Tag der Tafeln Deutschland: Ursula Schober berichtet aus Langerwehe

Deutscher Tafeltag : Spenden gibt es viele, haltbare Lebensmittel aber sind rar

Anlässlich des Deutschen Tafeltages berichtet Ursula Schober aus Langerwehe über ihr Engagement, den Umgang mit Lebensmitteln und den Kampf gegen Armut in Deutschland.

Die Zahlen sprechen für sich: Der Verein Langerweher Tafel hat rund 160 Mitglieder und fast genauso viele Kundenkarten an bedürftige Menschen und Familien in Inden und Langerwehe verteilt. Damit können sich 405 Personen mit Lebensmitteln versorgen, davon sind 120 Kinder und Jugendliche. Heute ist bundesweit der Tag der Tafeln, in Langerwehe, Düren und im Oktober in Jülich (siehe Themeninfo) gibt es entsprechende Aktionen.

„Für mich war klar“, sagt Ursula Schober, „dass ich nach meiner Pensionierung der Gesellschaft etwas zurückgeben wollte. Und ich wollte das in meinem Heimatort tun. Damals gab es in Langerwehe eine Zukunftswerkstatt, bei der unter anderem der Wunsch nach einer Tafel deutlich geworden ist. 2012 haben wir den Verein gegründet, wenig später gab es in der Kulturhalle die erste Lebensmittelausgabe.“

Seit gut einem Jahr hat die Langerweher Tafel ihre Räume an der Luchemer Straße bezogen. Zweimal in der Woche können die Kunden dort nach einem genau geregelten System Lebensmittel bekommen. Ursula Schober: „Jeder darf sich einmal in der Woche Lebensmittel bei uns holen. Es werden bestimmte Zeiten zugewiesen, die aber von Woche zu Woche wechseln, damit jeder einmal als erster dran kommt.“

Denn natürlich ist eine Tafel kein Supermarkt und natürlich gibt es nur die Lebensmittel, die Ursula Schober und die 70 ehrenamtlichen Helfern gespendet bekommen. „Das vergessen unsere Kunden manchmal“, sagt Schober. „Und dann kommt es auch schon einmal zu Diskussionen, weil unbedingt alle den einen, bestimmten Jogurt haben wollen. Aber das ist wirklich die große Ausnahme. In der Regel funktioniert bei uns wirklich alles sehr gut.“ Auch während der Flüchtlingskrise habe es kaum Schwierigkeiten gegeben. „Es war etwas problematisch, weil wir plötzliche so viel mehr Kunden und große Verständigungsprobleme hatten. Das haben wir aber sehr schnell in den Griff bekommen.“

Engagement erweitert ihren Gesichtskreis

Ursula Schober macht die Arbeit bei der Tafel großen Spaß. „Mir gefällt die Arbeit mit Menschen, mir gefällt aber auch die neue Herausforderung. In betriebswirtschaftliche Abläufe musste ich mich natürlich erst einarbeiten.“ Das Engagement bei der Tafel bedeutet aber natürlich noch ungleich mehr. „Die Menschen, die zu uns kommen“, sagt Ursula Schober, „wollen nicht nur Lebensmittel. Sie suchen auch das Gespräch.“ Ihr Engagement bei der Tafel, ergänzt die 69-Jährige, habe ihren Gesichtskreis vor Ort in Langerwehe enorm erweitert. „Ich habe Menschen kennengelernt, die ich sonst vielleicht nie getroffen hätte“, sagt sie. „Und ich beschäftige mich mit Dingen, die vorher kaum ein Thema für mich waren.“

Der Umgang mit Lebensmitteln, Sinn und Unsinn von Mindesthaltbarkeitsdaten, aber auch der Umgang mit Armut in unserer Gesellschaft beschäftigen Schober sehr. „Wir hören häufiger den Vorwurf, dass es in einem reichen Land wie Deutschland keine Tafeln geben dürfte.“ Und weil das grundsätzlich richtig sei, betont Schober, engagiere sich auch der Bundesverband der Tafeln in der paritätischen Wohlfahrtpflege. „Wir haben dort auch Einfluss“, sagt Schober. „Aber es dauert eben, bis sich politisch und gesellschaftlich etwas ändert.

Die Tafeln vor Ort leisten dringend notwendige Soforthilfe.“ Zum Deutschen Tafeltag hat Ursula Schober ganz aktuell einen Wunsch. „Wir bekommen sicherlich ausreichend Lebensmitelspenden“, sagt sie. „Aber ein wenig knapp sind haltbare Sachen wie Mehl, Zucker, Nudeln und Reis. Die brauchen wir im Moment.“

www.langerwehe-tafel.de