SWD Powervolleys: Außenangreifer Lucas Coleman über seine Verletzung

Serie zur Fastenzeit : Wenn ein Profisportler zum Nichtstun verdammt ist

Mehr als drei Wochen ohne Sport? Lucas Coleman kann sich nicht erinnern, dass es so etwas in seinem Leben schon einmal gegeben hat. „Ich bin irgendwie immer in Bewegung. Ein Leben ohne Sport gibt es für mich nicht.“ Bis zum vergangenen November. Da hat sich der Außenangreifer der SWD Powervolleys verletzt und musste an der Hüfte operiert werden. Mehr als drei Monate konnte er danach absolut keinen Sport machen.

Erst seit wenigen Wochen kann er wieder ganz normal trainieren. „Ich habe, seitdem ich zwölf Jahre alt bin, den Traum, Profi-Volleyballer zu werden“, erzählt der 24-jährige Kanadier. „Und seitdem arbeite ich eigentlich auch auf dieses Ziel hin. Diese Verletzung und vor allem die damit verbundene Zwangspause waren sehr hart für mich. Echt schlimm.“

„Verzichten – na und?“ ist der Titel unserer Serie zur Fastenzeit, und verzichten musste Lucas Coleman eben auch, jedoch alles andere als freiwillig. Er musste mehr als zwölf Wochen auf das verzichten, was er am allerliebsten macht: Volleyball spielen.

„Düren“, erzählt Coleman, „ist meine erste Profistation im Ausland. Auch davon habe ich immer geträumt. Dass ich plötzlich volleyballmäßig nichts mehr machen, der Mannschaft nicht mehr helfen konnte, hat mich wirklich getroffen. Es war ein absolut erdrückendes Gefühl.“ Darüber hinaus, ergänzt der junge Mann, sei es ihm sehr schwer gefallen, in dieser Situation so weit weg von zu Hause zu sein. „Eltern, Freunde – es gab niemanden, der mal kurz vorbeikommen konnte. Und ich hatte nicht wirklich etwas zu tun. Mir ist echt die Decke auf den Kopf gefallen. Zum Glück konnte meine Freundin aus Kanada eine Zeitlang nach Düren kommen. Das hat mir schon sehr geholfen.“

Außerdem sei es gut gewesen, dass er von Anfang an gewusst habe, dass seine Verletzung auf jeden Fall heilbar sei. „Und zwar komplett. Ich wusste, dass das deutsche Gesundheitssystem sehr gut ist. Und die Ärzte in Bonn haben mir auch von Anfang an gesagt, dass alles wieder absolut und zu 100 Prozent in Ordnung kommt. Das hat mir natürlich auch sehr geholfen.“

Viel Zeit mit der Mannschaft

Vor diesem Hintergrund sei es von Vorteil gewesen, ergänzt Coleman, dass er sich gerade jetzt verletzt habe. „Der Verein“, sagt er, „hat mich sehr unterstützt. Ich weiß von anderen Volleyball-Profis, die nach einer vergleichbaren Verletzung sofort nach Hause geschickt worden sind. Das war bei den Powervolleys zum Glück nicht so. Anja Zehbe, die uns ja in Gesundheitsfragen betreut, und Jaromir Zachrich haben mir enorm geholfen.“

Auch während seiner Zwangspause hat Lucas Coleman versucht, so oft wie möglich beim Training zuzugucken. „Ich wollte einfach viel Zeit mit meiner Mannschaft verbringen. Aber es war wirklich bitter, nicht mitmachen zu dürfen.“ Klar, dass Coleman sehr froh ist, endlich wieder trainieren zu können. „Es war schon ein sehr komisches Gefühl“, erinnert er sich an sein erstes Training in der Arena nach der Verletzung. „Natürlich war nicht alles so flüssig wie früher, aber viele Dinge haben noch funktioniert. Und ich habe mich sofort wieder als vollwertiger Teil der Mannschaft gefühlt. Das war toll.“

Dass er mehr als drei Monate nicht einsatzfähig war, ist nicht nur für Colemans Persönlichkeit schwer zu verkraften gewesen, sondern könnte – zumindest kurzfristig – auch für seine Karriere ein Problem sein. „Natürlich ist es gerade auch für einen jungen Spieler wie mich wichtig, sich zu präsentieren, gesehen zu werden. Dass das gerade nicht geht, kann ich jetzt nicht ändern.“ Überhaupt denke er noch nicht an die kommende Saison und seine Zukunft. „Ich denke an die Play-offs und daran, dass ich dann wieder total fit bin. Dann bekomme ich hoffentlich Spielanteile und kann der Mannschaft und dem Verein helfen und auch etwas von dem zurückgeben, was sie in den vergangenen Monaten für mich getan haben.“

Übrigens hat Lucas Coleman sich bewusst noch nie etwas für die Fastenzeit vorgenommen. „Dieses Jahr aber schon. Ich möchte mehr lesen. Und ich möchte häufiger daran denken, dass ich trotz der Verletzung auch sehr viel Glück gehabt habe. Weil der Verein immer hinter mir stand, weil die Mannschaft mich unterstützt hat, weil die Ärzte sehr gute Arbeit gemacht haben. Das ist nicht selbstverständlich.“

Mehr von Aachener Zeitung