Kreis Düren: Thomas Rachel erzählt an fünf Orten von seiner Vergangenheit

Kreis Düren: Thomas Rachel erzählt an fünf Orten von seiner Vergangenheit

Souverän und ohne sichtbare Nervosität fragt die 13-jährige Mia Ufer Thomas Rachel über das Hobby seiner Jugend aus. Es ist ihr erstes Interview — und vor laufender Kamera.

Später wird der medienerfahrene CDU-Bundestagsabgeordnete sagen, dass ihn die Souveränität der Schülerin nicht überrascht: „Ihre Entwicklung hat mit den Pferden zu tun. Menschen werden reifer, wenn sie mit diesen hochinteressanten Tieren arbeiten. Reiten ist auch deshalb ein toller Sport.“

Ungewohnte Situation: Der Bundestagsabgeordnete Thomas Rachel wird von der 13-jährigen Mia Ufer beim Dürener Reiterverein über sein Hobby aus der Jugendzeit ausgefragt. Foto: Rose/Kubat

Es ist nicht zu übersehen, dass es Thomas Rachel Spaß macht, über seine einstige Leidenschaft zu sprechen. Der 55-Jährige hat, bis er 16 war, beim Dürener Reiterverein voltigiert — wegen einer Allergie musste er aufhören. Das Gelände an der Kuhbrücke war eine von fünf Stationen, um im Wahlkampf etwas über den Menschen Thomas Rachel zu erfahren.

Die erste Station ist die Dürener Martin-Luther-Grundschule. Ein „lebendiger Schüler“ sei er gewesen, der schnell Interesse an der Kunst gefunden habe und viel für seine Noten tun musste. „Mir ist nichts in den Schoß gefallen“, sagt Rachel. Fußball war lange nicht im Sportunterricht oder in der Pause Priorität — es habe gedauert, bis er mitspielen durfte. „Dafür war ich im Völkerball immer richtig gut.“

Rachels Erinnerungen an die ersten Schuljahre sind eher blass, die ans Wirteltor-Gymnasium nicht — besonders der Religionsunterricht hat Rachel geprägt. „Ich bin zwar evangelisch, habe aber — bis ich nicht mehr durfte — am katholischen Unterricht teilgenommen. Die Themen, die mich interessiert haben, sind dort viel stärker behandelt worden.“

Der Glaube habe in seinem Leben schon immer eine Rolle gespielt, erzählt er bei der Evangelischen Gemeinde, der zweiten Station in Düren. Ihn empfängt Pfarrerin Vera Schellberg, Vorsitzende des Presbyteriums. Rachel ist seit 14 Jahren Bundesvorsitzender des Evangelischen Arbeitskreises (EAK) der CDU/CSU. Seine Vorgänger in diesem Amt waren unter anderem Bundespräsident Roman Herzog und Angela Merkel. Er ist zudem Mitglied des Rates der Evangelischen Kirche in Deutschland und nennt seine Haltung innerhalb der Kirche selbst „sehr liberal. Ich habe ein sehr offenes Gesellschaftsbild und bin für ein Miteinander der Religionen“.

Gleichwohl hat Rachel gegen die „Ehe für alle“ gestimmt. „Dabei“, versucht er einen Erklärungsversuch, „bin ich nicht gegen die Gleichstellung von hetero- und homosexuellen Paaren. Aber das schnelle Verfahren war dieser Diskussion nicht angemessen. Und ich bin der Meinung, dass der historische Begriff Ehe geschützt werden muss.“ Pfarrerin Schellberg möchte mit Rachel über die Flüchtlingspolitik sprechen.

Sie fürchtet eine Abschottung Europas nach außen und fordert gleichzeitig mehr Wohnraum, mehr Kindergartenplätze, mehr Arbeitsplätze. „Die Frage ‚Nehmen die Flüchtlinge uns etwas weg?‘ darf gar nicht erst aufkommen.“ Rachel hört genau zu, überlegt und betont dann, dass die Flüchtlings- und Migrationsproblematik kein rein deutsches sei. „Was wir brauchen“, sagt er, „ist eine europäische Lösung.“

Politische und Glaubensfragen spielen beim Dürener Reiterverein an der Kuhbrücke, der dritten Station, keine Rolle mehr — dafür die nach der Gesundheit. Rachel muss in Stallnähe kurz husten. Allergie. Der Grund, warum er nach etwa zehn Jahren mit etwas aufhören musste, „was mir viel Freude bereitet hat“. Rachels Vater war Reitsportler, er hat ihn an die Pferde herangeführt, einmal die Woche nahm er Reitstunden.

Ein eigenes Pferd hatte er nie, wahrscheinlich auch, weil „ein Pferd wie ein kleines Kind ein 24-Stunden-Job“ sei. Ein paar Plaketten habe er auf Turnieren gesammelt und, wenn immer es nötig war, im Stall und im Vereinsheim mitgeholfen. „Die Beziehung zu den Pferden hat mir später gefehlt, aber ich konnte die Tiere ja noch sehen, weil ich als Ersatz nebenan bei Rot-Weiß Düren Tennis gespielt habe.“ Seine Allergie hat Rachel einen CHIO-Besuch in Aachen immer verwehrt, auch Dürener Reitsportveranstaltungen könne er sich deswegen höchstens eine halbe Stunde ansehen.

Nächster Halt: Forschungszentrum Jülich (FZJ), „mein zweites Zuhause“, sagt der Parlamentarischen Staatssekretär im Bildungs- und Forschungsministerium, denn er ist oft dort. Berlin würde er übrigens nie als zweite Heimat bezeichnen, obwohl er dort noch häufiger ist. Er bekomme im Grunde nur etwas von der Stadt mit, wenn er mit Besuchern unterwegs sei.

Zurück zum FZJ, das eine „Riesenchance für den Kreis Düren und Studenten sei“, und da das Stichwort Studium fällt: Wie war Rachels Studentenleben in Bonn? „Kärglich“, sagt er. Er habe in einem „kleinen Zimmerchen“ gewohnt, viel Konserven-Mahlzeiten gehabt. Ein ganz normaler Student eben, mit einem „ziemlich sehr guten Abschluss“ in Politikwissenschaft, Geschichte und Staatsrecht, der ihn direkt ins Berufsleben gehievt hat. Rachels erste Station war ein Wirtschaftsverband. „Ich habe manches aus dem Studium nutzen können — Vieles aber nicht, wie es eben üblich ist bei manchen Studiengängen.“

Es ist ein heißer Sommertag, Rachel macht die Hitze aber nicht viel aus. Erst vor kurzem war der Vater einer Tochter, die gerade Abitur gemacht hat und demnächst in München Betriebswirtschaftslehre studieren will, mit seiner Familie in Griechenland in Urlaub.

Griechenland, genauer gesagt Athen, ist die Heimat seiner Frau, weswegen wir zum Abschluss unserer Tour auch Station in einem griechischen Restaurant machen. „Zum Glück für unsere ganze Familie“, sagt Rachel lachend, „kocht meine Frau — und das auch sehr gerne griechisch.“ Bei einer leckeren Moussaka, also einem Auflauf mit Gehacktes, Tomaten, Kartoffeln und Auberginen, sagt der Staatssekretär nicht nein. Abgesehen davon mag er besonders die Freundlichkeit und Gelassenheit der Griechen.

„Im Griechenland-Urlaub kann ich abschalten. Wenn wir mit dem Dampfer in Piräus ablegen und ich aufs Meer schaue, lasse ich alles hinter mir. Außerdem treffen wir immer viele Freunde und Familienmitglieder.“ Seine Frau hat Rachel bei einer Geburtstagsfeier während des Studiums kennengelernt.

Sie ist es auch, der er gerne die Urlaubsplanung überlässt, weil sie immer Orte heraussuchen würde, die ausländische Touristen nicht kennen würden. Im Urlaub hat Lia Rachel ihrem Mann ein kleines Armband mit dem Nazar-Amulett geschenkt. Er trägt es am rechten Handgelenk. „Manche nennen das Symbol auch ‚Auge der Fatima‘. Es soll vor dem bösen Blick schützen“, erklärt der Politiker. „Ich trage es, solange es mir Freude macht.“

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