Düren: Tonnendorf am Stadtrand wird 75 Jahre alt

Düren: Tonnendorf am Stadtrand wird 75 Jahre alt

„Das Tonnendorf ist eine Gemeinschaft, in der vieles geht”. Pfarrer Josef Wolff lieferte prompt den Beweis für diese These, denn den Festgottesdienst zum 75-jährigen Bestehen der Stadtrandsiedlung Kerpener Straße zelebrierte er in der Doppelgarage der Familie Wess.

Rudolf Wess war über viele Jahre einer der „Motoren” in der Siedlung am östlichen Stadtrand, fast schon auf dem Gebiet der Gemeinde Merzenich. Im Jahr 1933 wurde die Siedlung mit 24 Häusern für kinderreiche Familien errichtet.

Der Festgottesdienst sollte unter freiem Himmel auf dem Wendehammer in der Kerpener Straße gefeiert werden. Doch der Regen zwang zur Improvisation. „Das erlebe ich auch nicht alle Tage”, kommentierte Pfarrer Josef Wolff den kurzfristigen Umzug.

Die Bewohner der Kerpener Straße und zahlreiche Gäste füllten die Doppelgarage, in der viele Fotos und Bilder an den „Bürgermeister vom Tonnedörp”, Rudolf Wess, erinnern, bis auf den letzten Platz.

Den Namen „Tonnedörp” verdankt die Siedlung den ausgedienten Heringsfässern, die in der Gründerzeit als Auffangbehälter für das Regenwasser unter die Rinnen gestellt wurden.

Gebaut wurde die Siedlung 1933 im Rahmen des Projektes „Vorstädtische Kleinsiedlungen” vom Reichsheimstättenwerk. Bestimmt waren die schlichten und schmucklosen Häuser „für Kinderreiche, Erwerbslose und Kurzarbeiter”.

Die Bauherren erhielten je 2500 Reichsmark Darlehen und Baumaterial holte man sich beim Abriss der ehemaligen Leinenweberei in der Nideggener Straße. Nachbarschaftshilfe wurde damals groß geschrieben. Die rund tausend Quadratmeter großen Parzellen ließen Viehhaltung und Eigenversorgung zu.

Die Kriegswirren überstand die Siedlung nicht ohne Verluste. Den härtesten Schlag erlitt sie gegen Ende des Krieges, als feindliche Bomber die in manchen Gärten aufgestellten Flugabwehrkanonen angriffen.

Im Haus Nr. 2 kamen acht Kinder ums Leben, die vorher noch auf der Straße spielten und Schutz suchten. Vor etwa 45 Jahren wurden die Häuser überschrieben.

Nach Abtragung einer Restschuld durften sich die Siedler nun Eigentümer nennen. Die Grundstücke allerdings wurden erst vor etwa 25 Jahren an die Siedler verkauft. Im Jahr 1999 wurde die Siedlung an das städtische Kanalnetz angeschlossen und die Straßendecke hergestellt.

Einzelne Häuser sind noch im Besitz von „Altsiedlern”, andere haben Kinder als „Neusiedler” übernommen. „Zusammenhalt wird noch immer groß geschrieben”, meint Josef Spies, der seit der Gründung im „Tonnedörp” wohnt. „Am Rande der Stadt und voll dabei...”

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