Kabarettabend in der Alten Schmiede Kelz: Iwanka, Fanny – und auch Karl Heinz

Kabarettabend in der Alten Schmiede Kelz : Iwanka, Fanny – und auch Karl Heinz

In der Alten Schmiede Kelz gab es jetzt einen Kabarettabend mit Angelika Beier.

Die Alte Schmiede ist mit rotem Licht – passend zum Abend und Titel „Zwischen Sex und 60“ – akzentuiert, die Zuschauer sitzen erwartungsvoll auf ihren Plätzen. Da kommt Iwanka, die erste Rolle von Angelika Beier, durch das Publikum auf die Bühne und erzählt das mit den Männern und Frauen aus ihrer – der Sicht der Klofrau, mit einem satirischen Klolied. Dann wandelt sich Iwanka hinter einem Paravent in Fanny, die zuerst einmal das Publikum in das Geschehen mit einbezieht, sie wählt aus der ersten Reihe „das Opfer des Abends“, einen Mann, Karl Heinz und aus der zweiten Reihe eine Frau, Monika.

Diese beiden spielen an diesem Abend die Stichwortgeber. Und nun geht es Schlag auf Schlag: früher bekam sie von ihrem Liebsten Reizwäsche geschenkt, heute einen Thermomix. Früher gab es Sexfilmchen als „Vorspeise“ im Fernsehen, heute Kochsendungen. Damit ist klar: „Essen ist der Sex des Alters“ und danach gibt es zur Melodie von „Je t’aime“ gleich die ganze französische Menükarte gesungen, mit entsprechender Mimik und Gestik, dazu.

Angelika Beier feiert ihr 40-jähriges Bühnenjubiläum, fühlt sich wie 39 und schlüpft mit dieser persönlichen Mischung aus Erfahrung und Jung-Geblieben-Sein perfekt wandlungsfähig in die Rollen der Gisa aus Gießen mit blonder Perücke und Karohemd, die ihren Willi nach der Lektüre von „Shades of Grey“ zu Handfesselsex überredet, die übriggebliebene Hippiefrau Josefine, die Flaschen sammelt um sich ihren Traum von Sansibar zu erfüllen und die herrliche Tante Else, die die Vorzüge von Callboy Chris vorliest und seine Rabattgewährung nicht unbedingt zu ihren Gunsten auslegen kann.

Aber auch die „Ersatzteil-Schönheits-Chirurgie“ wird aufs Korn genommen. Da tritt die Freundin vom Boxer Vladimir auf und erzählt die Weltreise ihrer Verschönerungen, die ihr Boxer ihr bezahlt. Bei dieser Nummer kommt auch Karl Heinz aus dem Publikum wieder zu Wort und mit dem Hinweis, dass seine Frau ja vielleicht auch ein wenig Verschönerung gebrauchen könnte, wird er ebenso um Bezahlung gebeten. Doch Karl Heinz gibt schlagfertig zurück: „Ich bin Heimwerker“, das bringt sogar die Künstlerin zum Lachen.

Doch der Abend bietet auch Nachdenkliches: Songs über die eigenen Ängste, insbesondere das Scheitern auf der Bühne oder „Moral gibt’s halt nicht“ über den sittlichen Verfall, setzen auch Gegensätze zu den Lachern. Diese Nachdenklichkeit macht diesen Abend mit der großartigen, temperamentvollen Kabarettistin, die selbst viel Spaß an der Arbeit auf der Bühne hat, aber auch erst rund. Mit dem „Liebeslied für Männer“, das wieder die Putzfrau Iwanka zum Besten gibt, endet ein überaus vergnüglicher Abend in der ausverkauften Alten Schmiede und entlässt das Publikum mit vielen neuen, humorvollen Einsichten zum Thema und der Erkenntnis: „Das Leben ist zu schön, um es zu Hause auf der Couch zu vertrödeln“.

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