Langerwehe: Virtuoses Auf und Ab volkstümlicher Töne

Langerwehe: Virtuoses Auf und Ab volkstümlicher Töne

In der Töpfergemeinde sind sie schon seit Jahren gerne gesehene Gäste: Die Musiker der Folkloregruppe „Junist” aus der alten Stadt Lemberg oder Lwiw in der westlichen Ukraine gaben sich wieder einmal die Ehre.

In der Alten Kirche auf dem Rymelsberg nahmen die professionell ausgebildeten und auftretenden Künstler die Herzen ihres Publikums im Sturm. Und wirkten ein Wunder: Trotz des Winterwetters mit Eis und Schnee waren die Bänke im historischen Gotteshaus mehr als ansehnlich gefüllt.

So wie die Herzen der Zuhörer, so waren im Übrigen auch deren Portemonnaies keineswegs eingefroren: Die Freunde echter volkstümlicher Klänge gaben reichlich - für die Opfer der Nuklearkatastrophe rund um das im Nordosten der Ukraine gelegene Atomkraftwerk Tschernobyl, die die „Junisten” mit Auftritten wie dem in Langerwehe unterstützen.

Moderiert wurde das durch Dr. Heinz Porschen vom Förderverein Alte Kirche eingeleitete Konzert von Thomas Sion, dem Sohn von Karl Sion aus Aachen-Eilendorf, der mit Kameraden von der Freiwilligen Feuerwehr umgehend nach dem Unglück begonnen hatte, Hilfstransporte in die vom Unglück heimgesuchte Region zu organisieren. Die dabei angeknüpften Kontakte funktionieren bis heute - nicht nur im Bereich der praktischen Hilfe, sondern auch beim kulturell-menschlichen Austausch.

Die Gäste aus Lemberg dokumentierten denn auch zur Freude der Langerweher, dass Empfänger zugleich auch Geber sein können. Denn die Ukrainer haben nicht nur eine virtuose Beherrschung diverser Instrumente, zu den neben Pan- und anderen Flöten unter anderem Geige, Akkordeon und die mit der Zither verwandte Bandura gehören, zu bieten, sondern auch eine mitreißende Spielfreude.

Da machte es dann wenig aus, dass nur wenige oder gar keine Zuhörer der ukrainischen Sprache kundig gewesen sein dürften. Der helle Klang des Gesanges, das virtuose Auf und Ab der Töne, der fremdartige Zauber dieser Volksmusik und der Charme der Bearbeitungen von mitteleuropäischen Melodien, zu denen unter anderem Mozarts Türkischer Marsch gehörte: Das alles verfehlte seine Wirkung aufs Publikum nicht, ebenso wenig wie die hin und wieder eingestreuten Tänze.

Kein Wunder, dass auch dieses „Junist”-Gastspiel in Langerwehe erneut zum Erfolg wurde. Die Gäste aus dem Land, in dem sich Mittel- und Osteuropa verzahnen: Sie beherrschen nicht nur ihre Kunst perfekt - sie lassen ihr Herz sprechen und machen sich so zu Freunden ihrer Freunde.

Mehr von Aachener Zeitung