Strukturwandel in Düren: B399n würde neues Stadtquartier erschließen

Strukturwandel in Düren : Nordumgehung als Türöffner für ein neues Stadtquartier

Während die Ostumgehung (B56n) bis Ende 2020 fertiggestellt sein soll, fristete das zweite große Verkehrsprojekt zur Entlastung der Innenstadt in den vergangenen Jahren eher ein Mauerblümchendasein: die Nordumgehung (B399n) zwischen dem Ortseingang Gürzenich (B264) und der Kreuzung B56/Eisenbahnstraße.

Zwar steht das 31,2-Millionen-Euro-Vorhaben im Bundesverkehrswegeplan 2030 in der Kategorie „Vordringlicher Bedarf“, doch das war beim Vorgängerplan nicht anders. Und dennoch könnte jetzt Bewegung in den Bau der 4,6 Kilometer langen Tangente kommen.

Der Dürener Wirtschaftsförderung Win.DN ist es gelungen, die B399n auf den letzten Drücker noch im Abschlussbericht der Kohlekommission unterzubringen, denn sie ist nicht nur eine weitere wichtige Verkehrsmaßnahme zur Verringerung der Stickstoffdioxidbelastung in Düren, „sondern auch für den Strukturwandel und die damit verbundene Schaffung neuer Arbeitsplätze eminent wichtig“, betont Dürens Kämmerer und Wirtschaftsförderer Thomas Hissel.  Daher gehört sie sogar zu den Sofortmaßnahmen, die nach Ansicht der Kohlekommission noch bis 2021 auf den Weg gebracht werden sollen.

Der Grund liegt auf der Hand: Vom Bau der Nordumgehung hängt ganz entscheidend die Erschließung von Wohn-, Gewerbe- und Industrieflächen im Dürener Nordwesten ab. Da ist zum einen das in weiten Teilen suboptimal genutzte, beziehungsweise brachliegende 30 Hektar große Areal von der ehemaligen Zuckerfabrik bis hin zum Glashüttengelände zwischen der Paradies- und der Rurstraße.

Zum anderen könnten gewerbliche Reserveflächen entlang der Rur im Bereich Anker Teppiche/Reflex Papierfabrik aktiviert werden, ohne dass sich der zusätzliche Verkehr durch Birkesdorf quälen müsste, was undenkbar ist. „Die Flächen haben aufgrund der Nähe zur Rur und zur Innenstadt eine hohe räumliche Qualität“, spricht Hissel von einem idealen Wohn- und Gewerbestandort, beispielsweise im Bereich privater Dienstleistungen wie sein Wirtschaftsförderungskollege Winfried Kranz-Pitre ergänzt. Allerdings, und das wollen die Win.DN-Experten nicht verschweigen: Bei der Erschließung müssten Altlasten entsorgt und zum Teil denkmalgeschützte Gebäude integriert werden.

Mit dem Gelände an der Henry-Ford-Straße, zwischen Neapco und Miesheimer Weg, will sich die Stadt Düren um die Ansiedlung einer Batteriezellenfertigung für E-Fahrzeuge bemühen. Foto: ZVA/Jörg Abels

Was die Finanzierung der Nordumgehung betrifft, wäre die Stadt gewappnet. Seit Jahren stehen Mittel für den von der Stadt zu tragenden innerörtlichen Ausbau  im Haushalt bereit und werden regelmäßig ins nächste Jahr verschoben. Planerisch müssten nur noch Details geklärt werden, betont Manfred Berger.

Im Zuge des Strukturwandels will sich die Win.DN zudem um eine Batteriezellenfertigung in Düren bemühen. Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) wolle mindestens zwei Standorte in Deutschland zur Stärkung der E-Mobilität fördern, betont Hissel. Er bringt das 42 Hektar große Areal an der Henry-Ford-Straße zwischen Neapco und Miesheimer Weg ins Gespräch. Hissel weiß, dass eine solche Ansiedlung mit 1000 bis 2000 Arbeitsplätzen bundesweit sehr begehrt ist.

In der direkten Nachbarschaft haben Köln-Niehl und Euskirchen ihre Fühler bereits ausgestreckt. Trotzdem sehen er und seine Kollegen gute Argumente, die für eine Ansiedlung in Düren sprechen: zum Beispiel die Lage direkt neben der Streetscooter-Produktion im Neapco-Werk und dem derzeit einzigen Anbieter von E-Mobil-Aufbereitungen, der französischen Cat-Gruppe („Recontec“), so dass ein E-Mobilitäts-Camüus entstehen könnte.

Hinzu kommt die Tatsache, dass  baurechtlich keine Hindernisse zu erwarten sind und der Bund in der Pflicht stehe, den Wegfall  gut dotierter RWE-Arbeitsplätze im Rheinischen Revier zu kompensieren.  Eine Entscheidung in der Standortfrage erwartet Hissel spätestens  2020.

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