Düren: Vom Kurierfahrer zum Filmemacher: Regisseur Wolfgang Dinslage

Düren: Vom Kurierfahrer zum Filmemacher: Regisseur Wolfgang Dinslage

Wolfgang Dinslage hat einen Traum: Er will Filme machen, Regisseur werden. Doch der Weg ist steinig. Schon die Aufnahme an der Filmhochschule wird problematisch, nach dem Abschluss wird er arbeitslos, lebt von Hartz IV. Er muss als Kurier fahren und kellnern, um sich über Wasser zu halten - und schließlich gelingt ihm doch der Sprung auf die große Leinwand.

Ja, in gewisser Weise ist das Leben des Regisseurs selbst filmreif. Das erste Kapitel spielt in Düren. Hier wird der heute 43-Jährige geboren, hütet das Tor bei der SG Düren 99 und beim FC Niederau, macht Abitur am Burgau-Gymnasium. Dann wagt Dinslage den ersten Schritt in die große weite Welt: Er geht 1991 nach Berlin, um Medizin zu studieren. „Ich habe aber schnell gemerkt, dass das eigentlich nichts für mich ist”, sagt der Regisseur heute. Er will sich seinen Traum erfüllen, will Filme machen. Talent hat er, das weiß Dinslage. Und dennoch scheitern die ersten Versuche, an Filmhochschulen aufgenommen zu werden. Er bringt sich viel selbst bei, geht nach Amerika, besucht dort Sommerkurse. 2000 ist es dann endlich soweit: Die Filmhochschule Hamburg nimmt ihn auf.

Dort wird er schnell hoch gehandelt, gilt als der kommende deutsche Nachwuchsregisseur. Seine Komödie „Quak” und „Morgengrauen”, ein Film über Missbrauch, werden über den grünen Klee gelobt. Für seinen Abschlussfilm „Die Katze von Altona” erhält er 2002 zahlreiche Preise, unter anderem den Publikumspreis des Filmfestivals Münster. Und doch beginnt danach das wohl schwierigste Kapitel in Dinslages Leben.

Er bekam nach seinem Abschluss das Angebot, für die weltbekannte Filmgesellschaft Warner Bros. Regie bei einer türkischen Komödie zu führen, in der Witze über den Islam gemacht wurden. „Das war aber nicht meins, das konnte ich nicht”, sagt Dinslage - und lehnt ab. Im Nachhinein hätte er es wohl anders gemacht, denn Wolfgang Dinslage verschwand nun für fast zehn Jahre von der Bildfläche des Films, galt als übergeschnappt, ein solches Angebot ausgeschlagen zu haben.

Im Jahr 2002 beginnen dann die richtig schlechten Zeiten: Arbeitslosigkeit, Hartz IV. „Das war ganz und gar nicht einfach”, sagt Dinslage heute. Freunde hätten ihn beiseite genommen, auf ihn eingeredet. Dinslage gab die richtige Antwort - und kämpfte sich zurück auf die Bildschirme: 2010 läuft auf Sat.1 sein Fernsehfilm „Zurück zum Glück”.

Damals hatten die Dreharbeiten für ein größeres Projekt schon begonnen: Dinslages erster Kinofilm „Für Elise”. Zunächst hatte ein anderer Regisseur daran gearbeitet, der verkrachte sich aber mit den Produzenten - und der Weg für den Dürener war frei. Im November 2010 war das Drama abgedreht, im kommenden August oder September kommt es in die Kinos. „Damit hab ich es wohl auch denen gezeigt, die überhaupt nicht an mich geglaubt haben”, mutmaßt der Regisseur. Ein wenig Stolz schwingt in seiner Aussage mit.

Nun wird sein Kinostreifen zunächst am 16. Juni beim 8. Festival des deutschen Films in Ludwigshafen über die Leinwand flimmern. An einem Samstag. Um 19 Uhr. „Das ist natürlich ein perfekter Termin”, freut sich Dinslage. Überrascht habe ihn das schon, weil sein Film eben kein gewöhnlicher sei. „Für Elise” ist ein Problemfilm.

Es geht um die erst 15-jährige Elise (Jasna Fritzi Bauer), die früh ihren Vater verliert. Ihre Mutter (Christina Große) ist mit der Situation vollkommen überfordert. Sie trinkt, schmeißt sich fast jedem Mann an den Hals. Elise muss schnell erwachsen werden. Als ihre Mutter dann scheinbar einen neuen Mann (Hendrik Duryn) findet, interessiert der sich plötzlich mehr für Elise selbst als für ihre Mutter. Das Drama nimmt seinen Lauf. „Es geht um krasse Themen wie Alkohol und Missbrauch”, erklärt Wolfgang Dinslage.

Der Dürener hat auch schon vor der Kamera gearbeitet. „Immer wenn ein bekloppter Busfahrer oder ein durchgeknallter Pommesverkäufer gesucht wurde, habe ich mitgemacht”, berichtet er. Er spielte etwa in der deutschen Komödie „Bang Boom Bang” oder der Comedyserie „Stromberg”. Das sei zwar eine wichtige Erfahrung für einen Regisseur, doch damit wird nun erst einmal Schluss sein.

Denn mit „Für Elise” hat Dinslage einen großen und wichtigen Schritt in der deutschen Filmbranche als Regisseur getan. Dabei sei das Drama gar nicht sein Lieblingsgenre. „Ich mache sehr gern Komödien”, erzählt der Dürener Filmemacher. Und dennoch hat er es mit „Für Elise” in die Notizbücher einiger namhafter Produzenten geschafft und Angebote erhalten. Auch im Privaten ist Dinslage glücklich: Er ist mittlerweile verheiratet, hat eine kleine Tochter und lebt in Berlin.

Zurück zum Vorspann seines ganz eigenen „Films” kommt er immer wieder gern. „Ich bin heimatverbunden und total gerne in Düren. Schließlich leben meine Eltern auch noch hier”, sagt der Regisseur. „Wenn ich gut drauf bin, fange ich sogar in Berlin an, Dürener Platt zu sprechen”, erzählt er und lacht. Irgendwann reize ihn als Filmemacher natürlich aber auch das Ausland und das internationale Kino. Es wäre ein weiteres Kapitel im filmreifen Leben des Dürener Regisseurs.

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