Düren: Unruhe bei der Awo: Sollen Kitas an andere Träger gehen?

Düren: Unruhe bei der Awo: Sollen Kitas an andere Träger gehen?

Soll die Tagesmütteragentur der Arbeiterwohlfahrt umgewandelt werden? Will die Awo einige der 14 Kindergärten in Düren an andere Träger übertragen? Wird Personal entlassen? Im Umfeld des Awo-Kreisverbandes herrscht Unruhe.

Nach Informationen unserer Zeitung soll die Awo, die 23 Kitas im Kreis Düren betreibt, in den vergangenen Wochen mehrfach an die Stadt herangetreten sein. Auch der Jugendhilfeausschuss wird sich am 23. April mit zwei Anträgen der Awo befassen. Anträge, die für die Stadt Mehraufwendungen in Höhe von 98 100 Euro bedeuten könnten.

Der Sozialverband beantragt, zum Kindergartenjahr 2013/14 in seiner Tagesmütteragentur eine einzügige Kita mit zwölf U 3-Plätzen einzurichten. Da es sich um eine angemietete Immobilie handelt, verblieben nach Abzug des Landesanteils und der fiktiven Elternbeiträge Kosten in Höhe von 85.000 Euro bei der Stadt. Diese Summe müsste bei einer Förderung der Betriebskosten ab August gezahlt werden. In einem zweiten Antrag bittet die Awo die Stadt, die Kita „Lollypop“ an der Alten Jülicher Straße als Sozialen Brennpunkt anzuerkennen. Im Rahmen der Fördermöglichkeiten könnte das Land eine zusätzliche Betriebskostenpauschale in Höhe von 15.000 Euro gewähren, 9600 Euro davon müsste die Stadt zahlen.

„Ich sehe an dieser Stelle keinen weiteren Bedarf für U3-Plätze, und bei der Kita ‚Lollypop‘ besteht ebenfalls kein Handlungsbedarf“, sagte Thomas Floßdorf (CDU), Vorsitzender des Jugendhilfeausschusses auf Nachfrage. Er geht davon aus, dass die Politik der gleichlautenden Einschätzung der Verwaltung folgt. Zumal die finanziellen Mittel nicht im Budget des Jugendamtes enthalten sind.

„Wir kennen die Gerüchte, die die Runde machen“, sagte Awo-Vorsitzender Karl Schwarz auf Nachfrage. „Wir wollen weder Kindergärten abgeben, noch hat die Awo finanzielle Sorgen“, versicherte er. Fakt sei aber, dass 40 befristete Verträge zum 31. Juli auslaufen. Darüber habe der Betriebsrat die entsprechenden Mitarbeiter informiert. Auch die Geschäftsführung und Vertreter der Agentur für Arbeit seien anwesend gewesen. „Wir sind im Personalfindungsprozess“, sagte Geschäftsführerin Leonore Küpper. Nach momentanem Stand soll der Vertrag von 20 Mitarbeitern verlängert werden. Darüber hätten Betriebsrat, Fachberatung und Geschäftsführung entschieden, doch der Prozess dauere noch an.

„In der Vergangenheit sind Mitarbeiter in der Erwartung eingestellt worden, dass eine Weiterbeschäftigung auch zu einem späteren Zeitpunkt möglich ist“, erklärt Leonore Küpper. Unter den Betroffenen sind vor allem Tagesmütter und ungelernte Kräfte. „Es sind auch Mitarbeiter, die nicht Teil der Personalvereinbarung sind“, fährt Küpper fort.

Will heißen: Im Gesetz ist geregelt, welche Personalkostenzuschüsse es für welche Kita-Mitarbeiter entsprechend der beruflichen Qualifikationen gibt. „Diese Vereinbarung wird zum kommenden Kindergartenjahr zwar reformiert, Mitarbeiter wie Tagesmütter tauchen aber auch im neuen Entwurf der Regelung nicht auf“, erklärte Leonore Küpper.

Möchte die Awo beispielsweise Tagesmütter weiter in Kitas einsetzen, muss der Verband dies zum Teil aus der eigenen Tasche zahlen. „Alle Träger schweben derzeit in der Luft, weil bisher nur der Entwurf vorliegt. Wir müssen auf diese Situation aber heute schon reagieren und die Personalstruktur anpassen“, bat Schwarz um Verständnis. Die Awo könne die zusätzlichen finanziellen Aufwendungen nicht stemmen. Zu Engpässen komme es aber nicht, Mitarbeiter mit unbefristeten Verträgen seien nicht betroffen.

Ebenfalls aus finanziellen Gründen wurden auch im Januar die Planungen aufgegeben, bei der Tagesmütteragentur eine Bildungseinrichtung einzurichten. „Das wäre für uns finanziell eine Hausnummer zu groß gewesen, es wäre unser Ruin gewesen“, sagte Schwarz.

Planungen „zu den Akten gelegt“

Die von seinem Amtsvorgänger angeschobenen Planungen seien „zu den Akten gelegt worden“. Ein angemieteter Raum sei aufgegeben worden. Schwarz: „Niemand mietet zwei Garagen, wenn er nur ein Auto hat.“ Dieses Thema habe man auch im Januar mit dem Jugendamt erörtert.

Ein weiterer Besuch bei der Stadt sei sein Antrittsbesuch bei Bürgermeister Paul Larue im Februar gewesen, erklärt der Awo-Vorsitzende. Er ist zwar im vergangenen Jahr gewählt worden, sei aber beruflich bislang stark eingespannt gewesen und habe dazu noch keine Gelegenheit gehabt. „Natürlich fiel da auch das Wort ‚Kita‘. Das fällt beinahe bei jedem Gespräch“, sagte er.

Die Anträge an die Stadt gehörten zum Tagesgeschäft eines Trägers. „Der Bedarf für eine weitere U 3-Gruppe ist da, bei der Tagesmütteragentur hätten wir Platz“, erläutert Leonore Koch. Die zusätzlichen Mittel für die Kita „Lollypop“ müssten zweckgebunden eingesetzt werden. Die Arbeit in einem Stadtteil mit hohem Anteil an Migranten stelle die Mitarbeiter schließlich auch vor besondere Herausforderungen.