Düttling: Wand aus Reisig soll dem Wind Einhalt gebieten

Düttling: Wand aus Reisig soll dem Wind Einhalt gebieten

„Köhlerbuben, wo seid Ihr denn schon wieder?”, rief Gerd Linden laut in den Wald bei Düttling. Der Köhlermeister bekam keine Antwort. Erst nach dem zweiten Ruf und auch dank der lauten Aufforderung der Nideggener Realschüler tauchten Markus und Daniel auf.

Lindens Söhne hatten eine kleine Pause eingelegt. Die war nun vorbei, galt es doch zunächst, die Neugierde der Jungen und Mädchen der Klasse 5a aus der Herzogstadt zu befriedigen. Sie und die Schüler der Klasse 5b waren eigens nach Düttling, dem Heimbacher Stadtteil gekommen, um Gerd, Markus und Daniel Linden bei der Arbeit zuschauen, ein wenig mitzuhelfen, vor allem aber, um sich über das alte Handwerk informieren zu lassen.

Zum zweiten Mal bauen Vater und Söhne in dem alten Eichenbestand am Rande des Nationalparks einen historischen Holzkohlemeiler auf, der am Samstag, 22. Mai, angezündet wird. Der Ortsvorsteher von Düttling, von Beruf Landwirtschaftsmeister im Freilichtmuseum in Kommern, errichtete 2008 den ersten Meiler rund 300 Meter von seinem Dorf entfernt. Doch kaum war die letzte Holzkohle eingetütet, begannen die Vorbereitungen für Meiler Nummer 2. Rund 120 Raummeter Buchenholz mussten auf die richtige Länge geschnitten, dann gespalten und gelagert werden.

Zwei Jahre musste das Holz lagern, bis Montag Linden und seine Söhne mit dem Aufbau begannen. Nach alter Väter Sitte gehen sie vor: Drei lange Holzstangen, die von zwei Eisenringen mit 40 Zentimeter Durchmesser zusammengehalten werden, bilden die Mitte, die so genannte Fülle. In ihr wird nach dem kompletten Aufbau der Meiler in mehreren Etappen angezündet. Um die Holzstangen werden die Scheite gestapelt. Die untere Reihe wird das erste genannt, die obere Reihe das zweite Gesetz. Damit der Meiler seine charakteristische Kuppelform erhält, werden die Scheite mit dem dickeren Ende nach unten aufgestellt, werden zum Schluss kleinere Scheite mosaikförmig geschichtet, bis die Kuppel geformt ist. Dann werden mit Reisig größere Lücken gestopft, mit Grassoden und alter Meilerasche die Scheite bedeckt, um den Meiler möglichst luftdicht zu schließen.

Mit dem Anzünden beginnt die knifflige Phase der traditionellen Holzkohleproduktion: Denn die Verkohlungsphase des zu Beginn gut 2,80 Meter hohen Meilers muss mit Rauch- und Zuglöchern dosiert gesteuert werden. „Der kleinste Sturm kann große Schäden anrichten”, wissen die Lindens. Vor zwei Jahren bedrohte ein heftiger Wind, der durch eine größere Lücke zwischen den Eichen blies, den Premienmeiler. Nur mit Mühe und Können und einer großen Plane, die zwischen die Bäume gespannt wurde, gelang es ihnen, ihr 100 Raummeter-Werk doch kontrolliert verkohlen zu lassen.

Damit die drei Männer, die rund um die Uhr den Meiler kontrollieren müssen, in den Nächten etwas ruhiger schlafen können, haben sie die Lücke zwischen den Eichen geschlossen: mit einer langen Wand aus Birkenreisig. „Eine Plane sieht doch hässlich aus, auch wenn sie ihren Zweck erfüllt”, sagt Linden. Nideggens Realschüler wissen nun: Das Köhlerhandwerk war kein leichtes Handwerk.