Tagebau-Hambach-Vision: Photovoltaikanlage mit Wasserstoffproduktion

Vision für den Strukturwandel : Der Tagebau als Basis für ein Sonnenkraftwerk

Der Tagebau Hambach dient der Energiegewinnung – und wenn es nach dem Diplom-Ingenieur Hans-Jürgen Seeberger geht, soll das auch über 2038 hinaus so bleiben. Seeberger ist keiner, der die Zeit der Braunkohle verlängern will. Im Gegenteil Seeberger hat eine andere Idee, eine Vision, wie er es nennt.

Es ist ein Vorschlag, die Kontroversen erzeugen wird, ein Vorschlag mit vielen „Abers“. Doch Hans-Jürgen Seeberger versteht ihn als Initialzündung, als Basis zum Weiterdenken. Und er denkt in ziemlich großen Dimensionen.Hans-Jürgen Seeberger hat 1973 am Wirteltorgymnasium Abitur gemacht, Elektrotechnik studiert und hat seinen Lebensmittelpunkt mittlerweile in Süddeutschland.

Zum Klassentreffen war er aber wieder in der Heimat, sein ehemaliger Jahrgang hat den Tagebau besucht. Dann hat er zu Hause nachgedacht – über die Energiewende, den Tagebau und dessen Nachfolge. Und nun schmeißt er seine Idee mit in die Debatte über den Strukturwandel.

Er schlägt vor, in Teilen des Tagebaus oder beinahe im ganzen ein Solarkraftwerk zu bauen, eine große Photovoltaikanlage, die sich wie eine Kette entlang der Böschung zieht oder wie eine gigantische Schüssel 150 Meter in die Erde hineinragt. Also ein bisschen so wie das Radioteleskop aus dem legendären James-Bond-Film „Golden Eye“. Nur größer.

So skizziert Hans-Jürgen Seeberger seine Vision eines Photovoltaikkraftwerkes im Tagebau Hambach. Foto: Hans-Jürgen Seeberger

Und hier wird das erste große „Aber“ laut, denn das Loch soll ja mal ein See werden. Auch zum teilweisen Auffüllen müsste die Sophienhöhe wieder abgetragen werden – was niemand will –, und selbst das würde nicht reichen, weil die Kohle ja fehlt. Aber genau wegen dieser „Abers“ nennt Seeberger seine Projektskizze ja auch die Hambach-Vision, eine Idee, der noch keine statischen Berechnungen (etwa ein Kraftwerk auf Stelzen) und Machbarkeitsstudien zugrunde liegen.

„Es bedarf auch Visionen“, kommentiert Niederziers Bürgermeister Hermann Heuser den ungewöhnlichen Vorschlag. Denn derzeit gehe es darum, Ideen und Visionen zu sammeln. „Dafür sind wir dankbar – und dann müssen wir weitersehen, was machbar ist.“ Derzeit sei man dabei, einen Planungsprozess für den Masterplan „Umfeldgestaltung“ zu starten, in dem Ideen immer willkommen seien und bei in den in Workshops bald auch die Ideen der Bürger aus den Anrainerkommunen abgefragt werden sollen. Den prinzipiellen Gedanken der Einbindung erneuerbaren Energien in die Tagebaunachfolge findet Heuser gut, „denn diese Energien brauchen wir“.

Und das ist auch eine Grundlage von Hans-Jürgen Seebergers Vision, der mit seinem Sonnenkraftwerk auch den Blick auf Schaffung von Arbeitsplätzen lenkt – und die Region mit Fachhochschule, Forschungszentrum und RWTH als besonders geeignet sieht, um eine solche Großanlage zu entwickeln und zu realisieren. Nach seiner Vision könnte die „Photovoltaikschüssel“ einen Durchmesser von bis zu fünf Kilometern haben und sozusagen aus mehreren kuchenstückförmigen Einzelkraftwerken bestehen. Zum Vergleich: Das größte Radioteleskop der Welt steht in China und hat einen Durchmesser von 500 Metern.

Sonnenenergie – die bei gutem Wetter anfällt, aber nicht gebraucht wird – könnte Grund- und Niederschlagswasser zerlegen und so Wasserstoff produzieren. „Dieser wiederum könnte als Antriebsenergie der Zukunft eingesetzt werden, also etwa in Bussen, und in einem Brennstoffzellenkraftwerk wieder in elektrische Energie gewandelt werden, wenn sie gebraucht wird.“

Die mögliche Leistung einer Photovoltaikschüssel mit einem Radius von 1,5 Kilometern beziffert Seeberger auf 1,1 Millionen Kilowattstunden, bei einem Radius von 2,5 Kilometern auf 3,1 Millionen Kilowattstunden.

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