Vandalismusschäden am Sportplatz in Morschenich

Vandalismusschäden in Morschenich : Auf den letzten Metern Knüppel zwischen die Beine

„Das hier ist kein Selbstbedienungsladen und auch kein Abenteuerspielplatz.“ Merzenichs Bürgermeister Georg Gelhausen findet klare Worte für ein Verhalten, dass ihm schon lange bitter aufstößt.

Er steht mit Lilo Hansen, der zweiten Geschäftsführerin des SV Morschenich, neben dem Rasenplatz des Vereins. Auf den ersten Blick bietet dieser mit einer weißen Schneedecke ein friedlich anmutendes Bild, auf den zweiten Blick werden aber zahlreiche Vandalismusschäden deutlich: Teile der Bandenwerbung sind beschmiert oder zerstört worden, Steine wurden in Fenster geschmissen, der Sportplatz als Autofahrbahn zweckentfremdet und Schlösser aufgebrochen. Nun mussten die Merzenicher auch noch großflächige Graffitis an zwei Wänden des Sportheimes finden.

Gelhausen: „Es tut weh, auf den letzten Metern die Knüppel zwischen die Beine zu kriegen.“ Zwar seien viele Familien schon nach Neu-Morschenich umgesiedelt, aber das Vereinsleben sei noch im alten Ort. Der Fußballverein braucht eine intakte Infrastruktur auf dem Platz, weil hier weiterhin der Trainings- und Spielbetrieb läuft und vor allem im Juni auch noch eine Sportwoche stattfinden soll.

In Neu-Morschenich ist der Kunstrasenplatz bereits fertig, der Rasen für den zweiten Platz eingesät, aber erst im Oktober oder November wird das Mehrzweckgebäude für die Vereine fertig, deshalb muss die Sportwoche noch am gewohnten Platz mit der alten Infrastruktur stattfinden, denn der Sportverein ist abhängig von den Einnahmen aus dieser Woche. „Ohne Sportwoche kommen wir finanziell nicht durch. Die rettet uns übers Jahr“, bringt es Hansen auf den Punkt. Aber Gelhausen macht sich Sorgen: „Wenn es so weitergeht, wird das nichts mit der Sportwoche.“ Nun, wo Beschmierungen hinzugekommen sind, fragt er sich, was als nächstes kommt. Bereits im Juli 2017 war Vandalismus auf dem Platz ein Problem. Damals verging kaum eine Woche ohne dass Tornetze zerschnitten worden sind.

Lange Inventar-Liste

Lilo Hansen kann nur mit dem Kopf schütteln, wenn sie an die lange Liste an Inventar denkt, die ihrem Verein in den vergangenen Monaten gestohlen wurden. Am Nikolaustag wurde der Küchencontainer zum Ziel von Einbrechern. Die komplette Ausstattung, die vor allem für die Sportwoche gebraucht wird, wurde gestohlen – von der Fritteuse bis zu den Frittengäbelchen. Hansen hat viel Zeit investiert, um zu rekonstruieren und Beweise zu sammeln, was dem Verein genau gestohlen wurde. Das Geld gab es von der Versicherung zurück, nicht versichert waren aber schwere Bänke und Tische aus Holz, die erst vor Kurzem von ihrem Standort vor dem Sportheim entwendet wurden.

Die Vereinsarbeit, so beschweren sich der Bürgermeister und die Vereinsverantwortliche, werde sowohl mental als auch finanziell gestört. „Die Zuschauer bleiben weg“, sagt Hansen. „Und die Sponsoren erst recht“, ergänzt Gelhausen.

Lilo Hansen vermutet, dass Aktivisten hinter dem Vandalismus stecken, hat bereits im Camp das Gespräch gesucht, aber nicht das Gefühl, das Gespräch hätte etwas bewirkt. An Schuldzuweisungen gegen einzelne Gruppen oder Personen möchte sich Gelhausen bewusst nicht beteiligen. Ihm ist nur wichtig, für die Anliegen seiner Bürger zu sensibilisieren. Bei manchen Außenstehenden herrsche die Meinung vor, es komme nicht darauf an, weil bald eh die Abrissbagger anrücken.

Das Vereinsleben finde aber weiterhin hier statt und Vandalismus sei ein Schlag ins Gesicht für all diejenigen, die den Platz vor mehr als 70 Jahren in Eigenregie aufgebaut und seitdem gepflegt hätten, sagt Gelhausen. Solche Aktionen träfen die Falschen. „Wir hatten gehofft, dass mit dem Bericht der Kohlekommission Ruhe reinkommt und die Morschenicher ihren Frieden haben. Das scheint nicht so zu sein.“ Gelhausens Appell lautet: „Die Morschenicher sollen in Ruhe gelassen werden.“

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