Düren: Stürmisch-melancholischer Wohlfühlabend mit „Into the Blue“

Düren: Stürmisch-melancholischer Wohlfühlabend mit „Into the Blue“

Die Erwartungen waren groß und wurden nicht enttäuscht beim Auftritt des Quintetts „Into the Blue“ im Foyer der Evangelischen Gemeinde. Selten war der Saal so gut gefüllt wie beim Gastspiel der fünf Jazz-Musiker, die eine musikalische Mischung aus exorbitanten Gewürzen präsentierten.

Altes wurde gnadenlos aufpoliert auf Zeitgeschmack, ohne aber traditionelle Elemente zu vernachlässigen; eine „Noten-Legierung“, die an den Soul der 60er Jahre erinnert, und nun zu einer groovenden Zusammensetzung aus Souljazz und Post-Bop wurde.

Der Abend wurde zu einer gelungenen Gratwanderung zwischen den Strömungen von einst und modernen Ansichten. Da stand eine Band nahe beim Publikum, die nicht als „Revival“ agierte, sondern eigene Kompositionen aus den Federn von Martin Sasse und Marcus Barthelt spielte. Eine nicht alltägliche Besetzung mit Gitarre, Baritonsaxofon und Orgel machte Stimmung und Laune gegen den vielleicht antanzenden „November-Blues“ mit klassischen Anleihen und in der Tradition eines George Benson oder Jimmy Smith.

Geradlinige Kompositionen ohne Schnörkel und Musiker, die mit Soli glänzten und denen man die Spielfreude anmerkte. Sie übertrugen ihre Energie auf die Zuhörer, die fasziniert lauschten, wenn Marcus Barthelt sein Baritonsaxofon verblüffend leichtgängig erklingen ließ oder die besinnliche und coole Seite seines Instruments zeigte. Dass Martin Sasse eigentlich ein hervorragender Jazz-Pianist ist, kann er auch bei seinem Orgelspiel nicht leugnen. Eindringlich zwischen schrill und sanft war seine Begleitung, die sich im Solo und bei seinen virtuosen Improvisationen zu einem eher pianistischen Stil wandelte.

Viel Beifall gab es für den Gitarristen Johannes Behr, nicht nur wegen seines Spiels, sondern weil er den Auftritt nicht abgesagt hatte, obwohl erst gegen Mittag aus Sao Paulo kommend auf dem Frankfurter Flughafen gelandet war. Mit flinken und geschmeidigen Fingern glitt er über das Griffbrett, erzeugte mit klassischer Grifftechnik wundervolle Begleitakkorde und gefühlvolle Läufe, paarte Pulsierendes mit ruhigen Elementen.

Eindrucksvoll und ausdrucksstark am Bass war mit seinen intensiven Soli Markus Schieferdecker, der ebenso wie der Schlagzeuger Silvio Morger für einen zugkräftigen Rhythmus sorgte, der wie ein eng anliegendes Korsett zu den ausgewählten Stücken passte, aber dennoch nicht so eng geschnürt war, als dass musikalische wie schöpferische Freiheiten nicht ausgelebt werden konnten.

Fazit: Ein toller herbstlicher Jazzabend in der Reihe „Planet Jazz“ — stürmisch, melancholisch, wohltuend, eingehüllt in eine warme musikalische Wohlfühl-Decke.

(han)
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