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Düren: „Viel Luft nach oben“: Hennes Bender blickt über die eigene Grenzen hinaus

Düren : „Viel Luft nach oben“: Hennes Bender blickt über die eigene Grenzen hinaus

„War schon einmal jemand da, als ich in Düren war?“, wollte Hennes Bender vom Publikum im „Komm“-Zentrum wissen. Er selbst wisse schließlich auch nicht immer, wo er gerade ist und wo er schon überall war, räumte der Komiker ein. Gleich zu Beginn seines Programms „Viel Luft nach oben“ war klar: An diesem ausverkauften SWD-Kommedy-Abend hatten die Zuschauer keine Chance, sich einfach berieseln zu lassen.

Von der ersten Sekunde an bezog die charmant-quirlige Plaudertasche aus dem Ruhrgebiet das Publikum mit ein, trat in den Dialog, lebte seinen latenten Hang zum Unfug nicht alleine auf der Bühne aus. Seine Philosophie: Lachen ist ein Ventil, das Druck ablässt und Platz für Wohlbefinden schafft. Dass er dabei auch über sich selbst lachen konnte, bewies Hennes Bender gleich mehrfach.

Ob Theater, Konzerthaus oder Swingerclub: Als Verfechter der freien demokratischen Grundordnung ist es ein zentrales Anliegen des Komikers, dass Menschen zusammenkommen, um Spaß zu haben. „Wenn wir aufhören, zusammenzukommen und Spaß zu haben, haben die Arschlöcher gewonnen“, brachte Bender die Verteidigung der Demokratie mit launischen Worten treffsicher auf den Punkt. Zugegeben, ein bisschen brauche er auch die Kohle, räumte der Mann aus dem Ruhrgebiet ein. Er machte sich nach eigenem Bekunden frei von der politischen Korrektheit der Volksvertreter und vom dumpfen Hass der Frustrierten in den sozialen Medien, vertrat aber dennoch klar seine Meinung. Es lohnt sich, über die eigenen Grenzen hinauszublicken, den Horizont zu erweitern — und gleichzeitig Freude in den kleinen Dingen zu suchen und zu finden.

Ohne Berührungsängste

Anderthalb Stunden lang nahm Tausendsassa Hennes Bender, der zugleich als Schauspieler, Synchronsprecher und Autor/Übersetzer (Asterix: „Tour de Ruhr“) arbeitet, die Zuhörer mit auf eine recht launische Reise durch sein Leben. Er plauderte über das Älterwerden und den nicht nachlassenden Reflex, jungen, hübschen Frauen hinterherzuschauen, Szenen einer dennoch stürmisch-glücklichen Ehe, Episoden aus der Bahn, über die er aber nicht schimpfen wollte — und die Vorteile, mit Deutsch und Ruhrpott zweisprachig aufzuwachsen.

Charmant mischte der Komiker Stand-up-Comedy mit Gesellschaftskritik, Monologe mit der Einbindung des Publikums und die Pausen mit der Möglichkeit, Autogramme und Fotos zu ergattern. Alles in allem ein kurzweiliger Abend ohne thematische und menschliche Berührungsängste.

(sj)