gesetzen für eine unkomplizierte Rückkehrmöglichkeit in die Bundesrepublik. Seit Dienstagnachmittag ist im Rathaus in Düren die Wanderausstellung „Deutsche aus Russland — Gestern und Heute“ zu sehen.

Im Foyer des Rathauses stehen Schautafeln, zudem liegen Broschüren aus, die sich mit der Geschichte der Russlanddeutschen befassen.

200 Städte

Projektleiter ist Jakob Fischer, selbst Deutscher aus Kasachstan. Er führte mit einer Power-Point-Präsentation in die Ausstellung ein und zeigte auf einer Leinwand Kurzfilme über die Geschichte und die Integration der Deutschen aus Russland. Fischer: „In 200 Städten wird die Ausstellung in diesem Jahr gezeigt. Parallel haben wir acht Ausstellungsexemplare auf den Weg gebracht.“ Initiator ist der Verein „Landsmannschaft der Deutschen aus Russland“ mit Sitz in Stuttgart.

Gefördert wird das Projekt vom Bundesministerium des Innern (Berlin) und vom Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (Nürnberg). Dass die Ausstellung auch in Düren gezeigt wird, ist der Volkshochschule Rureifel zu verdanken. Als Vertreter waren der Leiter der VHS Rureifel, Friedhelm Esser, und sein Mitarbeiter Dieter Bergheim bei der Vernissage dabei.

Ziel des Projekts

Ein Ziel des Projekts ist es unter anderem, Vorurteile abzubauen. So lautet ein Satz, der den Deutschlandrussen immer wieder entgegenschlägt: „Ja, sie haben nichts in die Rentenkasse einbezahlt, erhalten aber eine Rente.“ Als Fakt stellt die Ausstellung diesem Vorwurf entgegen: „Russlanddeutsche zahlen mehr in die bundesdeutschen Rentenkassen ein als der Personenkreis der russlanddeutschen Rentner in Anspruch nimmt.“

Diesem Satz folgen umfangreiche Zahlen. Zudem zeigt die Ausstellung bekannte Menschen auf, die alle russisch-deutsche Wurzeln haben, so etwa die Sängerinnen Helene Fischer und Julia Neigel und die Sportlerin Lilli Schwarzkopf.

Laut Bundesamt für Migration und Flüchtlinge kamen zwischen 1950 und 2013 rund 4,5 Millionen Aussiedler aus den ehemaligen Sowjetrepubliken nach Deutschland. In der zur Ausstellung passenden Broschüre wird einprägsam die Geschichte der Russlanddeutschen erklärt. Angereichert mit zahlreichen historischen Bildern gleicht die Broschüre eher einem ausführlichen Themengeschichtsbuch.

Gezeigt wird die Ausstellung „Deutsche aus Russland — Gestern und Heute“ noch bis Freitag, 20. November, im Foyer des Dürener Rathauses, Rathaus Düren, Kaiserplatz 2-4.

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