Düren: Viele Hände wirbeln den Staub auf

Düren: Viele Hände wirbeln den Staub auf

Geschichte kann durchaus eine staubige Angelegenheit sein, besonders in Kellern, auf Dachböden und beim Stöbern in Aktenordnern. Doch staubtrocken ist die Auseinandersetzung mit der Vergangenheit nicht, im Gegenteil: Geschichte ist äußerst spannend.

Nur so ist zu erklären, warum das Projekt Stadtmuseum Düren rasant Fahrt aufgenommen hat - und den Schwung des Aufbruchs über das erste Jahr mehr als gerettet hat. Am Sonntag öffnet das Haus an der Arnoldsweilerstraße wieder seine Pforten. Gezeigt wird die neue Ausstellung, die die Stadtgeschichte zwischen 1815 und 1871 behandelt. Es wird wohl auch eine Leistungsschau der ehrenamtlichen Helfer, die im Vorfeld die Ausstellung vorbereitet haben.

„Mehr als Mittelaltermärkte”

„Das Interesse an der eigenen Stadtgeschichte geht weit über Mittelaltermärkte und den 16. November hinaus”, bilanziert Bernd Hahne, der stellvertretende Vorsitzende des Trägervereins. Die Zahl der Helfer wachse kontinuierlich. Eine Arbeitsgruppe sichte Archivmaterial, die andere durchstöbert nach Hinweisen aus der Bevölkerung Keller, Dachgeschosse und Garagen nach Ausstellungsstücken, andere wiederum organisieren Tische und Vitrinen aus Geschäftsauflösungen, andere transkribieren Urkunden, erstellen Zeittafeln, wälzen die eher spärlich vorhandene Literatur zum Thema Stadtgeschichte. Es herrscht hinter den Kulissen auch nach einem Jahr: Aufbruchsstimmung. Schätze, sagt Hahne, gebe es noch genug zu heben.

Als studierten Historiker freut es ihn besonders, dass sich auch Menschen an die vermeintlich trockene Materie heranwagen, die zuvor noch nie etwas in ihrem Leben mit dem Studium der Geschichte zu tun hatten. Vom „Ablegen der Berührungsängste” spricht Bernd Hahne, der alle Interessierten nur dazu ermuntern kann, sich im Team des Museums einzubringen, unter fachkundiger Anleitung und Begleitung ein Thema zu erarbeiten.

„An vielen Punkten betreten wir Neuland”, sagt Hahne. So gebe es beispielsweise kaum Arbeiten zur Industrie, zum Wohlfahrtswesen, zum Anschluss an die Eisenbahn. Doch gerade das Erwachen der Dürener Industrie, das maßgebend die weiteren Geschicke der Stadt beeinflusste, ist ein wichtiger Themenkomplex der neuen Ausstellung. Nach der französischen Besatzung fällt das Rheinland an Preußen - und mit den neuen Herren stehen plötzlich dem Rheinländer so jeck erscheinende Themen wie konsequente Steuereintreibung und allgemeine Schulpflicht auf der Tagesordnung.

Die Schau ist in fünf Blöcke unterteilt: Staat und Verwaltung werden ebenso beleuchtet wie die Industrialisierung, Verkehr und Infrastruktur, Schule und das Sozialwesen. Letzteres gewinnt zunehmend Bedeutung, da mit dem Wachstum der Industrie auch die Bevölkerungszahl steigt und sich das soziale Gefüge verändert. Der Übergang vom mittelalterlichen Städtchen zum Industriestandort verlief nicht ohne Brüche.

„Wir haben so viel Material erarbeitet, dass wir die Ausstellung zwei Jahre zeigen”, sagt Bernd Hahne. Als eine ständige Ausstellung, die immer um Sonderschauen ergänzt werden soll. Über mangelnde Hilfsbereitschaft macht sich das Museum jedenfalls keine Gedanken. Der Staub der Geschichte wird von vielen Händen aufgewirbelt.

Von der Besatzungszeit bis zur Reichsgründung

Die neue Ausstellung im Dürener Stadtmuseum wird am morgigen Sonntag, 11 Uhr, eröffnet. Gezeigt werden die Ereignisse von der Eingliederung ins Königreich Preußen 1815 bis zur Gründung des Deutschen Reiches 1871. Es war jene Zeit, in der die Dürener Industrie so richtig erwachte.

Geöffnet ist das Museum an der Arnoldsweilerstraße 38 am Sonntag von 11 bis 18 Uhr. Auf die Besucher warten eine sogenannte Rumfordsuppe zur Eindämmung der Cholera, Gespräche, Begegnungen und Kuchen. Jeden Dienstag gibt es weiterhin ab 18 Uhr einen „Offenen Treff” im Museum.

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