Düren: Thomas-Morus-Haus wird 50: Darfs etwas mehr als Bespaßung sein?

Düren: Thomas-Morus-Haus wird 50: Darfs etwas mehr als Bespaßung sein?

Mit Töpferkursen kann Wolfgang Bauer keinen Blumentopf mehr gewinnen. Das mag vor 50 Jahren, als der Vorgängerbau des Thomas-Morus-Hauses seine Pforten öffnete, anders gewesen sein. Doch die Zeiten ändern sich - und mit ihnen das Angebot der Offenen Jugendarbeit.

Bauer kann davon ein Lied singen. Der 54-Jährige ist ein Stück weit im und mit dem Thomas-Morus-Haus groß geworden. Erst als Besucher, seit 1982 als Leiter der Einrichtung. 1985 wurde der Neubau des Hauses eingeweiht.

Erfolgreiche Verschwörer

Die Geschichte beginnt mit einer Verschwörung im Grüngürtel. Die Jugendlichen der Pfarre St. Antonius und der damalige Kaplan heckten die Pläne für ein Jugendheim aus, gründeten einen Trägerverein und stellten Pfarrer und Kirchenvorstand vor vollendete Tatsachen. 1961 wurde das Thomas-Morus-Haus, damals noch an der Blücherstraße gelegen, eingeweiht.

War die Jugendarbeit früher oft eine Domäne der kirchlichen Vereinigungen, stand das neue Haus an manchen Tagen für alle Jugendlichen offen. „Das war fast einmalig im Land”, resümiert Bauer. Es war eine kleine Revolution. Einige Herren aus dem Pfarrgemeinderat schauten zu Beginn dabei zu, wie Jugendliche Kicker spielten. „Dieses Bild steckt bis heute in den Köpfen”, sagt Bauer.

Doch die Jugendarbeit professionalisierte sich schnell, 1981 übernahmen in der Stadt hauptamtliche Pädagogen die Leitung der Einrichtungen - flankiert von Ehrenamtlern und Honorarkräften. „Da auch die Probleme wuchsen, wurde geschultes Personal benötigt”, blickt Bauer zurück. Jedes Jahrzehnt brachte seine Herausforderungen mit sich.

In den 80er Jahren waren es besonders Fragen der Jugendarbeitslosigkeit, auf die die Pädagogen eine Antwort finden mussten. Ob Bewerbungstraining oder die Vermittlung in Betriebe: Jugendarbeit war damals wie heute Beziehungsarbeit, sagt Bauer. Die Pädagogen waren Ansprechpartner, Ratgeber - und manchmal auch die Menschen, die den Frust abbekamen.

In den 90er Jahren nahm die Drogenproblematik zu, mit ihr stand die Kriminalisierung auf der Tagesordnung. „Damals waren wir naiv. Wir dachten, mit ein paar schönen Angeboten das Problem angehen zu können”, sagt Bauer. „Wir hätten frühzeitig klare Grenzen ziehen müssen, so wie heute.” Auch gab es kaum weiterführende Hilfsangebote. Die Vernetzung mit anderen Einrichtungen und Trägern der Jugendarbeit zähle heute zur Grundlage der Arbeit. Mischt man eine aufkeimende rechte Szene in der Stadt und die Integration von Migranten hinzu, ergibt dies für Bauer und seine Kollegen die Aufgaben von Gegenwart und Zukunft.

„Jugendarbeit ist die dritte Erziehungsinstanz neben Elternhaus und Schule” ist Wolfgang Bauer überzeugt, dass in jeder Jugendeinrichtung nicht nur Kinder und Jugendliche bespaßt werden, sondern Präventionsarbeit geleistet wird. Kopfschmerzen bereiten ihm daher die Kürzungspläne der Stadt für den Etat der Offenen Jugendarbeit. „Wir wollen die Kinder nicht der Straße überlassen”, betont Bauer. Gerade, weil in immer mehr Familien immer weniger Erziehungsarbeit stattfinde, gewinne die Jugendarbeit an Bedeutung.

„Wir sind Bezugsperson und Ansprechpartner. Wir sind auch Personen, an denen sie ihre Grenzen austesten - und wir gehen die daraus resultierenden Konflikte ein”, betont Bauer. Halb im Scherz wurde die Arbeit im Grüngürtel manchmal auch als Einsatz an der „Ostfront” bezeichnet.

50 Jahre Thomas-Morus-Haus bedeuten für Bauer fünf Jahrzehnte Verlässlichkeit für Eltern, die wissen, wohin sie ihre Kinder schicken können, damit diese Freizeit und Ferien sinnvoll verbringen können. „Wir helfen den Kindern auch, Talente zu entdecken und diese zu fördern”, sagt der Pädagoge. Sei es in der Theatergruppe, bei der Projektarbeit oder im Kinderfilmclub. Bei der ehrenamtlichen Mitarbeit übernähmen zudem viele Jugendliche selbst Verantwortung und probierten sich aus. Und ja, manchmal werde auch heute noch Kicker gespielt.

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