Junger Mann zündete Autos an: Vom Feuerwehrmann zum Serienbrandstifter

Junger Mann zündete Autos an : Vom Feuerwehrmann zum Serienbrandstifter

Eigentlich wollte sich ein heute 24 Jahre alter Dürener für das Wohl anderer Menschen einsetzen. Er war eine Zeitlang sogar Mitglied der Freiwilligen Feuerwehr und engagierte sich in einem Verein für ehrenamtlichen Sanitätsdienst.

Ende August 2018 legte man ihm bei der Feuerwehr den Austritt nahe, so dass er „aus persönlichen Gründen“ die Feuerwehrausrüstung an den Nagel hängte.

Jetzt hatte sich der 24-Jährige als Angeklagter vor dem Schöffengericht zu verantworten. Denn genau fünf Tage nach seinem Abschied von der Wehr wurde er zum Brandstifter. Nachts um 2 Uhr zündete er an der August-Bebel-Straße ein parkendes Auto an. Und das war erst der Anfang, denn es gingen im Bereich der August-Bebel-Straße im Süden der Stadt Düren bis Mitte Dezember 2018 fünf weitere Autos in Flammen auf.

Das kam offenbar nicht von ungefähr, denn die Tatorte lagen in der Nähe seiner Wohnung, so dass der Fluchtweg jeweils relativ kurz war. Ausreißer bezüglich der Tatobjekte war Ende Oktober ein Strohballen auf einem Feld an der Sievernicher Straße.

Gummihandschuhe angezündet

Bei den angezündeten Autos bediente sich der voll geständige Angeklagte übrigens immer der gleichen Masche, in dem er einen Gummihandschuh unter das Fahrzeug schob und anzündete. Nur einmal funktionierte dies nicht, was vonseiten des Gerichts als „versuchte Brandstiftung“ gewürdigt wurde. Noch in derselben Nacht brannte dann ein anderes Auto.

Breiten Raum nahm während des Prozesses die Frage nach dem Warum ein. Obwohl der Angeklagte mit Hauptschulabschluss eine Handwerker-Lehre abgebrochen hatte, lebte er in der Folgezeit immer in geordneten Verhältnissen, wozu verschiedene Arbeitsverhältnisse in Vollzeit gehörten. Eine nicht unwichtige Rolle dürfte der damalige Freundes- und Bekanntenkreis des 24-Jährigen gespielt haben, zu dem auch ein ehemaliger Chef gehörte. Dieser aus gut einem halben Dutzend Männern bestehende Kreis verbrachte auch einen Großteil der Freizeit miteinander.

Diese Clique hatte, so der Angeklagte, mehrfach Druck auf ihn ausgeübt und ihn als „Angsthasen“ eingestuft. Irgendwann habe er diesem Druck nicht mehr standgehalten. Dazu äußerte sich auch eine Fachärztin für Psychiatrie, die darauf hinwies, dass der Angeklagte nicht mehr „Mitläufer, sondern handelnde Person“ werden wollte. Wenngleich er zum Zeitpunkt der Taten teilweise Alkohol getrunken hatte, so gebe es bei ihm keine Hinweise auf eine Bewusstseinsstörung.

Das Schöffengericht unter Vorsitz von Richterin Verena Neft verurteilte den 24-Jährigen zu einer Freiheitsstrafe von zwei Jahren und sechs Monaten. Der Vertreter der Staatsanwaltschaft hatte auf drei Jahre und sechs Monate plädiert, während die Verteidigerin die Hoffnung auf eine Bewährungsstrafe (maximal zwei Jahre) formulierte.

In ihrer Urteilsbegründung unterstrich die Vorsitzende, dass es hier um gemeingefährliche Straftaten handelt, weil man nach einer Brandstiftung die weitere Entwicklung des Feuers nicht mehr im Griff habe.

(hp)
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