Volkshochschule Düren wird 100: Ein Blick auf die Anfänge

100-Jahr-Jubiläum : VHS-Bildung statt „Wirtshausgeschwätz“

Das „Führen eines ordentlichen Haushaltes“ war für den damaligen Dürener Oberbürgermeister August Klotz im Jahr 1919 die „Hauptbedingung eines glücklichen Familienlebens“. Und ohne Zweifel gehörten für ihn „Sparsamkeit und die Kunst, die Einnahmen richtig zu berechnen und die Ausgaben so gering wie irgend möglich zu gestalten“ zu dieser ordentlichen Haushaltsführung dazu.

Dafür müssten Frauen gut rechnen können und sich mit „modernen Zahlmitteln“ auskennen. Und damit dies gelingt, standen auch diese Themen auf den ersten Stundenplänen der im Oktober vor 100 Jahren eröffneten Volkshochschule Düren.

Für die Stadt an der Rur war diese Eröffnung ein großes Ereignis – und ausgehend von den Bildungsangeboten der Volkshochschule sollte sich ein „Strom reichen Segens über unsere Stadt“ ergießen, wie es Klotz in seiner Eröffnungsrede formulierte. So geht es aus den Unterlagen des Stadt- und Kreisarchivs hervor.

Doch weil die VHS ein neues Konstrukt war (siehe Infokasten), erklärte der Oberbürgermeister die hohen Ansprüche der Bildungseinrichtung.

„Diese Schule will dem Mann und der Frau aus dem Volke einen höheren Unterricht geben, als die Volksschule es vermochte. Sie will sie ebenfalls befähigen, an den geistigen Gütern der Nation teilzunehmen, und sie dadurch geistig freier und glücklicher machen. Denn nur Wissen verschafft Kraft, Glück und Reichtum, letzteren zwar zunächst weniger an materiellen Gütern, umso mehr aber an den Inneren, der Zufriedenheit der Menschen mit ihrem Schicksal und der Behaglichkeit“, sagte Dürens damaliger Oberbürgermeister August Klotz, als er 1919 die Volkshochschule der Stadt eröffnete.

„Telephonie ohne Draht“

Die VHS hatte laut Klotz den Anspruch, Staatsrecht, Wirtschafts- und Gesundheitslehre, Themen aus Natur und Technik für jedermann zugänglich zu machen. Sie wollte aber auch „den einfachen Mann lehren, die Bildwerke zu verstehen, welche von den großen Meistern“ geschaffen worden sind. Und damit nicht genug. Klotz ging seinerzeit  davon aus, dass die Menschen in der VHS eine andere Gedankenwelt in sich aufnehmen können, dass sie ihren Horizont derart erweitern, dass ihnen das bisher Bekannte in völlig anderem Licht erscheint. Wer die Kurse der Volkshochschule besucht, „der wird innerlich geläutert werden und sich sittlich gehoben fühlen“. Die neu erworbenen Kenntnisse sollten die Teilnehmer auch an ihre Kinder weitergeben und damit „müßiges Wirtshausgeschwätz“ in den Hintergrund drängen.

Und schon vor der Eröffnung hatten sich im ersten Jahr 1600 Hörer für die Vorträge der VHS angemeldet. Der Stundenplan wurde in der Tageszeitung abgedruckt, ausschließlich abends zwischen 19 und 22 Uhr wurden Vorträge und Übungen angeboten, die von „Romanlektüre“ über „Verhütung von Geschlechtskrankheiten“, „Telegraphie und Telephonie mit und ohne Draht“, den „Gebrauch unserer Muttersprache“, Erziehungsfragen bis hin zur  Reichsverfassung, Banken, Schecks, vierstimmiger Musik und der „Einführung in den Sternenhimmel“ reichte. Für jede Vortragsstunde mussten die Teilnehmer bis zu 50 Pfennig bezahlen, Teilnehmerkarten und Listen gab es in den Buchhandlungen der Stadt.

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