Uhu in der Eifel: Nilgänse stören mit ihrem Geschnatter heimische Vögel

Eulenschutz im Rurtal : Afrikanische Gans stört den Uhu

Die Tabelle in Stefan Brüchers Händen zeigt: Die Bruterfolge der Uhus im Rurtal liegen wieder im grünen Bereich. „Die Population ist stabil“, erklärt der Experte der Gesellschaft zur Erhaltung der Eulen. Das war nicht immer so.

Zwar siedeln an fünf Brutplätzen schon seit Jahrzehnten Uhus, aber nur wenige Junge wurden ausgebrütet. In den 90er Jahren gab es – statistisch gesehen – oft nur zwischen 0,2 und 0,8 Junge pro Brutplatz, seit 2012 steht bereits vier Mal eine Zwei vor dem Komma. Erfreulich ist für die Naturschützer auch, dass 2018 ein sechster Brutplatz entdeckt wurde.

Schon lange gibt es im Rurtal Bestrebungen, bessere Bedingungen für den Uhu zu schaffen. Deutschlandweit sorgte es für Aufsehen, als entlang den Blenser Felsen die zulässige Höchstgeschwindigkeit für Autofahrer zum Schutz des Uhus beschränkt und eine Blitze aufgestellt wurde. „Vor allem aber hatte das illegale Klettern an den Felsen im Rurtal negative Auswirkungen auf den Bruterfolg“, erklärt Brücher. „Es gibt hier so viel Natur, aber es war so wenig davon übrig.“

Das Problem: Im zeitigen Frühjahr legen die Eulen ihre Eier in Felsmulden und brüten sie aus. „Wenn sie zum falschen Zeitpunkt nur einmal aufgeschreckt werden, ist es schon sehr wahrscheinlich, dass es nicht zu einem Bruterfolg kommt, zum Beispiel weil die Eier auskühlen“, erläutert Brücher.

Ein Kletterverbot alleine half also nichts, dessen Einhaltung musste laut Brücher besser kontrolliert und die entsprechenden Haken entfernt werden. Darüber hinaus ist in den vergangenen Jahren einiges zur Besucherlenkung oberhalb der Felsköpfe getan worden. „Denn dort rupfen die Eulen ihre Beute, um ihre jungen damit zu füttern. Werden sie dabei ständig gestört, ist das ein Problem. Wird aber ein Jungvogel pro Brutplatz flügge, ist das für den Erhalt der Population schon ausreichend“, schildert der Experte.

Bevor Stefan Brücher sich einem Brutplatz nähert, beobachte er ihn genau. Foto: ZVA/Sarah Maria Berners

Und weil die Natur in den geschützten Gebieten sich entwickeln konnte, es auf den Felsen ruhiger wurde, sind in den zurückliegenden zehn Jahren auch zwei Gegenspieler des Uhus wieder an den Felsen zu sehen: Wanderfalken und Kolkraben. Die, vor allem deren Junge, stehen auf der Speiseliste der Uhus und die Raben klauen auch gerne mal ein Uhu-Ei  oder versuchen, einen Jungvogel zu erbeuten. „Es gibt Auseinandersetzungen zwischen den Arten, das ist die Natur, wie sie hier auch früher gewesen ist, und das ist sehr interessant zu beobachten“, sagt Brücher.

Geschnatter macht sich breit

Wäre da nicht plötzlich noch ein Protagonist im Spiel: Die Nilgans. „Die Nilgans ist nicht heimisch, sie ist eine invasive Art, die die heimischen Arten empfindlich stören kann“, bedauert Brücher. An der Blenser Wand beispielsweise habe er diese schon gesehen. Nilgänse beschreibt der Eulenexperte als lärmend und penetrant. „Die vertreiben auch Uhus und Wanderfalken und können dafür sorgen, dass eine Brut aufgegeben wird. Die Nilgans wird den Uhu hier zwar nicht ausrotten, sie wird die natürlichen Abläufe aber verändern.“ Hinzu komme, dass die Nilgänse zweimal im Jahr brüten, während Falken und Uhus dies nur einmal können, weil die Jungvögel noch relativ lange abhängig von ihren Eltern sind. Wenn sie Ende Juni flügge sind, dauert es noch bis in den September hinein, bis sie gute Jäger sind und ohne elterliche Hilfe leben können.

Einer, der sich den Nestern der Uhus mit einer Ausnahmegenehmigung nähern darf, ist Stefan Brücher. Dabei wähle er den Zeitpunkt mit bedacht. „Wenn die Jungen ein gewisses Alter und eine bestimmte Größe haben, dann kommen sie eine kurze Zeit ohne Mutterwärme aus und sind auch wehrhaft genug, falls ein Feind kommt“, erklärt Brücher. „Und wenn ich nicht sehen kann, wie alt sie schon sind, dann gehe ich nicht hin.“ Wenn doch, sucht er ein Nest auf und schaut, ob die Vögel gut genährt sind, wie viele Vögel in der Mulde sind und ob es etwas am Standort gibt, was den Bruterfolg beeinflussen könnte. Dann bekommen die Tiere einen Ring.

Mufflons zerstören Vegetation

Und noch eine eigentlich nicht in der Eifel heimische Art bereitet Brücher Kopfzerbrechen: Die Mufflons. Seit etwa fünf Jahren würden die Wildschafe am Fuß und am Kopf der Blenser Wand Spuren hinterlassen. „Nach der Sperrung für Kletterer ist am Felsfuß wieder eine dichte Vegetation entstanden, die auch vor Erosion schützt. Die Mufflons fressen alles kahl und treiben mit dem Hufgescharre die Erosion voran.“

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