Kreis Düren: Totalausfälle bei der Ernte drohen nicht

Kreis Düren : Totalausfälle bei der Ernte drohen nicht

Angesichts der Trockenheit im April und Mai geht der Bauernverband in einigen Regionen Deutschlands bei der anstehenden Getreideernte von Ernteverlusten von 50 bis 60 Prozent aus. Der Präsident des Bauernverbandes, Joachim Rukwied, befürchtete am Wochenende in Interviews sogar existenzbedrohende Totalverluste bei einigen Landwirten.

Doch so dramatisch, wie es in weiten Teilen Nord- und Ostdeutschlands zu werden scheint, ist es im Kreis Düren nicht, erklärt der Vorsitzende der Kreisbauernschaft, Erich Gussen, auf Nachfrage. Zwar gab es auch an der Rur im April und Mai Wärmerekorde, aber eben auch den ein oder anderen Regenschauer und einzelne, zum Teil kräftige Gewitter.

„Sieht relativ gut aus“

„Es sieht bei uns noch relativ gut aus“, betont auch Pflanzenbauberater Jörg Klingenmaier von der Landwirtschaftskammer in Düren. Hohe Trockenheitsverluste befürchtet der Experte in der Summe nicht, die „leichten“, sprich sandigeren Böden, die das Wasser deutlich schlechter als die lösshaltigen Böden speichern können, einmal ausgenommen.

Fakt ist aber auch, dass die Ähren deutlich früher erntereif sind — trotz des langen Winters mit Frösten bis in den März hinein. „Der warme April hat für einen riesigen Vegetationssprung gesorgt“, berichtet Klingenmaier. So hat auch im Kreis Düren die Gerstenernte auf den nicht ganz so guten Böden bereits begonnen. Und auch der Weizen, der normalerweise Anfang/Mitte August gedroschen wird, dürfte diesmal früher dran sein. Erich Gussen rechnet damit, dass die Weizenernte bereits in zwei bis drei Wochen beginnen wird. „Wir bräuchten jetzt eigentlich einen ergiebigen Landregen“, betont Gussen.

Doch der ist in den kommenden Tagen nicht in Sicht, im Gegenteil: Mit Temperaturen bis zu 30 Grad nimmt der Sommer Richtung Wochenende einen neuen Anlauf. „Damit besteht natürlich die Gefahr, dass der Weizen zügig abreift“, erklärt Gussen. Dann könnte es auch noch zur Notreife kommen. Das heißt, dass das Getreide geerntet werden muss, ohne dass sich die Körner voll ausgebildet haben. Noch aber sind Erich Gussen und Jörg Klingenmaier zuversichtlich: „Wir rechnen in unserer Region weiter mit einer durchschnittlichen Getreideernte“, betont der Pflanzenbauberater.

Wie es mit anderen Feldfrüchten aussieht, bleibt abzuwarten, erklären die Experten. „Zuckerrüben, Erbsen und Kartoffeln bräuchten jetzt dringend Wasser“, erklärt Gussen. „Hier müssen wir die weitere Entwicklung einfach abwarten.“ Prinzipiell habe sich die Rübe trotz späterer Aussaat bislang gut entwickelt, betont Klingenmaier, zumal sie auch die Fähigkeit besitzt, nach längerer Trockenheit wieder reichlich Flüssigkeit aufzunehmen.

„Die Kartoffeln haben ebenfalls gut angesetzt“, berichtet Klingenmaier. Um unabhängiger vom Niederschlag zu werden, würden auch im Kreis Düren immer mehr Landwirte dazu übergehen, Kartoffelfelder zu bewässern. Dies sei zwar kostspieliger, sichere aber Ertrag und Qualität.

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