Tim Pröse liest in der Stadtbücherei aus dem Buch „Samstagabendhelden“

Lesung in der Stadtbücherei : Einblicke ins Leben von TV-Legenden

Gottschalk, Kulenkampff, Schöneberger – ein Mann kennt sie alle, die großen Stars der Fernseh-Unterhaltung: Tim Pröse, Autor und Journalist aus Essen. In der Stadtbücherei las er auf Einladung des Fördervereins aus seinem Buch „Samstagabendhelden“ und gab seltene Einblicke in das Leben von TV-Legenden.

Pröse (49) ist seit über drei Jahrzehnten Reporter, schrieb unter anderem für die Münchner Abendzeitung und den Focus und hat im Laufe seiner Karriere zahlreiche Prominente hautnah erlebt. „Über Jahre hinweg habe ich um Interviews gebeten und konnte viele Stars von früher treffen. Heute möchte ich ihnen nichts Altbekanntes erzählen, sondern die Seele der Leute näherbringen.“

Mit den Zuhörern begab sich Pröse auf Zeitreise. Vor jedem Kapitel spielte er kurz die Titelmelodien bekannter Sendungen ein, woraufhin die Gäste schon schmunzelnd erahnen konnten, um welchen Künstler es als nächstes gehen würde. In seinem neuen Buch porträtiert Pröse zahlreiche Entertainer und Schauspieler wie zum Beispiel „Winnetou“ Pierre Brice, den er als außergewöhnlichen Charakter beschreibt. Sein letztes Interview, kurz vor seinem Tod, gab Brice ihm auf seinem Landsitz in Paris. Dabei wurde Pröse Zeuge einiger berührender Momente, in denen Brice über ein Leben nach dem Tod sprach.

Vor sieben Jahren lernte er Barbara Schöneberger kennen, die ihr Privatleben normalerweise verborgen hält. Nichtsdestotrotz traf Pröse sie in ihrem Haus in Berlin und war beeindruckt von ihrer offenherzigen Ausstrahlung und Bodenständigkeit. Lustig wurde es, als Pröse erzählte, wie er sich mit dem „Quiz-Meister“ Hans-Joachim Kulenkampff verabredet hatte. Damals noch als Praktikant, kam es zu einem spontanen Interview mit dem Moderator, der bekanntermaßen gerne mal die Sendezeit überzog. „Kulenkampff war sehr bemüht, meiner Nervosität entgegenzuwirken. Dass er mich in Feinrippunterhose begrüßte und sich zwischendurch das Toupet vom Kopf riss, machte es aber nicht gerade leichter“, erinnerte sich Pröse.

Auch von einer Begegnung mit Thomas Gottschalk zeigte sich der Autor begeistert. Um herauszufinden, wie sich der blondgelockte „Wetten, Dass?“-Mann seine kindische, muntere Art über die Jahre hinweg bewahrt hat, fuhr Pröse in Gottschalks Heimatort Kulmbach. Dort zeigte „Tommi“ ihm sein Elternhaus, das er nach dem Tod seiner Eltern immer noch genauso bewahrt wie es war. Das und die friedliche Atmosphäre im beschaulichen Kulmbach habe wohl dazu beigetragen, dass Gottschalk an seinem Kindheitsidyll festhalte.

Sehr emotional schilderte Prösig ein Treffen mit Hape Kerkeling, der ihm aus seiner Kindheit und Jugend berichtete. Mit neun Jahren erlebte Kerkeling zuhause den Tod seiner depressiven Mutter mit. Pröse: „Vor Hape kann man nur größten Respekt haben. Wie kommt ein kleiner Junge mit dieser Vorgeschichte auf die Idee, Komiker zu werden?“

Im Laufe der Lesung kam eine nostalgische Stimmung auf, das angenehme Lesetempo sowie Pröses bildlicher und detaillierter Schreibstil kamen sehr gut an. Im Anschlussdialog wurde sich gemeinsam auch an andere „Helden“ von damals, wie zum Beispiel Loriot, erinnert. Auch diesen hat Pröse getroffen und widmete ihm in „Samstagabendhelden“ ein Kapitel.

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