Kleinhau: Trainieren, wo andere urlauben: Spitzen-Triathlet Fabian Rahn

Kleinhau: Trainieren, wo andere urlauben: Spitzen-Triathlet Fabian Rahn

Es ist eine Fußmatte, gelb, mit dunkler Schrift, die Fabian Rahn jeden Tag daran erinnert, wohin er möchte. Die Matte liegt gleich im Eingangsbereich seines neuen Hauses in Kleinhau, sie liegt vor der Treppe, die in die erste Etage führt. Auch das kann man, wenn man will, als besonderes Zeichen werten.

Fabian Rahn will nach oben.Hawaii steht auf der Fußmatte, außerdem eine Längenangabe: 15.000 Kilometer. Ein weiter Weg.

Fabian Rahn 2016 in Roth im Ziel. Der 32-Jährige errichte Platz 7 und lief seine bisherige Bestzeit: 8:20 Stunden. Das kleine Bild zeigt ihn in Kleinhau mit seinem Rennrad. Foto: Ingo Latotzki

Irgendwann hat seine Frau die Matte mitgebracht, erzählt er. Sie liegt nicht weit entfernt von ein paar Sportschuhen und einem Raum, in dem ein Fahrrad steht, für das man so viel bezahlt wie für einen Kleinwagen. Fabian Rahn, 32, ist Triathlet, Profi, in Deutschland gehört er zu den besten Acht. Seit ein paar Jahren wohnt er in Kleinhau, weil seine Frau aus dem Eifelörtchen kommt und „weil ich hier hervorragende Trainingsbedingungen habe“. Wenn Rahn sein Haus verlässt, hat er die Strecken vor sich liegen, zum Laufen und Radfahren, nur nicht zum Schwimmen. Das macht er im Dürener Jesuitenhof, im Sommer auch schon mal im Rursee.

Rahn sitzt diese Woche an seinem Küchentisch und fasst sich ans rechte Bein. Sein Oberschenkel ist verhärtet, deshalb muss er ein Fragezeichen hinter seinen Start morgen beim Dürener Stadtlauf setzen. „Ich würde da gerne mitmachen, zu Trainingszwecken“, sagt er. Für die zehn Kilometer würde er etwa 30 Minuten brauchen, eine mehr als passable Zeit, vor allem, weil es nicht seine gewohnte Strecke ist. Wenn er die Langdistanz eines Triathlons angeht, läuft er 42,195 Kilometer, einen Marathon, er schwimmt 3,86 Kilometer und fährt 180,2 Kilometer Rad.

19 Minuten hinter Hawaii-Sieger

Wie auf Hawaii. Die US-amerikanische Pazifikinsel steht für das Mekka des Triathlonsports, wer hier gewinnt, macht sich in der Branche unsterblich, zu vergleichen ist es mit einem Sieg in der Champions League im Fußball oder in Wimbledon im Tennis. Natürlich qualifizieren sich nur die Besten. Rahn will nächstes Jahr dabei sein, so sieht es sein persönlicher Masterplan vor. Seine bisherige Bestzeit liegt bei 8:20 Stunden, der Hawaii-Sieger 2017 brauchte 8:01 Stunden.

Rahn trainiert 18 bis 22 Stunden in der Woche, wenn er, wie bald wieder, auf Mallorca im Trainingslager ist, sind es auch schon mal 40 Stunden. Der Sport ist sein Beruf. Er hat einen Trainer und einen Manager. Aber vor allem hat er eine Leidenschaft: den Triathlon. „Ich liebe diesen Sport, auch, weil ich immer wieder testen möchte, was ich alles aus mir rausholen kann“, sagt er. Dabei hat er erst 2009 mit dem Triathlon begonnen.

Als Jugendlicher war er ein guter Fußballer. Er hatte sogar ein Angebot des Karlsruher SC, zuvor spielte er in einer badischen Auswahlmannschaft. Rahn kommt aus der Nähe von Pforzheim. Letztlich war es sein Vater, selbst ein guter Marathonläufer, der ihn zu seinem heutigen Sport brachte. Laufen, sagt Fabian Rahn, sei für ihn Freiheit, „meine Religion“.

Er schaut aus dem Wohnzimmerfenster hinaus in die Natur. Vor ihm Kleinhauer Feldwege und sanfte Anhöhen. „Ich kann da trainieren, wo andere Urlaub machen.“ Das könnte fast ein Werbeslogan für die Eifel sein. Rahn macht aber derzeit vor allem Werbung für namhafte Sportausstatter. Als Profi braucht er Sponsoren. Natürlich auch Prämien und Preisgelder.

„Eines Tages werde ich auf Hawaii die Ziellinie überqueren und ich freue mich auf den langen Weg bis zu diesem Moment.“ Das hat Fabian Rahn auf seiner Homepage stehen. Im Flur seines Hauses liegt die Fußmatte, die dazu passt. Vor der Treppe, die nach oben führt. 15.000 Kilometer bis Hawaii. Fabian Rahn ist unterwegs.

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