Aachen/Düren: Viele ungeklärte Fragen im Prozess gegen Shisha-Bar-Betreiber

Aachen/Düren : Viele ungeklärte Fragen im Prozess gegen Shisha-Bar-Betreiber

Der inzwischen pensionierte Vorsitzende Richter der Aachener Schwurgerichtskammer, Arno Bormann, musste am Montag im Fall eines ausufernden Streites in einer Dürener Shisha-Bar eine Zeugenaussage ablegen.

Eigentlich ging es bei der Auseinandersetzung um zwei Marken-Jogginganzüge, in deren Folge ein damals 25-Jähriger mit einer Pistole zwei Schüsse in einer Shisha-Bar an der Oberstraße abgegeben hatte (einer in die Decke, einen in einen Fernseher). Der Fall landete im Januar 2016 vor dem für Kapitalverbrechen zuständigen Schwurgericht in Aachen. Der Täter kassierte eine knapp zweijährige Haftstrafe.

Bis heute ist nicht klar, wie sich diese Bagatelle am 4. März 2015 soweit hochschaukelte. Sicher ist: Bevor der Täter an jenem Abend in der Shisha-Bar mit einer Pistole auftauchte, hatte eine hitzige Diskussion stattgefunden. Die jetzige Angeklagte Katharina V. soll sich geweigert haben, dem damals 25-Jährigen, der ihr Nachbar war, Geld für die Sportanzüge zu bezahlen. Sie fühlte sich getäuscht, ebenso wie der Verkäufer.

Die 26-jährige Angeklagte hatte einen Freund, der in der Shisha-Bar verkehrte. Er ist der heute wegen schwerer räuberischer Erpressung angeklagte Sultan B., mit auf der Anklagebank sitzen auch der Betreiber der Bar und einer seiner Angestellten. Denn bevor der Nachbar von Katharina V. mit einer Pistole am späteren Abend in der Bar um sich schoss, kam es anscheinend zu Drohungen und Einschüchterungen gegen den späteren Täter.

Keine Tötungsabsicht

Die Kammer sei schnell zu der Überzeugung gekommen, dass der damalige Angeklagte keine Tötungsabsicht hatte, sondern sich eher Respekt gegenüber den Drohgebärden des Freundes seiner Nachbarin habe verschaffen wollen, erinnerte sich Bormann.

Daher sei auch das Schwurgericht davon ausgegangen, dass es handfeste Einschüchterungen vor der Privatwohnung des damals wegen versuchten Totschlags angeklagten Mannes gegeben habe. Jener hatte zunächst versucht, bei einem vereinbarten Treffen sein Geld einzutreiben. Da er sich nicht mit 50 Euro zufrieden gab, konfrontierte er seine Nachbarin Katharina V. erneut.

Daraufhin wurde er massiv vor und in seiner Wohnung bedroht. Als Reaktion nahm er sich eine Waffe und fuhr zur Shisha-Bar. Ob die jetzigen Angeklagten nun diejenigen Personen seien, die den damaligen Schützen massiv bedroht hatten, konnte Bormann nicht sagen. Zwar konnte er sich daran erinnern, dass damals Zeugen aus der Shisha-Bar geladen wurden, jedoch sei er sich nicht sicher, ob diese überhaupt ausgesagt hätten.

Auch zwei Beamte der Dürener Polizei, die damals Katharina V. und Sultan B. verhört hatten, brachten keine neuen Erkenntnisse. Der Prozess wird am 6. Oktober fortgesetzt.

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