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Düren: Training für den Ernstfall nach der Schule

Düren : Training für den Ernstfall nach der Schule

Die Schüler der Klasse 9a der Realschule Nord brüten über den Aufgaben, die auf einen Stapel Blätter geschrieben vor ihnen auf dem Tisch liegen. Politik-Lehrer Matthias Oberheu steht vor seinem Pult und beobachtet sie.

Die Pennäler schreiben jedoch nicht die letzte Klassenarbeit vor den Sommerferien. Vielmehr absolvieren sie die letzte Aufgabe am zweiten Tag ihres „Go for the Job”-Trainings. Es gilt 29 Seiten mit den verschiedensten Aufgaben zu bewältigen: Wie bei einem Bewerbungstest für eine Ausbildungsstelle gibt es Fragen zu den unterschiedlichsten Aufgabengebieten. „Was ist die Wasserpest?”, „Wer komponierte die Oper ,Aida?” oder aber auch „Was erfand Robert Watson-Watt?”.

Das „Go for the Job”-Training an der Schule ist einzigartig in Düren: An zweimal drei Tagen, verteilt auf die Schuljahre acht und neun, lernen die Realschüler alles zum Thema Bewerbungen. Dabei kooperiert die Schule eng mit Firmen aus Düren und der Umgebung.

Für die Schüler, die sich jetzt gerade mit dem Abschnitt „Mathematisches Denken” abmühen und viel zu lange Zahlenreihen addieren, subtrahieren oder dividieren müssen, haben diese Projekttage bereits vor ein paar Wochen begonnen: Im Deutsch- und Politikunterricht wurden Bewerbungsmappen erstellt und Gespräche geprobt.

In beiden Fächern behandelte jeweils eine ganze Unterrichtseinheit diese Themen. Zwei Wochen vor dem ersten Projekttag mussten die Schüler dann ihre Bewerbungsunterlagen bei den vorher ausgewählten Betrieben einreichen.

„So konnten sich die Leute aus den Firmen wie bei einem richtigen Bewerbungsgespäch auf unsere Schüler vorbereiten”, erklärt Martina Jordan, Lehrerin an der Realschule und zusammen mit Oberheu eine der Organisatoren der Aktion.

„Nach allgemeinen Informationen zum Thema und einem Assesment-Center-Training am ersten Job-Tag mussten die Schüler dann am zweiten Tag ein 45-minütiges Vorstellungsgespräch führen, unter realistischen Bedingungen.”

Am dritten Tag erfolgt eine intensive Nachbesprechung der Projekttage. Die Schüler korrigieren ihre Tests und erhalten Rückmeldungen zu ihren Bewerbungsgesprächen.

„Wir halten die Berufswahlorientierung für sehr wichtig”, erklärt Pia Fuchs-Dransfeld, Leiterin der Realschule. „Und je früher man damit beginnt, desto besser.” Ähnlich sehen es auch die Schüler:

„Privat hatte ich mich noch nicht viel mit dem Thema beschäftigt”, gibt der 15-jährige Patrick Michalowski zu. „Die Tage hier haben mir sehr geholfen. Jetzt weiß ich, worauf es bei einer Bewerbung ankommt.”

Yasemin Gül, ebenfalls 15, steht neben ihm und nickt: „Wir haben die Sache wirklich ernst genommen. Ich glaube, dass wir jetzt gegenüber andern Schülern im Vorteil sind.”

Konkrete Erfolge kann die Aktion auch schon vorweisen: „Im letzten Jahr hatten wir sechs Schüler die nach den Jobtagen eine Stelle in einem Betrieb bekommen haben, obwohl ihre Noten eigentlich nicht dafür ausgereicht hätten”, berichtet Martina Jordan.