Heimbach/Stolberg: Wallfahrtoktav: Ein Weg zu Kraft, Trost und Zuversicht

Heimbach/Stolberg: Wallfahrtoktav: Ein Weg zu Kraft, Trost und Zuversicht

„Für mich ist es einfach Ehrensache, hier dabei zu sein“, sagt Nelly Pütz, die am Samstag aus der Nähe von Eschweiler zu Fuß zum Gnadenbild der Schmerzhaften Muttergottes nach Heimbach gepilgert ist. „Ich habe 30 Kilometer zu Fuß geschafft“, erzählt die 67-Jährige, die die Strecke wie immer allein bewältigt hat. „Aber in Obermaubach bin ich in die Rurtalbahn gestiegen. Es war einfach zu heiß.“

60.000 Pilger werden bis Ende September in Heimbach erwartet, am Wochenende wurde die Wallfahrtsoktav mit einem feierlichen Gottesdienst mit dem emeritierten Erzbischof und früheren Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz, Dr. Robert Zollitsch, eröffnet. Heimbach ist der größte Wallfahrtsort im Bistum Aachen. Seit über 500 Jahren pilgern die Menschen in das kleine Eifelstädtchen. Am Beginn der Wallfahrt steht der einfache Strohdecker Heinrich Fluitter aus Heimbach, der im Jahre 1460 bei einem Besuch in Köln eine spätgotische Marienpieta entdeckte. Diese Darstellung Mariens, die ihren toten Sohn auf dem Schoß hält, hat Fluitter so sehr berührt, dass er sich neun Mark lieh, um die Statue kaufen zu können. Der Mann nahm die Marienfigur mit nach Hause in die Eifel. Im Wald zwischen Heimbach und Gemünd, stellte er das Bild auf. Bald darauf errichtete er eine kleine Kapelle sowie eine einfache Unterkunft für sich selbst. Von nun an lebte Heinrich Fluitter dort als Einsiedler. Die Geschichte von der Figur der Muttergottes dort oben im Wald sprach sich schnell herum. Schon bald kamen Leute, um in dem Kapellchen zu beten.

Viele Gruppen aus dem gesamten Bistum Aachen haben sich am Samstag schon gegen 5 Uhr auf den Weg gemacht, um zu Fuß nach Heimbach zu kommen. Fast alle haben ein großes Holzkreuz dabei, manche werden sogar von Musikkapellen begleitet. „Die Fußwallfahrt“, sagt Nils Mannteufel (43), „ist etwas Besonderes. „Es gibt keinen anderen Tag im Jahr, an dem ich so viel Zeit zum Nachdenken habe.“

„Ich bin gerne zu Ihnen nach Heimbach gekommen“, so der Freiburger Zollitsch. „Wir wollen heute Abend die Tür öffnen für die, die sich bei der Gottesmutter Kraft holen möchten.“ Die Gottesmutter mit ihrem toten Sohn, so der Erzbischof weiter, sei auch ein Zeichen des Lebens und der Zuversicht. Zollitsch: „Wer zu Maria kommt, weiß sich von ihr verstanden und fühlt sich in seiner Not und Sorge von ihr angenommen. Das gibt auch den Pilgern in Heimbach Trost und neuen Lebensmut.“ Genau so hat es auch Nelly Pütz empfunden. „Ich bin vor zehn Jahren zum ersten Mal nach Heimbach gepilgert, weil meine Tochter Krebs hatte. Die Stille auf dem Weg hat mir damals geholfen, zur Ruhe zu kommen. Heute ist meine Tochter gesund, und ich pilgere, um damit meine Dankbarkeit zum Ausdruck zu bringen. Davon kann mich nichts abhalten.“

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