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Düren: Virtuose Musikpoesie mit Schliff

Düren : Virtuose Musikpoesie mit Schliff

Ein Klavierkonzert mit Musik von Robert Schumann und Franz Liszt lässt Stimmungen musikalischer Hochromantik und Effekte pathetischer Virtuosität erwarten.

Ganz anders aber die Wirkung durch die Auswahl der Werke und die Gestaltung des jungen Interpreten am Bösendorfer-Flügel: Christian Seibert war der souveräne Pianist beim 3. Konzert der Vereinigten Industrieverbände im voll besetzten Haus der Stadt.

Die Tongemälde der beiden Komponisten und deren virtuose Musikpoesie bot er mit geschliffener Klarheit und präziser Leichtigkeit. Deutlichkeit in der Genauigkeit, Sicherheit und Spannung von getupften Tönen bis zu quirligen Läufen und Akkord-Kaskaden waren sein Anliegen.

Mit konzentrierter Ruhe saß er vor dem Flügel, die flinken Finger nahe an den Tasten, selten eine bewegte Körpersprache einsetzend, zu der die Hand hoch federte. Statt Gestik und Gehabe formte er mit feiner Motorik seines Anschlags und dynamisch-schöner Strukturierung diese plastisch blühende Musik.

Schlicht und klar beginnend mit leicht unterkühltem Saloncharakter, steigerte sich Nr. 6 der Tänze aus „Soirée de Vienne” von Liszt zum quirlig verquickten Walzerrhythmus. Schumanns Carnaval op. 9 „Scénes mignonnes sur quatre notes” gilt als poetischer Tanzzyklus und musikalischer Maskenball. Die Folge kurzer Charakterstücke lässt durch ihre Titel mehr als sonst außermusikalische Assoziationen zu.

Seiberts durchsichtig differenzierende Gestaltung förderte die Bildhaftigkeit der Szenen und Anspielungen auf Personen und Temperamente seines musikalischen Ideals mit der Tonfolge A.S.C.H. als „lettres dansantes”. Dabei ist der „Marsch der Davidsbündler gegen die Philister” der gewichtige und markant steigernde Abschluss.

Nach der Pause beanspruchte Franz Liszt dreimal die Qualitäten des Pianisten, der insgesamt über 90 Minuten die Zuhörer fesselte. In den „Zwei Legenden”, der Vogelpredigt des Hl. Franziskus von Assisi und dem Wunder des auf den Wogen schreitenden Hl. Franz von Paula, waren Tonmalereien der Stimmen und Stimmungen vom Vogelzwitschern bis zum Rauschen der Wellen und dem Triumph seliger Freude lyrisch und dramatisch spürbar.

Die Variationen über „Weinen, Klagen, Sorgen, Zagen” nach J. S. Bach forderten eine abstraktere Interpretation, dunklere Farben, die in den Choral „Was Gott tut, das ist wohl getan” mündeten. Die umfangreiche „Fantasia quasi sonata” nach Lektüre von Dantes „Göttlicher Komödie” verband technisch anspruchsvolle Sonatenteile von orchestraler Farbigkeit.

Nach dem intensiven Beifall spielte Seibert Schumanns „Buntes Blatt” als heiter-kontrastierende Zugabe.