Tagebau Hambach: RWE verschiebt Abriss der ersten Häuser in Morschenich

Umsiedlungsort Morschenich : Abriss der ersten Häuser verschiebt sich „um wenige Monate“

Eigentlich sollte im März der Abriss der ersten 30 Häuser in Morschenich beginnen. Jetzt hat RWE den Rückbau der Häuser „um wenige Monate“ verschoben, wie Sprecher Guido Steffen auf Nachfrage erklärte.

Hintergrund sei die Tatsache, dass sich der Tagebaufortschritt auch aufgrund der aktuellen Diskussion um die Zukunft des Hambacher Forstes verschieben werde und somit mehr Zeit für den Abriss der Häuser zur Verfügung stehe.

Am Mittwoch hatte der Energiekonzern einen Rodungsstopp bis 2020 des Hambacher Forstes zugesagt. Gleichwohl hält der Konzern an den Umsiedlungsplänen für Morschenich fest: Der Ankauf der Grundstücke, die noch nicht angekauft wurden, werde fortgesetzt.

Mit der zeitlichen Verschiebung will RWE auch einen Beitrag zur „Befriedung der Gesamtsituation“ leisten und nach eigenen Angaben die  Sicherheitslage für die wenigen noch in Morschenich wohnenden Menschen verbessern. Gleichzeitig erwartet der Energiekonzern aber auch, dass es keinen weiteren Vandalismus und keine Hausbesetzungen im Umfeld des Dorfes gibt.

Die Vorbereitungen für den Abriss der ersten 30 Häuser in der Umgebung des Sportplatzes sind allerdings schon abgeschlossen. Vor Beginn der Schutzzeit für Tiere sind Bäume gefällt, Hecken und Büsche entfernt worden. Wenn man vom Sportplatz auf die Häuserzeilen des Umsiedlungsortes blickt, stellt sich ein beklemmendes Gefühl ein –  selbst für Menschen, die keine emotionale Bindung zu Morschenich haben.

Hoffen auf Erhalt der Kirche

Vom Sportplatz aus gibt es jetzt freie Sicht auf den nächsten Straßenzug. Dort, wo mal Gärten mit Bäumen, Büschen und Blumen waren, stehen nur noch Stümpfe, während in Morschenich-Neu junge Pflanzen gerade anwachsen. Im Altort steht ein Spielhäuschen verlassen da, Betonplatten von Terrassen und Wegen sind schon zu Schutthaufen aufgestapelt, in einer Ecke stapeln sich Maschendraht und Zaunpfähle samt Betonfundamenten, das Dach eines Carports liegt auf der Erde. In einem Vorgarten bringen lila Krokusse einen Farbtupfer in Tristesse.

Jetzt wird also noch einige Zeit vergehen, bis sich das Bild erneut verändert und die Abrissbagger anrücken. RWE-Sprecher Steffen sagt aber auch, dass der Rückbau des Ortes weiterhin erforderlich ist, zumal die Bausubstanz bereits beeinträchtigt sei: Die ersten Gebäude sind bereits entkernt und Hausanschlüsse entfernt worden. In vielen Kellern steht zudem das Grundwasser, weil die Pumpen längst vom Stromnetz genommen worden sind.

Vor der Schutzzeit wurden etliche Bäume gefällt: Die Gärten im Alt-Ort sehen wüst aus. Foto: ZVA/Sarah Maria Berners

Ob die Kohle unter Morschenich abgebaggert wird, ist nach den Empfehlungen der Kohlekommission nach wie vor unklar. Wenn der Hambacher Forst, oder ein erheblicher Teil davon bleibt, könnte auch der Bereich des heutigen Ortes bleiben. Das Dorf aber wird irgendwann Geschichte sein. Davon gehen derzeit alle aus. Und die Umsiedlung nach Morschenich-Neu geht Stück für Stück weiter, die Bauarbeiten an der neuen Kita sind angelaufen. „Die Umsiedlung ist nicht zu stoppen“, sagt  Merzenichs Bürgermeister Gelhausen (CDU) mit Blick auf die Entwicklungen. Wer durch Morschenich Alt und Neu fährt, kann das sehen.

Wenn die Kohle unter dem Alt-Ort doch nicht mehr abgebaggert werden sollte, haben viele Morschenicher eine Hoffnung: Vielleicht könnte dann zumindest die Kirche als Erinnerung an das alte Dorf erhalten bleiben. Doch für Pläne in diese Richtung und für eventuell übrig bleibende Siedlungsflächen im Alt-Ort braucht es Gewissheit.

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