Niederau: Über die Motivation, gegen ein Regime zu kämpfen

Niederau: Über die Motivation, gegen ein Regime zu kämpfen

Eine Frau im Vortragssaal von Schloss Burgau, die sich zur traditionellen Lesung des Lions Clubs Düren Marcodurum während der Kulturtage eingefunden hatte, fragte Chang Ping aus China und Rula Asad aus Syrien: „Wo nehmen Sie ihre Motivation her, gegen das Regime von Asad in Syrien oder gegen die Machthaber in Peking zu kämpfen?”

Denn Aktionen gegen die Diktaturen in beiden Ländern sind meist gefährlich und werden mit Folter, Gefängnis oder gar dem Tod geahndet. Zumal - wie im Falle des chinesischen Journalisten Chang Ping - seine Frau und seine kleine Tochter mit auf der Flucht sind.

„Wir - und meist sind es junge Leute”, antwortete die syrische Journalistin, „glauben an einen neuen Staat Syrien. Die Tage des alten Regimes sind gezählt.” Ihr chinesischer Kollege Chang Ping, der wie Asad im Böll-Haus in Langenbroich lebt und arbeitet, stimmte dem zu. Er brachte seine Dankbarkeit darüber zum Ausdruck, dass es Institutionen wie die Heinrich-Böll-Stiftung ist, die es Dissidenten wie ihm ermöglichten, in Freiheit, wenn auch fern von seinem Heimatland, zu leben und zu arbeiten. Chang Ping und Rula Asad müssen bei einer Rückkehr in ihr Heimatland mit Repressalien rechnen.

Dr. Karin Clark, stellvertretende Vorsitzende des Vereins „Heinrich-Böll-Haus Langenbroich”, moderierte wie in den vergangenen Jahren die Lesung der Böll-Stipendiaten. Mit den beiden Journalisten versuchte Clark, Parallelen zwischen den beiden Unrechtssystemen zu finden. Deutlich wurde, dass die Unterdrückungsmethoden der beiden Systeme wie in nahezu allen Diktaturen ähnlich sind: Drohungen, auch gegen Familienangehörige, Verlust der Arbeit, Begünstigung einer Zweiklassengesellschaft, das heißt Privilegien für Städter und Regimetreue, Ausgrenzung der Landbevölkerung oder Andersgläubiger, Unterdrückung der freien Meinungsäußerung, Bespitzelung der Bevölkerung, Aufbau wirtschaftlicher Barrieren für Andersdenkende, Gleichschaltung der Medien.

Chang Ping und Rula Asad berichteten von dem erstaunlichen Erfindergeist der Machthaber, wenn es um den Erhalt ihrer Macht geht. „Das war in der Antike schon so”, resümierte Karin Clark, „das setzte sich im Mittelalter fort und das nahm seinen Höhepunkt unter den Nazis.”

Die Syrerin und der Chinese hoffen auf Veränderung. Was der Westen, was Deutschland tun könne? Ein militärisches Eingreifen des Westens in Syrien sieht Rula Asad sehr skeptisch. Das Regime müsse mit Sanktionen zum Einlenken gebracht werden. Ihr Kollege Chang Ping sieht die Möglichkeiten des Westens gegenüber dem kapitalistisch-kommunistischen System seiner Heimat nur in einer festen Haltung.

Westliche Politiker sollten mehr Mut aufbringen, ihren Kollegen in Peking die Wahrheit über die Menschenrechte zu sagen. Das passiere zwar hier und da bei Staatsbesuchen, doch der Sache der Wahrheit stünden wirtschaftliche Interessen entgegen, weil China eine der größten Wirtschaftsmächte der Welt ist.

Einen Unterschied stellten Chang Ping und Rula Asad zwischen ihren Ländern fest: In China geht der Krieg gegen die Bauern, Landarbeiter und Andersdenkende im Geheimen vonstatten, in Syrien tobt der offene Bürgerkrieg. Das Gewissen der gesamten Welt, so hoffen die Journalisten, müsse wachgerüttelt werden. In den Ländern selbst müsse das „Bewusstsein zur eigenen Unabhängigkeit gestärkt werden”.