Umbau von St. Bonifatius Düren zur Kita startet nach den Sommerferien

Düren: Wie aus einem Gotteshaus eine Kita wird

Seit anderthalb Jahren schon ist die St. Bonifatius-Kirche entwidmet. Für viele Gläubige war das ein schmerzlicher Prozess — auch, weil die weitere Nutzung des Kirchengebäudes sehr umstritten war. Nach den Sommerferien startet nun der Umbau des Gebäudes zu einem viergruppigen Kindergarten. Dabei soll so viel originale Substanz wie möglich erhalten bleiben.

„Die Kinder sollen später erfahren können, dass es ein besonderes Gebäude ist“, sagt Pfarrer Hans-Otto von Danwitz, Leiter der Gemeinschaft der Gemeinde Düren-Mitte, zu der St. Bonifatius gehört. Dass im Dürener Osten eine Kita in das sakrale Gebäude einziehen wird, ist für von Danwitz die beste Nutzung: „Gerade deshalb, weil es hier einen großen Bedarf gibt und wir damit einen Beitrag für das Gemeinwohl leisten.“

Der Umbau von St. Bonifatius (unten rechts) soll im September starten. Das leergeräumte Kichenschiff (oben, mit Blick auf die Orgel) wird drei Kita-Gruppen aufnehmen, eine Gruppe zieht in die alte Sakristei ein (unten links). Das kleine Bild zeigt, wie der Innenraum (mit Blick auf den Altar) später aussehen soll Foto: Burkhard Giesen

2,1 Millionen Euro teuer

Der Umbau von St. Bonifatius (unten rechts) soll im September starten. Das leergeräumte Kichenschiff (oben, mit Blick auf die Orgel) wird drei Kita-Gruppen aufnehmen, eine Gruppe zieht in die alte Sakristei ein (unten links). Das kleine Bild zeigt, wie der Innenraum (mit Blick auf den Altar) später aussehen soll Foto: Burkhard Giesen

Rund 2,15 Millionen Euro kostet der Umbau — und fällt damit rund 450.000 Euro höher aus, als ursprünglich berechnet. 1,85 Millionen Euro trägt die Stadt Düren, weil sie zwei der vier Gruppen neu einrichtet und das immer noch günstiger ist, als einen zweigruppigen Kindergarten komplett neu zu erstellen. „Uns war es wichtig, vor Baubeginn mit den realistischen Zahlen zu operieren“, sagt der Dürener Architekt Marcus Laufenberg, der die Entwurfsplanung des Düsseldorfer Architektenbüros Heerich & Schmitz umsetzen wird.

x Foto: Hypothese, Heerich Schmitz Architekten

Die gestiegenen Kosten teilen sich Stadt, Bistum und Pfarre zu je einem Drittel. Hinzu kommen weitere rund 150000 Euro des Bistums, um den Bestand der Kirche dauerhaft zu sichern. „Das ist ein letztmaliger Zuschuss des Bistums für dieses Gebäude“, sagt von Danwitz.

Architekt Marcus Laufenberg (li.) und Pfarrer Hans-Otto von Danwitz gehen davon aus, dass die neue Kita Ende 2019 öffnen wird. Foto: Burkhard Giesen

Um dem Ziel, möglichst viel originale Bausubstanz zu erhalten und nur behutsam in den Bau einzugreifen, wird der Kirchenraum im Bereich der Beichtstühle geöffnet und um einen Anbau erweitert. Die Gruppenräume werden alle innerhalb der Kirche untergebracht. Zwei Gruppenräume werden an der rechten Seite des Kirchenschiffs platziert, ein dritter vor dem jetzigen Haupteingang. Die vierte Gruppe wird in der ehemaligen Sakristei untergebracht, die frühere Krypta wird zu einem Mehrzweckraum mit Zugang zum Außengelände.

„Im Bereich der Krypta entsteht zudem ein Treppenhaus plus Aufzug, so dass alle Ebenen barrierefrei erreichbar sind“, erläutert Laufenberg die Planung. Die sieht zudem vor, dass dort, wo sich früher der Altar befand, auf zwei Etagen in Kubus-Form ein Café und Bistro entstehen wird. Pfarrer Hans-Otto von Danwitz: „Da, wo früher Brot und Wein gereicht wurde, werden die Kinder demnächst essen können.“

Die Gruppenräume nehmen rund ein Drittel der Fläche des Kirchengebäudes ein. Die anderen zwei Drittel können in der Woche als Indoor-Spielfläche genutzt werden, stehen aber an Wochenenden auch für Kirchenbesucher zur Verfügung. „An Wochenenden werden wir hier wieder Gottesdienste feiern“, bekräftigt von Danwitz.

Aber nicht nur deswegen macht es Sinn, einen Teil der Gelder des Bistums zum dauerhaften Erhalt des Gebäudes auch in die Instandsetzung der Orgel auf der Empore zu investieren. Von Danwitz hofft nämlich darüber hinaus, dass die Orgel auch bei der musikalischen Früherziehung der Kinder eine Rolle einnehmen kann. So, wie die Säulen in die Gruppenräume integriert werden, wird es beispielsweise auch mit den Weihwasserbecken erfolgen.

Eingangsportal bleibt erhalten

Auch das Eingangsportal bleibt erhalten. Architekt Marcus Laufenberg: „Innen werden die Portale als Fenster wieder aufgenommen.“ So kann man tagsüber die mächtigen Holztüren öffnen und bleibt dennoch ungestört. Das mittlere Fenster soll zudem wie die Portaltüren geöffnet werden können.

Die größte Herausforderung beim Umbau des Kirchengebäudes stellt für Architekt Marcus Laufenberg die Statik dar. Um die Gruppenräume im Innenraum unterbringen zu können, muss eine Pfahlgründung erfolgen. „Das ist sehr aufwendig“, sagt Laufenberg. 20 Pfähle müssen in den Boden getrieben werden, damit Kirche und Gruppenräume sicher stehen und sich nicht absenken. Ein anderes Problem gibt es in der Sakristei. Wegen der aufsteigenden Feuchtigkeit muss ins Mauerwerk eingegriffen und eine Isolierschicht eingebracht werden.

Einen bis ins Detail festgezurrten Bauzeitenplan gibt es für den Umbau nicht. Laufenberg geht davon aus, dass bei einem Start im September eine Fertigstellung der Kita Ende 2019 realistisch ist. Dann, hofft von Danwitz, wird auch Bischof Helmut Dieser nach St. Bonifatius kommen, durch das frühere Portal in die neue Kita schreiten und sie einsegnen.

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