Düren: Verbraucherschützer: „Nicht schämen, jeder hat schon Fehler gemacht“

Düren: Verbraucherschützer: „Nicht schämen, jeder hat schon Fehler gemacht“

Verbraucherschützer haben eine Palette von Ratschlägen, damit Kunden im Alltag nicht böse von ungewollten oder dubiosen Vertragsabschlüssen überrascht werden. Der Ratschlag, den Yvonne Fuchs von der Verbraucherzentrale Düren gibt, richtet sich aber an diejenigen, die bereits in die Falle getappt sind.

„Niemand soll sich schämen, zu uns in die Beratungsstelle zu kommen. Jeder hat doch beim Online-Shoppen schon mal Fehler gemacht“, sagt Fuchs, als sie mit der Beratungsstellenleiterin Hildegard Dapper den Jahresbericht für 2016 vorstellt. Im Mittelpunkt stand — wie der Ratschlag schon impliziert — das Einkaufen im Internet, der „digitale Konsumalltag“.

Dapper und Fuchs haben in den vergangenen Jahren immer häufiger damit zu tun, mit Hilfe von Rechtsanwälten Kunden aus Verträgen herauszuholen, die sie versehentlich eingegangen sind, oder die nicht rechtmäßig abgewickelt wurden. Viele Kunden würden auf sogenannte Fake-Shops hereinfallen, also nicht verifizierte Onlinehändler, die mit extrem günstigen Preisen locken — und ausschließlich Vorkasse verlangen würden.

Hinweis der Experten: „Wenn nicht per Rechnung bezahlt werden kann, ist der Shop nicht seriös. Außerdem dürfen die Schaltflächen, auf die man für den Vertragsabschluss klickt, nur ,Kostenpflichtig bestellen‘ oder ,Zahlungspflichtig bestellen‘ heißen. Alles andere ist nicht rechtmäßig.“ Von diesen Verträgen können sich Kunden ohne größeren Aufwand wieder lösen.

Insgesamt haben Hildegard Dapper und Yvonne Fuchs im vergangenen Jahr 4395 Anfragen aus dem Kreis Düren bearbeitet (die häufigsten Verbraucherprobleme zeigt die Grafik). 663 Mal hat die Dürener Anlaufstelle Verbraucher-Rechtsberatung und Rechtsvertretung geleistet. Am häufigsten wegen Beschwerden, die das Telefon und Internet betrafen (38 Prozent) sowie Finanzen (26 Prozent).

Auch wenn sich die Gefahrenstellen für Verbraucher stetig mehr ins Internet verlagern, sind Klassiker wie die Drückerkolonnen an Haustüren immer noch Thema. Ganz aktuell waren insbesondere ältere Personen die Zielgruppe von Vertretern, die neue Verträge un d Produkte des Kabelnetzbetreibers Unitymedia an der Haustür verkaufen wollten, weil in diesem Monat das analoge TV-Programm eingestellt wird.

Jedoch sind danach keine neuen Verträge nötig — das wussten gerade ältere, verunsicherte Kunden nicht, was die Werber umgehend ausnutzten, erzählt Hildegard Dappert. Die Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen habe nach etlichen Vorfällen daraufhin Gespräche mit dem Konzern geführt, um abgesehen vom analogen TV auch die unlautere Werbung einzustellen.

Migranten im Fokus

Dürens Verbraucherschützerinnen weisen auch darauf hin, dass man sich nicht von Inkasso-Unternehmen einschüchtern lassen soll, die schriftlich mit einer Pfändung am nächsten Morgen drohen würden — „manche werden immer dreister, aber das ist natürlich nicht rechtmäßig“. Ebenso skurril: Kunden meldeten angebliche Verbraucherschützer, die an der Haustür eine Telefonbox anbieten würden, um eben unerlaubte Telefonwerbung zu unterbinden.

Im Fokus — speziell von Telekommunikationsanbietern — seien Migranten gewesen, die keinerlei Erfahrung mit Verträgen hätten und sich auf Abschlüsse über Jahre eingelassen hätten, obwohl sie so lange gar nicht in Deutschland wären. „Aus diesen Verträgen kommt man schwierig heraus, Anbieter lösen sie nur selten auf. Es wird auch viel Schindluder getrieben: Muttersprachler locken die ahnungslosen Migranten in ihre Shops“, sagt Dapper, die aber auch zu Protokoll geben kann, dass kein lokaler/regionaler Anbieter „signifikant“ mit dubiosen Maschen aufgefallen sei.

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