Jäger fordern Hilfe: Vermummte zerstören gezielt Hochsitze

Jäger fordern Hilfe : Vermummte zerstören gezielt Hochsitze

„Das nimmt langsam Ausmaße an, die nicht mehr tragbar sind“, sagt Ivo Drehsen. Der 45-jährige Merzenicher und andere Jäger rund um den Hambacher Forst kochen vor Wut. Die Hochsitze, die sie in ihrer Freizeit mit ihrem eigenen Geld aufgebaut haben, sind in den vergangenen Tagen immer wieder von Vermummten zerstört worden.

Drehsen und einige Kollegen gehen sogar so weit, im Drei-Schicht-System die jagdlichen Einrichtungen rund um die Uhr zu bewachen. „Kampflos gebe ich die nicht her“, sagt er entschlossen. Drehsen ist für den Gemeindejagdbezirk Merzenich zuständig und mittlerweile so in Rage über den Vandalismus, dass er laut auf die Taten aufmerksam machen möchte – auch auf die Gefahr hin, dafür von den Angreifern die Quittung zu kriegen.

Angesägte Leitern

Bereits aus den Nachbarrevieren rund um den Hambacher Forst hatte Ivo Drehsen von Vandalismusschäden gehört: angesägte Leitern, umgetretene und teilweise völlig zerstörte Hochsitze. In der Nacht auf Montag machten sich Vermummte zum ersten Mal bei ihm im Revier zu schaffen.

Die Jäger schieben mittlerweile im Drei-Schicht-System Wache. Foto: ZVA/Anne Welkener

Weitere Attacken in der darauffolgenden Nacht konnten Jagdkollegen vereiteln. Sie lagen mit der Wärmebildkamera auf der Lauer und entdeckten neun Vermummte – zwei davon mit auffällig kleinen Rucksäcken –, die aus dem Wald kamen und sich an einem Hochsitz zu schaffen machten. Sie vertrieben die Vermummten mit einem Warnschuss in die Luft und riefen die Polizei. Als die Beamten eine halbe Stunde später vor Ort die Anzeige aufnahmen, waren erneut Vermummte zu sehen. Mit Hilfe der Jäger gelang es den Polizisten kurz darauf, neun Vermummte – zwei davon mit kleinen Rucksäcken – zu stellen. So zumindest die Aussage der drei Jäger.

Die Pressestelle der zuständigen Aachener Polizei konnte auf Anfrage unserer Zeitung zunächst nur bestätigen, dass eine Anzeige wegen Sachbeschädigung aufgenommen wurde und dass etwa eine Stunde nach dieser Sachbeschädigung zehn Vermummte kontrolliert worden sind. Ob es sich dabei um die Täter handelt, müssten die Nachforschungen der Ermittlungskommission Hambach ergeben. Von Ingewahrsamnahmen im Zusammenhang mit den Hochsitzbeschädigungen war keine Rede.

Für Ivo Drehsen und seine Mitstreiter ist das extrem frustrierend. „Das ist mehr, als wir je in der Hand hatten“, sagt Drehsen. Da seinen Freunden vor Ort bestätigt worden sei, dass die Personen dringend tatverdächtig seien, erwartet er, dass die Beamten sie festgenommen haben. Da die Jagdkollegen aber von der Polizei weggeschickt worden sind, können sie dies nicht bestätigen. Drehsen wartet noch auf eine Bestätigung, ob die Polizei die Vermummten tatsächlich laufen ließ, und behält sich vor, Anzeige wegen Strafvereitelung zu stellen.

Für ihn ist dieser Fall symptomatisch für die Arbeit der Polizei im Hambacher Forst. Diese arbeite nach den Anweisungen der Politik und die habe ein Interesse daran, die Probleme im Forst klein zu halten. „Da muss mal was kommen von der Politik“, erzürnt er sich. „Wir jagen im Auftrag des Staates, werden aber vom Staat im Regen stehen gelassen.“ Weiter sagt Drehsen: „Das ist ganz gefährlicher Sprengstoff, der hier entsteht.“ Er meint, die Lage werde immer gefährlicher. „Irgendwann sitzt mal ein Jäger auf dem Hochsitz, wenn die Idioten unten sägen.“ Es sei nur eine Frage der Zeit, bis mal etwas passiere. „Die scheuen nicht davor, körperliche Gewalt anzuwenden, haben immer Steine, Stöcke oder Molotowcocktails dabei.“

Die Jäger fordern Hilfe gegen die Täter. Foto: ZVA/Anne Welkener

Er vermutet hinter der Vermummung militante Tierrechtler aus dem Hambacher Forst. Falls die sich für den Erhalt des Forstes einsetzen wollen, kann er ihnen nur Beipflichten. „Die grundsätzliche Idee finde ich gut, aber der jetzt eingeschlagene Weg ist völliger Wahnsinn.“

Dass die Vermummten gegen Jäger und deren Infrastruktur vorgehen, entzieht sich gänzlich seinem Verständnis. Bei einer Vermehrungsrate von 400 bis 600 Prozent würden die Wildschweine, ohne dass die Jäger die Population regulieren, die umliegenden Felder zerstören. „Dann haben auch die Veganer nichts mehr zu essen“, sagt Drehsen trocken. „Ich habe in meinem Leben schon mehr Tiere gerettet als getötet. Wer wirklichen Naturschutz betreiben möchte, kann uns jederzeit helfen.“

Wegen der Bemühungen der Jäger gebe es wieder Schnepfen, auch viele Fasanen und Rebhühner seien zu finden. „Aber das hier“, sagt der Merzenicher und nickt in Richtung seines zerstörten Hochsitzes, „hat nichts mit Tierschutz zu tun.“

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