Achim Konejung schreibt über die „Eifeler Unterwelten“

Buchvorstellung : Achim Konejung schreibt über die „Eifeler Unterwelten“

Geheimnisvolle unterirdische Gänge, gruselige Verliese, sagenumwobene Höhlensysteme und versteckte Räume, von denen jeder berichten kann, die aber noch niemand gesehen hat: Die Unterwelt übt seit jeher eine Faszination auf Menschen aus.

Mit Taschenlampe, Kompass, Kamera und Notizbuch hat sich Achim Konejung aus Müddersheim vier Jahre lang auf den Weg gemacht, um etwas Licht auf die Unterwelt seiner Heimat zu werfen.

„Ich habe kein Gold, keinen Schatz und auch nicht das Bernsteinzimmer gefunden“, stellt der Autor klar. Wohl aber 99 bekannte und gänzlich unbekannte Orte, die einen Besuch lohnen – und zugleich Zeugnisse einer reichen Kultur-, Siedlungs- und Wirtschaftsgeschichte der Eifel und ihrer spannenden Geologie sind. Dazu zählen die Überbleibsel der römischen Wasserleitung durch die Drover Heide ebenso wie die Westwall-Bunkerlinie am Hürtgenwalder Ochsenkopf, der Lava-Dome in Mendig und der ehemalige Atombunker der Bundesregierung im Ahrtal.

„Eifeler Unterwelten“ heißt das Buch, das Konejungs etwas andere Reise auf 288 Seiten dokumentiert. Gedruckt auf Fotopapier – mit Fotografien des Autors. Erschienen ist das Werk im Eifelbildverlag (ISBN 978-3946328445, 39,99 Euro). Konejung macht, was er am besten kann: Er erzählt Geschichte in kleinen Geschichten. Sei es vom Vulkanismus in der Eifel, den unterschiedlichen Baumaterialien und Rohstoffen, die seit der Römerzeit in der Eifel gewonnen werden, dem militärisch veranlassten Eisenbahnbau im Kaiserreich, der der Region viele Tunnel und auch einen gewissen wirtschaftlichen Aufschwung brachte. Jeden Ort ordnet Achim Konejung ein, jedem Ort widmet er eine zum Teil sehr persönliche Beschreibung.

In „Eifeler Unterwelten“ geht es unter anderem um eine römische Wasserleitung (Foto), die Westwall-Bunkerlinie am Hürtgenwalder Ochsenkopf, den Lava-Dome in Mendig und den ehemaligen Atombunker der Bundesregierung im Ahrtal. Foto: Konejung/Eifelbildverlag

„Jahrhunderte über Jahrhunderte trieb es die Menschen in die Erde – aus Schutzbedürfnis, aus wirtschaftlichen Interessen oder zur Verkürzung von Distanzen“, sagt Achim Konejung. Ihn interessiert die Kombination von natürlicher Geologie, menschlichem Hinzutun und Ingenieurskunst, der Nutzung künstlicher oder von Menschenhand geschaffener Höhlen. Ob Wohnen in Höhlen, Rohstoffabbau in Bergwerken, Eisenbahnbau durch Tunnel oder Kriegsvorbereitungen mit Bunkeranlagen – die Eifeler Unterwelten lassen regionale Geschichte aus seiner Sicht genauso gut nachempfinden wie die Spurensuche über Tage.

Die Idee zum Buch entstand in einer „sturmumtosten“ Silvesternacht. Auf 40 Orte der Unterwelt kamen die Gäste, Konejungs Neugierde war geweckt, ein neues Buchprojekt geboren. Die Recherche in Datenbanken und Archiven ergab schnell: Es gibt Hunderte versteckte, vergessene Orte. Im Bergrevier Düren beispielsweise, das größtenteils in der Nordeifel lag, befanden sich vom 15. bis 19. Jahrhundert mehr als 260 Bergwerke. Fast alle davon sind heute nicht mehr auffindbar, verschüttet oder verschlossen.

Gut versteckt, aber ungefährlich

„Ich möchte nicht, dass ein Höhlenforscher der Zukunft ein Skelett findet, das mein Buch in der Hand hat“, scherzt Achim Konejung. Er hat unzählige Orte bereist, und ganze Wälder auf der Suche nach den Eingängen durchkämmt. Gut versteckte Ziele haben es in das Buch geschafft, gefährliche Orte hingegen nicht. Viele der 99 Ziele können besichtigt werden, manche als Teil eines Museums oder im Rahmen täglicher Führungen, manche nach Absprache mit dem heutigen Eigentümer, und manche sind sogar frei zugänglich. Wer das Buch zur Hand nimmt, soll auf Reise gehen können – beim Durchblättern ebenso wie vor Ort.

Sämtliche Objekte haben von Achim Konejung eine Lagebezeichnung sowie eine Positionierung über Google Maps bekommen. Zudem bedient er sich der kostenlosen App „What3Words“ für Smartphones (https://map.what3words.com), die potenzielle Besucher zum Ziel führt, indem die jeweils zum Objekt passenden drei Begriffe eingegeben werden.

Alle 99 Orte der Eifeler Unterwelt zu besuchen und zu erkunden, dauere ungefähr zwei Jahre, schätzt Achim Konejung. „Nehmen Sie eine Taschenlampe und warme Kleidung mit“, rät er. Nicht nur im Winter. Viele unterirdische Anlagen sind auch im Sommer in der Regel sechs bis neun Grad kalt. Für den Fall der Fälle empfiehlt Achim Konejung noch Kompass und Wanderkarte. Mit dem Mobilfunknetz sei das in abgelegenen Teilen der Eifel so eine Sache. Unterirdisch beizeiten.

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