Düren: Viel Eisen in der Luft über der Annakirmes

Düren : Viel Eisen in der Luft über der Annakirmes

Mittwochmittag auf dem Annakirmesplatz: Es liegt reichlich Eisen in der Luft. Der Aufbau der letzten angereisten Großfahrgeschäfte läuft trotz sengender Hitze auf Hochtouren. Während der 80 Meter hohe Kettenflieger und der genauso hohe Freifall-Turm bereits einen ersten Eindruck von einer imposanten und bislang einmaligen Kirmes-Skyline vermitteln, schließt sich am Europarad, das sich bis Sonntag noch in Würzburg drehte, so langsam der Kreis.

An der Rafting-Bahn „Rio Rapidos“ fehlen nur noch Deko und das Wasser. Noch etwas mehr Arbeit steht an den Achterbahnen an, am „Spinning Racer“ und der „Wilden Maus XXL“, die aus Düsseldorf angereist sind. Maus-Betreiber Max Eberhard aber lächelt entspannt. Dass er sein 250 Tonnen schweres Fahrgeschäft so schnell nach Düren bekommt, hätte er nie für möglich gehalten. „Wahrscheinlich sind wir Donnerstag bereits mit dem Aufbau fertig und können dann in aller Ruhe dekorieren und die Probefahrten absolvieren.“

Nur eine sitzt auf heißen Kohlen: Claudia Dreher-Vespermann, Betreiberin des Breakdance No. 2. Sie hat einen gültigen Vertrag mit der Stadt, den der Steuerausschuss nach einer Auflage des Verwaltungsgerichts (VG) Aachen am Dienstagabend trotz des im Raum stehenden Vorwurfs der sexuellen Belästigung und eines gelösten Bauteils im Vorjahr noch einmal mit 8:7-Stimmen bestätigt hat. „Für uns war die weitaus größere Attraktivität entscheidend“, betonte Hubert Cremer, Vorsitzender des Ausschusses. Eine Anzeige sei zwar im vergangenen Jahr eingegangen, dann aber wieder zurückgezogen worden und hätte im Übrigen auch von der Staatsanwaltschaft verfolgt werden müssen. Das sei nicht die Aufgabe der Politik.

Trotzdem muss Claudia Dreher-Vespermann warten. Die unterlegene Mitbewerberin Patricia Kinzler war wegen ihrer Nicht-Zulassung vors Oberverwaltungsgericht gezogen. Und noch am Vormittag hatten die Münsteraner Richter ein Aufbauverbot verhängt. Sie wollten vor ihrer Entscheidung erst das Protokoll der Ausschusssitzung bewerten, das sie am frühen Nachmittag erreichte.

Klagen bleiben weiter Thema

Während den meisten Dürenern das Gezänk hinter den Kulissen reichlich egal sein dürfte, und sie sich auf neun Tage Annakirmes mit zahlreichen neuen Attraktionen freuen, sind die Klagen gegen die Platzvergabe weiter das Thema unter den Schaustellern. „Es ist schon grenzwertig, dass eine Firma trotz gültigen Vertrags nicht aufbauen darf“, erklärte Dürens Schaustellerchef Bert Cremer. „Das kostet Nerven und ist nicht gut für die Stimmung unter den Kollegen.“

Derweil schiebt der Ausschussvorsitzende Hubert Cremer der Verwaltung den Schwarzen Peter für die neuerliche Klageflut in die Schuhe. In sieben von zwölf Fällen hatte das VG Aachen bei nicht zugelassenen Schaustellern ein Begründungsdefizit festgestellt und die Stadt zu einer Neuvergabe der Standplätze verpflichtet. Diese erfolgte am Dienstag, ohne dass sich am Ergebnis etwas geändert hat.

Die Verwaltung habe die falschen Begründungen verschickt, erklärte Cremer. Ein Vorwurf, den Rechtsdezernentin Christine Käuffer entschieden zurückweist. „Wir können nur die Gründe aufführen, die uns der Steuerausschuss für seine Entscheidungen liefert.“ Sie habe zudem alle Ablehnungsbescheide auch noch von einem Fachanwalt überprüfen lassen, aber selbst das habe die Klagen nicht verhindern können.

Trotz der unübersehbaren Differenzen zwischen Steuerausschuss und Kirmesverwaltung freuen sich alle Beteiligten auf eine tolle Kirmes. Und die Vorzeichen stehen gut. „Das Frühjahr ist für uns Schausteller sehr gut verlaufen“, betont Bert Cremer. Und die Düsseldorfer Rheinkirmes ging am Sonntag trotz Hitze sogar mit einem Rekordbesuch zu Ende. Cremer und seine Kollegen hätten natürlich nichts dagegen, wenn sich dieser Trend ab Samstag in Düren — Eröffnung um 11 Uhr mit 15 Minuten Freifahrten — fortsetzen würde. Dabei kündigt Bert Cremer stabile Preise an. „Ich kann zwar nicht für alle Kollegen sprechen, gehe aber davon aus, dass sich die Preise auf Vorjahresniveau bewegen werden.“

Am späten Nachmittag dann die Entscheidung des OVG: Die Beschwerde von Patricia Kinzler gegen ihre Nicht-Zulassung wurde von den Münsteraner Richtern zurückgewiesen. Die Begründung wird am heutigen Donnerstag nachgeliefert. Erleichterung bei Claudia-Vespermann-Dreher, die gegen 17 Uhr endlich mit dem Aufbau ihres Breakdance beginnen kann.