Aachen/Düren: Vergewaltiger benutzte K.-o.-Tropfen: Sieben Jahre Haft

Aachen/Düren: Vergewaltiger benutzte K.-o.-Tropfen: Sieben Jahre Haft

Der Angeklagte Ingo V. (44) bekam von Richterin Regina Böhme eine unmissverständliche Warnung mit auf den Weg in die Zelle. „Sie haben einen Hang zu diesen Straftaten. Wenn wir Sie nochmals hier sehen sollten, droht Ihnen mit ziemlicher Sicherheit die Sicherungsverwahrung.“ Denn der Dürener Ingo V. hat sich nach den Feststellungen des Landgerichts mit der Vergewaltigung von Frauen unter Zuhilfenahme sogenannter K.-o.-Tropfen eines „hinterhältigen, schäbigen und feigen Verhaltens“ - so die Richterin wörtlich - schuldig gemacht.

Als er im Februar 2015 einer jungen Frau nach einer durchzechten Kneipennacht Lorazepam verabreicht hatte, wurde sie bewusstlos, er legte sie aufs Bett, zog sie aus und vergewaltigte sie.

Die Kammer habe in der Vergangenheit bereits viel mit Sexualdelikten zutun gehabt, sagte Böhme. Hier aber habe sich ein Abgrund für die Frauen gezeigt, die nach den Taten völlig traumatisiert seien, auch weil sie „nicht mehr den Ablauf der Geschehnisse rekonstruieren und sich damit auseinandersetzen“ könnten, führte die Richterin weiter aus.

Denn die Handlungen an dem oben beschriebenen Opfer waren womöglich nicht die einzigen. Bei einer weiteren jungen Frau hatte man V. die Täterschaft nicht exakt genug nachweisen können, ihr Fall blieb ungesühnt.

Was war geschehen? Ingo V. hielt sich im Tatzeitraum von Mai 2014 bis Februar 2015 gerne im Umfeld von oft drogenabhängigen jungen Frauen auf, gemeinsam mit zwei Freunden, die ihm das zur Betäubung benutzte Wirkmittel Lorazepam in Form eines Psychopharmakas mit dem Warennamen „Tavor“ beschafften. Einer der beiden war oder ist Arzt und wird gesondert von der Staatsanwaltschaft verfolgt.

Die Drei seien der Fetischszene zuzurechnen, hieß es während des Prozesses, und sprachen dem Alkohol und Rauschmitteln wie Amphetaminen zu. Der mitangeklagte Fall des ersten Opfers geschah Mitte Mai 2014. Die Kammer konnte aber nicht zuordnen, wer sich an der Frau vergangen hatte, der Fall blieb, wie gesagt, ungelöst.

Der Angeklagte hatte sein kriminelles Vorgehen gut vorbereitet. In seinem Kühlschrank fand man kleine Schnapsfläschchen, in denen sich Flüssigkeit mit den K.-o.-Tropfen vermischt befand.

Begleiter ausgeschaltet

Beim zweiten Fall brachte er ungefragt zwei Frauen und einen Begleiter von einer Kneipe nach Hause, dort soll er bereits die Mädchen vergiftet haben. Er bot dem ahnungslosen Begleiter zu Hause eine Flasche Bier an, in das er gleichfalls Tavor gefüllt hatte. Der Begleiter wurde ohnmächtig, so dass Ingo V. ungestört seinen Sexgelüsten nachgehen konnte.

Der Begleiter erlitt erhebliche Gesundheitsschäden, weil er insgesamt anfällig war. Wegen der Schädigungen der Opfer war Ingo V. auch wegen gefährlicher Körperverletzung verurteilt worden, hinzu kam eine Vorverurteilung durch das Dürener Amtsgericht.

Der Angeklagte sei nach einer schweren Krankheit im Jahr 2010 völlig von der Bahn abgekommen, erläuterte Richterin Böhme den Lebensweg und sei dann in jene Sexszene abgerutscht. Er habe es nicht mehr geschafft, sich auf normalem Weg die Gunst von Frauen zu sichern und dann zu den K.-o.-Tropfen gegriffen. Staatsanwältin Pascale Schlimm hatte für den Täter sechs Jahre Haft gefordert.