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Stromausfall im Kreis Düren: Schock-Moment beim Alarm der Sirenen

Stromausfall im Kreis Düren : Schock-Moment beim Alarm der Sirenen

Spätestens seit dem Hochwasser im vergangenen Jahr ist die Kommunikation im Notfall als Problem erkannt. Auf den mehrstündigen Stromausfall in Vettweiß wurde die Bevölkerung mit Sirenen-Warntönen hingewiesen – und war nicht selten irritiert oder geschockt.

Ein Unfall mit erheblichen Folgen – diese Umschreibung ist fast zu schwach, um die Auswirkungen des Unglücks zu beschreiben. Ein 16-jähriger Landwirt aus dem Rhein-Sieg-Kreis prallte mit seinem Traktor an der Kreisstraße 11 bei Weilerswist gegen einen Hochspannungsmast. Der Mast knickte ein, und die 110.000-Volt-Leitung wurde gekappt – eine zweite und gleichstarke Leitung wurde später aus Sicherheitsgründen vom Netz genommen. In der Folge waren laut Netzbetreiber Westnetz 65.000 Menschen für Stunden ohne Strom.

Zur Ursache gab es auch am Freitag noch keine eindeutigen Angaben der Behörden. Die Polizei ermittelte, ob ein Bedienfehler des Fahrers vorgelegen hat oder ein technischer Defekt ursächlich war. Jedenfalls hat dieser Unfall auf dem Feld viele Folgen gezeitigt, nicht nur in unmittelbarer Umgebung auf der Kreisstraße, als ein Ehepaar aus Weilerswist in die am Boden liegende Leitung fuhr und sich leicht verletzte.

Während schon nach gut zwei Stunden mehr als 40.000 Menschen durch Umschaltungen von Westnetz wieder mit Energie versorgt werden konnten, mussten 20.000 mehr als vier Stunden warten: unter anderem in der komplett betroffenen Gemeinde Vettweiß sowie den Nideggener Ortsteilen Embken und Muldenau.

In beiden Kommunen wurde die Bevölkerung über die Nina-Warn-App informiert. In Vettweiß erklangen auch die Sirenen. „Die Warn-App geht nicht überall durch. Wenn wir also sicher gehen wollen, setzen wir auch Sirenen ein“, bestätigte und erklärte Bürgermeister Joachim Kunth (CDU) den Informationsfluss im Krisenfall. Das sei natürlich eine Lehre nach der Hochwasser-Katastrophe, bei der es ja laute Kritik an der Informationspolitik der öffentlichen Hand gegeben hat.

Doch an ein solch umfassendes Vorgehen muss man sich erst einmal gewöhnen, viele Beispiele gibt es schließlich noch nicht. „Ja, das hat auch zur Verunsicherung geführt, das ist mir bekannt. Wir haben aber auch Lob für unser Vorgehen bekommen. Vom Protokoll her war das so richtig“, sagte Kunth im Gespräch mit der Redaktion.

Nach unbestätigten Informationen aus den Sozialen Netzwerken sollen vor allem einige ukrainische Flüchtlinge beim Erklingen der Sirenen panikartig ins Freie gelaufen sein. Andere wussten nicht gleich etwas mit dem ersten Warnsignal – ein auf- und abklingender Ton – anzufangen, wie zu lesen war. Als der Strom am Nachmittag wieder floss, gab ein einminütiger Dauerton die Entwarnung.

Nennenswerte Zwischenfälle hat es offenbar nicht gegeben (Stand: Freitagmittag). Sowohl in Nideggen als auch in Vettweiß war die Feuerwehr in allen betroffenen Orten präsent und im Notfall ansprechbar, weil ja auch die Kommunikation vom Stromausfall betroffen war.

Mehr als 80 im Einsatz

Den Ausfall auf der Freilandstrecke haben am Donnerstag mehr als 80 Frauen und Männer von Westnetz über andere Leitungen und Notstromaggregate zu kompensieren versucht. Das war letztlich erfolgreich, ist aber nur eine Zwischenlösung, wie Edith Feuerborn als Sprecherin des Netzbetreibers informierte.

Am Abend und in der Nacht gingen die Arbeiten weiter, weil ein provisorischer Strommast errichtet werden soll. „Der beschädigte Mast muss anschließend vollständig neu aufgebaut werden“, sagt Feuerborn. Während dieser Zeit soll es immer wieder zu kurzfristigen Stromausfällen kommen, wurde in den Sozialen Netzwerken, aber auch von einzelnen Kommunen verbreitet. Westnetz geht davon nicht aus. Feuerborn: „Die Stromversorgung vor Ort bleibt während dieser Phase weiterhin gesichert.“

Schadenshöhe noch völlig unklar

Bleibt die Frage nach der Schadenssumme und Verantwortlichkeit. Das ist von außen schwer zu beurteilen, und der Netzbetreiber kann darauf noch keine belastbare Antwort geben. Im Zweifel müsste wohl die Versicherung des Verursachers dafür aufkommen, wenn die versicherte Schadenssumme hoch genug ist. Dem 16-Jährigen wäre das sicher zu wünschen, der selbst leicht verletzt worden ist, aber sicher auch einen gehörigen Schock davongetragen hat.