Übersetzungsbüro der Rurtalwerkstätten wird mit 20.000 Euro gefördert

Kampf dem Verwaltungsdeutsch : Geld fürs Übersetzungsbüro der Rurtalwerkstätten

Die Stadt Düren fördert das Übersetzungsbüro der Rurtalwerkstätten mit 20.000 Euro. Eine unmittelbare und wirksame Kontrolle.

„Das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik definiert im Rahmen der Einführung des neuen Personalausweises die Interoperabilitäts-­ und Sicherheitsstandards für den Ausweis selbst sowie weitere Systemkomponenten. Die Spezifikationen sind in Technischen Richtlinien, Schutzprofilen und Certificate Policies niedergelegt.“

Und – alles verstanden? Diese beiden Sätze sind Teil eines Merkblattes, das die Stadt Düren Bürgern gibt, die einen neuen Personalausweis beantragt haben. Und sie sind das beste Beispiel dafür, wie Kommunikation zwischen einer Verwaltung und Bürgern eben nicht ablaufen sollte. „Kommunikation mit den Bürgern“, sagt Thomas Hissel, Erster Beigeordneter der Stadt Düren, „gehört zu unserem Kerngeschäft. Aber wir kommunizieren leider sehr häufig am Bürger vorbei.“

Computerarbeitsplätze

Und genau das soll sich jetzt ändern. Die Rurtalwerkstätten als großer Arbeitgeber für Menschen mit geistigen und psychischen Behinderungen haben das Projekt „Übersetzungsbüro Leichte Sprache“ ins Leben gerufen, dass die Stadt Düren mit Mitteln aus ihrem Sozialfonds mit 20.000 Euro gefördert hat.

Mit dem Geld wurden unter anderem Fortbildungen finanziert und Computerarbeitsplätze eingerichtet. Mona Ernst, pädagogische Leiterin der Rurtalwerkstätten erklärt: „Es gibt seit sechs Jahren bei uns eine sogenannte Prüfgruppe, die sich mit dem Thema ‚Texte in leichter Sprache’ beschäftigt. In einem weiteren Schritt ist nun unser Übersetzungsbüro entstanden.“

Dort arbeiten derzeit acht Menschen mit einer psychischen Behinderung, bis zum Jahresende sollen vier weitere Arbeitsplätze entstehen.

Eine, die als Übersetzerin beschäftigt ist, ist Daniela Pohle. „Meine psychische Erkrankung ist erst ausgebrochen, nachdem ich meine Ausbildung zur Bürokauffrau abgeschlossen hatte. Ich wollte ungern im Bereich Verpackung und Montage arbeiten und bin sehr froh, dass ich einen Büroarbeitsplatz habe.“

Ähnlich sieht das auch Klaus Segschneider, der ebenfalls im neuen Übersetzungsbüro arbeitet. „Die Aufgabe ist anspruchsvoll und macht sehr viel Spaß.“ Segschneider, Pohle, ihre Kollegen und Gruppenleiter Marcus Heim haben genaue Richtlinien entwickelt, wie Texte in leichter Sprache verfasst sein müssen.

Möglichst kurze Sätze

„Es darf möglichst keine Fremdworte geben“,erklärt Heim. „Die Sätze müssen kurz sein. Schwierige Begriffe werden erklärt.“

Darüber hinaus sollten Texte in leichter Sprache in einer größeren Schrift gedruckt und mit erklärenden Bildern versehen werden. Heim: „Wenn die Texte übersetzt sind, werden sie von Menschen mit einer geistigen Behinderung gelesen. Oder die Texte werden ihnen vorgelesen. Und erst, wenn unsere Kontrolleure ihr Okay geben, bekommen die Texte auch wirklich das Siegel ‚leichte Sprache’.“

Anfangs haben die Mitarbeiter des Übersetzungsbüros ihre Werkstattverträge, Anweisungen zur Arbeitssicherheit und andere innerbetriebliche Texte der Werkstatt übersetzt. „Aber natürlich wollen wir nicht nur für uns arbeiten“, sagt Heim. „Verwaltungen, Unternehmen, aber auch andere Werkstätten für Menschen mit Behinderungen können unsere Dienste in Anspruch nehmen.“

Dabei sind Texte in leichter Sprache natürlich nicht nur für Menschen mit einer Behinderung wichtig. Thomas Hissel: „Auch Personen mit einem niedrigen Bildungsstand oder Menschen mit Migrationshintergrund können von diesem Angebot diskutieren.“

Für Liesel Koschorreck (SPD), stellvertretende Bürgermeisterin und Vorsitzende des Sozialausschusses, ist das neue Übersetzungsbüro ein wichtiger Schritt auf dem Weg zu einer inklusiven Stadtgesellschaft. „Für uns ist das ein echter Meilenstein“, sagt die Sozialdemokratin. „Aber wir wissen natürlich, dass wir immer am Ball bleiben müssen.“

Lulzim Lushtaku, Vorsitzender des Werkstattrates der Rurtalwerkstätten, findet es wichtig, dass Menschen mit einer Behinderung bei ihrer Forderung nach Texten in leichter Sprache endlich Gehör gefunden haben. „Viele meiner Kollegen aus den Rurtalwerkstätten“, sagt er, „bekommen Grundsicherung. Und wer schon einmal so einen Grundsicherungsbescheid gelesen hat, weiß, dass man davon sehr leicht Kopfschmerzen bekommen kann. Umso wichtiger ist, dass es jetzt unser Übersetzungsbüro gibt.“ Gleichwohl, ergänzt Lushtaku, gäbe es auf dem Weg zur Barrierefreiheit noch viele weitere Aspekte. „Auch blinde und gehörlose Menschen haben besondere Bedürfnisse“, sagt er. „Wir sind noch lange nicht zufrieden.“

Thomas Hissel ist sicher, dass die Stadt Düren dem Übersetzungsbüro der Rurtalwerkstätten bald die ersten Aufträge erteilen wird. „Mich überzeugt besonders, dass die Übersetzer aus der Praxistest kommen und gleich nach ihrer Arbeit auch einen sehr wirksamen Praxistest durchführen können.“